Doctor Doom: Iron Man – Rollentausch

© Infamous Iron Man


Zeig mir dein Gesicht, Victor.“

Glaubt man den Worten von Marc Silvestri, so hat Robert Downey Junior mit seiner Rolle als Iron Man nicht nur der damals eher unbedeutenden Figur wieder neues Leben eingehaucht, sondern mit einem Schlag das gesamte Überleben der Superhelden gesichert. Zugegeben, mit dieser Aussage lehnt sich der Mitbegründer von Image Comics gewagt weit aus dem Fenster, dennoch steckt in ihr, zumindest in Bezug auf Iron Man, doch ein wahrer Kern. Ohne jetzt im Detail auf das Marvel Cinematic Universe (MCU) eingehen zu wollen, lässt sich der massive Einfluss von Robert Downey Junior auf die Figur Tony Stark kaum leugnen. Marvel pokerte hoch und schmiss der breiten Masse einen Helden im rot-gold lackierten Metalanzug vor die Füße, der im Vergleich zu anderen Marken wie Spider-Man oder den X-Men eher die zweite Geige spielte. Dass sie mit dieser Entscheidung in den kommenden Jahren mehrmals den gesamten Pot (um bei der Poker-Metapher zu bleiben) abstauben würden und dieser Film erst der Grundstein eines milliardenschweren Franchises werden würde, stand damals, genau gesagt 2008, noch in den Sternen.

Doch nicht nur den Filmen drückte Downey Junior seinen ganz persönlichen Stempel auf. Auch in den Comics fand die Interpretation des in New York geborenen Schauspielers immer mehr Platz und Iron Man wurde spätestens unter der Feder von Matt Fraction wieder zu einem der Aushängeschilder des Marvel Universums. Mittlerweile schafft es die Figur sogar mehrere (Heft-) Serien zu füllen und scheint auch im deutschsprachigen Raum eine breite Leserschafft bei Laune zu halten. Kürzlich jedoch mussten die Fans des Kosmopoliten starke Nerven zeigen, denn die Geschehnisse rund um den Civil War II hatten gehörige Einflüsse auf die Figur und so musste jemand anderes für Tony Stark in die Presche springen. In diesem Zuge bringt Panini Comics nun eine neue Iron Man Serie auf den Markt, welche, so viel sei gesagt, es echt in sich hat. Niemand geringerer als Victor von Doom beschließt von nun an die Rüstung zu tragen und als neuer, „infamous“ Iron Man die Menschheit zu beschützen.

So irre es auch klingen mag, so gut funktioniert die Figur des ehemals als Dr. Doom bekannten Schurken in seiner neuen Rolle. Geläutert von den Ereignissen rund um das Blockbuster-Event Secret Wars, erkennt Victor von Doom, dass es ihm keinen innerlichen Frieden bringt, die Menschen zu unterjochen und über sie zu herrschen. Nach reiflicher Überlegung fasst er den Entschluss eben jenen, die es am meisten brauchen, zu helfen und beschließt von nun an als neuer Iron Man das Böse zu bekämpfen. Dabei helfen ihm natürlich seine Beziehungen zu ehemaligen Superschurken, um genau diese auszuforschen und ihnen schnell und völlig unerwartet den Gar auszumachen. Dass diesem plötzlichen Sinneswandel natürlich nicht jeder Glauben schenkt, ist nur allzu verständlich und so sieht sich Victor nicht nur von S.H.I.E.L.D und Ben Grimm konfrontiert, sondern muss sehr bald erkennen, dass sein neues Outfit auch andere Kräfte heraufbeschwört.

Autor Brian Michael Bendis, der zu diesem Zeitpunkt schon exklusiv bei DC unter Vertrag steht, beweist an dieser Serie einmal mehr, dass ihm gewisse Figuren einfach liegen. Gemeinsam mit Alex Maleev, der atemberaubende Zeichnungen in den Band zaubert, gelingt es ihm, einer Figur eine völlig neue Richtung zu geben, ohne diese in ihren Grundzügen zu verändern. Maleevs Zeichnungen, welche stellenweise den Text in den Schatten stellen, komplementieren Bendis’ Skript hervorragend und fügen dem Charakter eine vertraute Kälte hinzu. Insgesamt entsteht somit eine Geschichte, die trotz des etwas weit hergeholten Konzepts für Überraschungen und vor allem für glaubhafte Spannung sorgt.

Der von Panini im edlen Softcover mit Klappen veröffentlichte Band ist nicht nur für eingefleischte Iron Man Jünger ein absoluter Leckerbissen. Vor allem Leser, die bisher kaum etwas mit der Figur anfangen konnten, sollten hier definitiv einen Blick riskieren. Und wer weiß, vielleicht überkommt euch ja auch das Fieber!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Doctor Doom: Iron Man Rollentausch
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: US Infamous Iron Man #01-06
Autor: Brian Michael Bendis
Zeichner: Alex Maleev
ISBN: 978-3-7416-0385-3

Negan ist hier! Das Interview mit Charlie Adlard

© Negan ist hier – Crosscult

Während letzte Woche noch über Negans Vergangenheit berichtet wurde und ich mir Negan ist hier! einmal genauer angesehen habe, ermöglicht uns Cross Cult diese Woche ein Interview mit niemand geringerem als Charlie Adlard, dem Zeichner der The Walking Dead Serie, der natürlich auch Negans’ Herkunftsgeschichte in Szene setzt. Wie er die Figur und dessen Entwicklung sieht und wie seine Arbeit mit Robert Kirkman generell aussieht, könnt ihr im folgenden Gespräch nachlesen:

Stefan: Wann haben sich Du und Robert Kirkman dazu entschieden, Negan eine Origin Story zu spendieren und wieso?

Charlie: Negan hat generell eine etwas andere Entstehungsgeschichte im Vergleich zu anderen Figuren aus The Walking Dead. Normalerweise sendet mir Robert immer seine Vorstellungen zu einem Charakter und ich fertige dazu ein paar Sketche an. Negan bildet da eine Ausnahme. Es entstanden damals sechs verschiedene Cover, die jeweils einzelne Figuren und deren Waffen zeigten. So wollten wir die Saviors einführen. Eines der Cover zeigte einen Typen mit Lederjacke und einem Baseballschläger, welcher mit Stacheldraht umwickelt war. Später erzählte mir Robert, dass er keine Ahnung hatte, wie Negan aussehen sollte, bis er meine Zeichnung sah. Also nahmen wir das als Basis für den Charakter fügten noch einige Details hinzu, die Robert vorschlug, und Negan war geboren.

S: Origin Stories sind ja immer ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sind die Leser neugierig, wie die Biographie einer Figur aussieht, auf der anderen Seite nimmt man dem Charakter, wenn man zu viel verrät, oftmals seine interessanten Aspekte. Wie stehst du zu dieser Zwickmühle?

C: Ich habe das eigentlich nie wirklich als eine Zwickmühle gesehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass das eher ein Frage ist, die den Autor und nicht so sehr den Zeichner betrifft. Dennoch kann ich dazu sagen, dass wir bewusst auf detaillierte Origin-Stories in The Walking Dead verzichtet haben. In erster Linie deshalb, weil die Serie auf das Hier und Jetzt fokussiert ist und keinerlei Herkunftsgeschichten bedarf. Bei Negan wurde uns allerdings schnell bewusst, dass wir, aufgrund seiner Entwicklung innerhalb der Serie, UNBEDINGT auf seine Vergangenheit eingehen mussten. Also spendierten wir ihm eine separate Origin-Story, die wir als abgeschlossene Geschichte veröffentlichten. Ich bin der Meinung, dass diese dem Charakter einiges gegeben hat und Negan vom gewöhnlichen Schurken zu einer der wohl am besten verstandenen Figuren innerhalb der Geschichte wurde. Wen du mich fragst, ist er mittlerweile einer der faszinierendsten Charaktere innerhalb der Serie.

S: Wie viel Charlie Adlard steckt in den Figuren von The Walking Dead und wie viel steckt insbesondere in dem Charakter von Negan?

C: Also, da ich die gesamten Figuren zeichne, würde ich sagen mein Anteil liegt bei 50%. Und so sollte das übrigens bei jedem guten Comic aussehen: Autor und Zeichner sind jeweils zur Hälfte am Ergebnis beteiligt. So läuft das nun mal. Ist der Anteil von einer der beteiligten Personen zu hoch, dann wirkt die Serie unausgeglichen und auf einmal, ist das Endprodukt nicht mehr so, wie ein Comic nun einmal sein sollte.

S: Negans Geschichte ist von persönlichen Verlusten geprägt, die er oftmals durch den Gebrauch von vulgärer Sprache und Gewalt kompensiert. Wie gehst du vor, um diese Emotionen auch zeichnerisch auf den Leser wirken zu lassen?

C: Das ist natürlich die große Herausforderung in The Walking Dead. Es geht immer nur um die Figuren und deren Emotionen. Das ist es aber auch, was ich an der Serie so schätze und was mich an ihr begeistert. Es ist oftmals eine Herausforderung, aber das ist auch der Grund, warum ich seit über 170 Einzelheften noch immer an der Serie beteiligt bin. Sicherlich ist es oft nicht leicht, aber wo wäre denn der Spaß, wenn es immer so einfach wäre? Es würde mit der Zeit langweilig werden und das würde man natürlich auch in meinen Zeichnungen sehen.

S: In Negan ist hier! gibt es einige Panels, die komplett ohne Text auskommen und trotzdem (oder sogar deswegen) eine starke Aussagekraft haben. Inwiefern unterscheidet sich der kreative Prozess des Erstellens solcher Panels im Vergleich zu denen mit Text/Dialogen?

C: Schlussendlich bin ich immer verantwortlich, eine Geschichte zu erzählen. Und gerade bei Comics ist das sicherlich das Wichtigste. Natürlich wird immer über die großartige Schreibweise und die phänomenalen Zeichnungen geredet, dennoch, am Ende steht immer die Geschichte selbst. Wenn ich keine Geschichte ohne Dialoge erzählen könnte, dann wäre ich falsch in meinem Beruf und sollte kein Comic Zeichner sein.

S: Wie viele künstlerische Freiheiten hast du als Zeichner der Serie? Man liest ja immer wieder über Autoren die strikte Vorgaben haben, aber auch jene, die dem jeweiligen Zeichner viele Freiräume einräumen? Was für ein Typ ist Robert Kirkman?

C: Robert ist ein Minimalist was das angeht – und das gefällt mir. So habe auch ich mehr Spielraum innerhalb des Skripts und es fühlt sich nicht so an, als ob ich an alles gebunden wäre, was der Autor schreibt. Wie ich schon sagte, ich trage genau so viel zur Geschichte bei wie Robert. Er liefert das bestmögliche Skript und ich lasse anschließend meine Phantasie spielen. Außerdem arbeiten wir mittlerweile seit 14 Jahren Monat für Monat zusammen. Wenn wir während all dieser Zeit keinerlei Gespür für den anderen bekommen hätten, würde etwas gewaltig falsch laufen.

Vielen Dank für das Interview!

Und vielen Dank an den Cross Cult-Verlag, der dieses Interview möglich gemacht hat!

Here’s Negan

© Here’s Negan

„Es ist Zeit, dass ich euch von Lucille erzähle.“

Wir Comicleser sind schon eine eigenartige Spezies: Gewohnheitstiere durch und durch und dennoch stets darauf bedacht, nach Veränderungen zu lechzen, um eben diese, sollten sie wirklich eintreten, heftig zu kritisieren. Ein ähnliches Phänomen lässt sich auch bei Charakterbiographien, den sogenannten Origin-Stories, beobachten. Wissbegierig und in stetiger Erwartungshaltung streben wir danach, möglichst viel über die Figuren, denen wir treu ergeben sind, zu erfahren. Dieser Wunsch wird uns zwar häufig erfüllt, denn beinahe allen großen Charakteren wurde mindestens eine solche Herkunftsgeschichte spendiert, dennoch rutschen wir immer wieder in das alte Muster und beschweren uns über genau das, was wir uns ursprünglich gewünscht haben. Mit diesen und noch vielen anderen typischen Verhaltensmustern von uns Fanboys und Fangirls sehen sich Comicverlage und deren Autoren täglich konfrontiert und müssen kontinuierlich lernen, damit umzugehen. Robert Kirkman und Charlie Adlard wagen sich trotz der beschriebenen Umstände aufs Glatteis und veröffentlichen in einem abgeschlossenen Band die Herkunftsgeschichte des wohl berüchtigtsten fiktionalen Schurken Virginias: Negan!

Wer die Comicserie, welche im schicken Hardcover bei Cross Cult erscheint, oder die gleichnamige Fernsehserie von The Walking Dead regelmäßig verfolgt, der weiß, mit welcher Sorte Mensch man es zu tun bekommt, wenn Negan den Raum betritt. In ständiger Begleitung seiner geliebten Lucille, einem Baseballschläger, der mit Stacheldraht umwickelt wurde, hatte dieser Mann schon mehrmals die Gelegenheit sich dem Leser beziehungsweise dem Zuseher von seiner besten Seite zu präsentieren. Brutal, rücksichtslos und durchwegs gut gelaunt lässt uns Negan immer wieder aufs Neue innerlich zusammenzucken. Doch was musste geschehen, um solch einen Psychopathen hervorzubringen und wie war er, bevor die Welt den Bach runter ging? Diese und weitere Fragen greifen Kirkman und Adlard im vorliegenden Band, Negan ist hier!, auf und gewähren dem Leser Einblicke in sein Leben.

Auf 76 Seiten erzählen Autor und Zeichner eine Geschichte, die dem selben Schema folgt wie die Hauptserie und uns gnadenlos unangenehme Realitäten vor Augen führt. In einer für Kirkman ungewohnt flotten Art wird hier das Bild eines Mannes gezeichnet, welcher Schwierigkeiten hat, seine Gefühle zu zeigen und zu kontrollieren. Ein tragischer Schicksalsschlag drängt ihn zunehmend in die soziale Isolation und lässt ihn emotional abstumpfen. Durch seinen unbändigen Überlebenswillen und einen stark ausgeprägten Beschützerinstinkt überlebt Negan die ein oder andere ausweglose Situation und wird dadurch immer mehr zu einer Führungsfigur innerhalb diverser Gruppierungen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass genau diese und noch weitere Attribute auch auf Rick Grimes zutreffen. Neben weiteren Details aus Negans Vergangenheit und der Bedeutung einzelner Habseligkeiten vermeiden es Kirkman und Adlard zu viel zu verraten und damit der Figur einiges an Tiefe zu rauben. Auch der klassischen Transformationsgeschichte, in der ein Ereignis einen Menschen komplett verändert, kehren sie den Rücken und zeigen Negan von Beginn an als einen sozialen Grenzgänger, dessen Leben von Auf und Abs gekennzeichnet ist. Vielleicht ist genau das die größte Überraschung in diesem Band.

Ob ein eigener Comic wirklich nötig war, um den geneigten Leser auf die Komplexität der Figur hinzuweisen, bleibt wie üblich die Gretchenfrage, welche jeder für sich selbst beantworten muss. Ohne zu viel vorwegzunehmen lässt sich dennoch sagen, dass Negan ist hier! sicherlich eine nette Ergänzung zur Hauptserie ist, die einen weder langweilt, noch die Freude an der Figur nimmt. Allein dies ist auf jeden Fall ein Qualitätsmerkmal, mit dem nicht jede Origin-Story punkten kann.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen
Titel: Negan ist hier!
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: The Walking Dead: Here’s Negan!
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Charlie Adlard & Cliff Rathburn
ISBN: 978-3-95981-630-4

Superman Band 3: Supermen aus aller Welt

© DC Comics

Jetzt fällt der Vorhang.“

Er war der erste Superheld, den die Welt als solchen kennenlernen durfte und begeistert seitdem regelmäßig die Leserschaft. Superman ist nicht nur einer der mächtigsten Helden des DC Universums, sondern auch einer der umstrittensten Figuren darin. Durch seine gottgleichen Fähigkeiten und dem damit einhergehenden Strahlemann-Image ist der ewige Pfadfinder oft im Kreuzfeuer der Kritik und muss sich einige Vorwürfe gefallen lassen. Superman sei zu langweilig, zu perfekt und überhaupt ein Charakter, mit dem man sich kaum identifizieren könne. So klingen nur einige der zahlreichen Vorwürfe, die man immer wieder zu hören bekommt. Dass der Kryptonier allerdings tief in der US amerikanischen Geschichte verankert ist und mehr als jeder andere den ‚American Dream’ in all seinen Facetten verkörpert, wird an dieser Stelle oftmals vergessen. Ich wage daher zu behaupten, dass die Kritik nicht der Figur selbst, sondern den Künstlern, die an ihr arbeiten, gelten sollte. Es gelingt nicht jedem, die Komplexität und die tiefe Zerrissenheit dieses Helden zu begreifen und diese Erkenntnisse in seinen Geschichten zu verarbeiten. Peter J. Tomasi und Patrick Gleason allerdings, die seit dem Rebirth-Start den Mann von Morgen durch zahlreiche neue Abenteuer schicken, zeigen auch im mittlerweile dritten Sonderband, der bei Panini Comics erscheint, wie sehr ihnen die Figur am Herzen liegt und wie Superman-Geschichten auszusehen haben.

Der vorliegende Band lässt sich in drei Teile gliedern, welche aus jeweils abgeschlossenen Handlungssträngen und aus einer bunten Mischung an Themen bestehen. Während zu Beginn Lois Lane vor monströse Probleme gestellt wird, muss am Ende der Junge Jon erkennen, dass eine sturmfreie Bude mehr beinhalten kann als zu viel Süßigkeiten und ausgedehnte Gruselfilm-Marathons. Im Zentrum dieses Bandes steht allerdings ein bombastischer Dreiteiler, welcher Superman ins Multiversum katapultiert und den Mann aus Stahl vor gehörige Probleme stellt. Wie es scheint, macht jemand im ganzen Multiversum Jagd auf sämtliche Supermen und Superwomen und lässt diese spurlos verschwinden. Wer solch eine Macht besitzen könnte, um dies Zustande zu bringen, ist nur eine der brennenden Fragen innerhalb dieser Geschichte. Viel spannender ist hier aber sicherlich die Tatsache, dass der Superman, den wir kennen, offenbar nicht auf der Wunschliste des vermeintlichen Jägers steht …

Dass sowohl die Superman Sonderbandreihe als auch die Heftserie, welche Action Comics enthält, momentan die Speerspitze des Superheldenprogramms von DC bildet, beweist auch dieser Band wieder eindrucksvoll. Auch wenn er qualitativ den ersten beiden Bänden ein wenig hinterherhinkt, liefern die hier enthaltenen Geschichten Spannung, Spaß und jede Menge Cliffhanger. Tomasi, der schon in der Batman und Robin Reihe im neuen DC Universum (The New52) deutlich unter Beweis gestellt hat, dass ihm Vater und Sohn Geschichten liegen, trifft auch hier erneut den Ton, den wir uns alle so sehr bei Superman Stories wünschen. Auch wenn die Vater-Sohn Dynamik stellenweise einer Weltraum-Keilerei weichen muss, überzeugen Autor und Zeichner (in diesem Fall nicht nur Gleason) mit familiären Settings und starken Figuren. Obwohl gerade die Multiversum-Story um die Spur zu rasant zu Ende geführt wurde, bilden die drei abgeschlossenen Abenteuer eine willkommene Verschnaufpause, bevor es mit einem hoffentlich spannenden Sechsteiler, der sich Black Dawn nennt, im nächsten Band weitergeht.

Paninis Entscheidung den Mann aus Stahl mit zwei verschiedenen Formaten (Sonderband und Heftserie) auszustatten und ihm so die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdient, erweist sich knapp neun Monate nach dem Rebirth-Start als goldrichtig. Abseits der großartigen Geschichten ist Superman auch hinsichtlich der derzeitigen Entwicklungen rund um den mysteriösen Mr. Oz eine Figur, deren Entwicklung man definitiv verfolgen sollte. In diesem Sinne: Auf, auf und davon und ab in den nächsten Comicshop!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Superman Sonderband 3: Supermen aus aller Welt
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: US Superman 12-17
Autor: Peter J. Tomasi, Patrick Gleason
Zeichner: Doug Mahnke, Ivan Reis, Tony Daniels uvm
ISBN: 978-3741605147

Justice League of America 1: Rebirth Special

© Justice League of America: Rebirth


(Mögliche Spoilerwarnung: Wir verweisen hierbei auch auf die Rezensionen von Justice League vs. Suicide Squad und dem DC Rebirth – Special!)

„Es wurde Zeit, ins Licht zu treten.“

Rechtzeitig zum Start des neuen Justice League Films bringt auch Panini Comics eine neue Serie der Liga auf den Markt. Wie im Event Justice League vs. Suicide Squad bereits angedeutet, stellt kein Geringerer als Batman die neue Truppe, welche unter dem Banner Justice League of America läuft, auf die Füße. Dass sich die Mitglieder hier deutlich von denen der „normalen“ Justice League unterscheiden, hat schon berechtigte Gründe und so nutzt Steve Orlando die Gunst der Stunde, um alte Konzepte zu modernisieren und somit ein menschlicheres Team zu schaffen. In fünf voneinander unabhängigen Heften, welche jeweils die Origin eines Charakters beziehungsweise des Teams erzählen, bringt uns Orlando, unter Mithilfe diverser Künstler wie Ivan Reis und Stephen Byrne, eine Reihe von neuen Figuren näher und zeigt in gewohnt gekonnter Manier, wie man diesen in nur wenigen Seiten Leben einhaucht.

Neben der Wissenschaftlerin Caitlin Snow, die besser unter dem Namen Killer Frost bekannt ist, dem Sprüche klopfenden Kopfgeldjäger Lobo und der bezaubernden Black Canary setzen Autor und Zeichner auf frisches Blut in Form von jungen, dynamischen Helden. Mit Ray, Ryan und Vixen präsentiert Orlando drei Figuren, die sich in ihrer Biographie deutlich voneinander unterscheiden, dennoch ähnliche Schwierigkeiten haben, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Im Kontext eines bewährten Erzählschemas erfährt der Leser häppchenweise mehr über die einzelnen Mitglieder, bis schlussendliche ein holzschnittartiges Mosaik sichtbar wird, welchem der letzte Feinschliff (noch) verwehrt bleibt. Orlandos Bemühen seinen Figuren Tiefe zu geben und sie somit aus der reinen Klischeehaftigkeit ausbrechen zu lassen, gelingt zwar nicht immer, dennoch spürt man, gerade bei den jüngeren Helden, seinen Mut Neues zu versuchen und die Liga somit moderner und frischer wirken zu lassen. So bunt diese neue Mischung, die unter Batmans Regie wohl bald auf Verbrecherjagd gehen wird, nun auch scheinen mag, so glaubhaft und notwendig wirkt deren Zusammenspiel. Eine schier merkwürdige und einmalige Komposition, die ihre Krönung auf der letzten Seite erfährt, als niemand geringer als Ivan Reis das Team in seiner Gesamtheit aufs Papier zaubert und somit den Startschuss für das erste Abenteuer gibt.

Obwohl der Band noch keinerlei Richtung vorgibt, in die sich die Serie entwickeln könnte, machen die Geschichten in ihrer Isolation durchaus Lust auf mehr. Wie schnell sich gewisse Figuren abnützen und wie viel Entwicklungspotenzial vor allem in Ray, Ryan und Vixen steckt, werden die kommenden Bände zeigen, an denen sich die Serie schlussendlich messen lassen wird müssen. Dass auch in diesem Band Verweise zum DC Rebirth Special enthalten sind, deutet nicht nur auf eine akribische Planung des Verlags hin, sondern kann durchaus auch als Symbol für die Relevanz der Serie zu lesen sein. Und wer den Mitternachtsdetektiv auch nur ein bisschen kennt, der weiß natürlich, dass Batman mit Sicherheit Gründe hat, die eine Justice League of America rechtfertigen.

Lobenswert ist abschließend auch die Veröffentlichungspolitik von Panini Comics, die die in den USA als separate Einzelheft erschienen Geschichten gleich in einen Sammelband packen und somit für einen runden Lesegenuss sorgen. Der Band richtet sich nicht nur an Leute, die auf Team-Serien und/oder Lobos schwarzen Humor stehen, sondern ist auch durchaus für Leserinnen zu empfehlen, die auf der Suche nach kurzweiliger Unterhaltung sind.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Titel: Justice League of America: Rebirth Special
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: JLA Rebirth: Ray/Vixen/Atom/Killer Frost; JLA Rebirth
Autor: Steve Orlando
Zeichner: Ivan Reis, Jody Houser, Stephen Byrne uva.
ISBN: 4-191246-012998-01

American Gods: Schattenbuch 1/2


Dann erloschen die Lichter und Shadow sah die Götter.

Zugegebenermaßen begibt man sich immer auf gefährliches Terrain, wenn man beginnt, die Qualität eines Kunstwerkes mit dessen Verbreitung beziehungsweise dessen Erfolg gleichzusetzen. Gerade in einer von amerikanischer Popkultur geprägten Konsumlandschaft können solche Experimente daher häufig in die Hose gehen. In der heutigen Buchbesprechung wage ich mich ganz bewusst (und vielleicht sogar etwas provokant) auf dieses Glatteis und stelle die Behauptung auf, dass Neil Gaimans American Gods ein Meisterwerk erster Güte ist. Nicht zuletzt, da es medienübergreifend die Massen begeistert und der Stoff scheinbar seit beinahe 17 Jahren kaum an Aktualität einbüßt.

2001 veröffentlichte der Engländer einen Roman, der es schaffte, Figuren der klassischen Mythologie sowie Elemente der amerikanischen Folklore zu verbinden und diese Ideen fest in den Einwanderungs-Mythos der USA zu verankern. Zusätzlich implementierte er moderne Konzepte der Sozialwissenschaft und porträtierte die mythologischen Götter als Teil eines hochkomplexen Machtsystems, welches auf Legitimation angewiesen war und durch Konkurrenzkampf geprägt wurde. Gaimans Konzepte zündeten und das Buch wurde zum Kassenschlager. 2017 erschien die gleichnamige Fernsehserie und auch eine Comic-Adaption kam beinahe gleichzeitig auf den Markt. Letztere erregte auch die Aufmerksamkeit des deutschen Marktes und so liefert uns der Splitter Verlag die ersten fünf Ausgaben der genialen Serie und packt diese, wie für den Verlag üblich, in ein hochwertiges und schickes Hardcover.

Die Geschichte orientiert sich schablonenhaft an Gaimans ursprünglichem Roman und auch die Erzählweise erinnert trotz medienspezifischer Unterschiede an vielen Stellen stark an die Buchvorlage. Der Gefangene Shadow wird aufgrund des Ablebens seiner Frau vorzeitig aus seiner Haft entlassen und lernt im Zuge seiner Heimreise einen mysteriösen Mann kennen, der ihm einen Job anbietet. Nichtsahnend nimmt der junge Mann das Angebot an und findet sich bald inmitten eines uralten Konflikts wieder, der zwischen vor langer Zeit gestrandeten Göttern ausgetragen wird und dessen Ausmaß Shadow erst langsam zu begreifen beginnt.

Dass Gaiman auch in der Comic-Adaption auf bewährte Tugenden setzt und die Story, aufgrund ihrer Textlastigkeit, stellenweise an einen Prosatext erinnert, tut dem Ganzen keinen Abbruch. Mit Craig Russell als Co-Autor und Scott Hampton, der für die stimmigen Zeichnungen zuständig ist, präsentiert Gaiman ein Kreativ-Team, welches dem Titel mehr als gerecht wird. Die Geschichte entwickelt sich wie ein mythologisches Road Movie und liest sich wie eine Hymne auf die Grenzenlosigkeit Nordamerikas mit all seiner ethnischen Vielfalt und dutzenden lokalen Mythen. Groteske Elemente prallen auf klar ausgearbeitet Figuren und eine konzentrierte Plot-Entwicklung. Die für Neil Gaiman typischen psychedelischen Elemente entfalten sich somit behutsam in einer nicht von ständiger Vorwärtsbewegung getriebenen Umgebung und gipfeln nicht selten in karnevalesken Elementen.

Wer sich nun fragt, warum man sich den Comic zulegen sollte, obwohl man die anderen Versionen schon kennt, dem sei gesagt: Weil er verdammt gut ist! Trotz weniger Neuerungen, abgesehen von den Illustrationen, präsentiert sich American Gods, als Comic-Adaption, als ein absolutes Meisterwerk, welches sowohl Neueinsteiger als auch Gaiman-Fanatiker abholt und Seite für Seite zum Staunen einlädt.

BEWERTUNG: 5 von 5 Sternen

Titel: American Gods: Schatten Buch 1/2
Verlag: Splitter Verlag
Format: Hardcover
Originalausgaben: US American Gods #01-05
Autor: Neil Gaiman und P. Craig Russell
Zeichner: Scott Hampton
ISBN: 9-783962-190019

Outcast 4

© Outcast 4

 

Wer bist du, den Willen Gottes zu verwehren?“

Dass Robert Kirkman ein Meister darin ist, altbekannten Konzepten neues Leben einzuhauchen, beweist er in mittlerweile 28 erschienen Bänden von The Walking Dead mehr als eindrucksvoll. Parallel zu den Zombies wagt sich der Amerikaner allerdings auch an ein ebenso stark etabliertes Genre heran und liefert mit Outcast eine Horror-Story, die uns tief in den Bereich des Exorzismus führt. Kirkman bedient sich für den Aufbau und für das Setting am Repertoire einer Enthüllungsgeschichte, indem er sowohl seine Figuren als auch die gezeigten Schauplätze mit einer gewissen Dramatik und Dunkelheit auflädt, die Lesern viel Spielraum für Interpretationen lassen. Zusätzlich unterwandert er immer wieder geschickt und sehr subtil genre-spezifische Stereotypen und schafft es dadurch, Spannung und Grusel aufrecht zu erhalten.

Im vierten Band dieser Reihe liefert uns der Autor erstmals Antworten auf einige der Fragen, die uns Lesern seit dem ersten Band unter den Fingernägeln brennen. Kyle, der sich mittlerweile seiner Kräfte bewusst ist, diese allerdings nicht zuordnen kann, gerät zunehmend in Bedrängnis und muss einige ungemütliche Entscheidungen treffen. Auch Reverend Anderson wird schonungslos mit Wahrheiten konfrontiert, die sein gesamtes Welt- und Glaubensbild heftig auf den Kopf stellen. Es scheint so, als ob in der Kleinstadt Rome, in West Virginia, weitaus mehr Menschen besessen sind, als er und Kyle bisher vermutet haben. Zu allem Überfluss steht nun auch der vermeintliche Feind direkt vor der eigenen Haustür und so müssen beide Protagonisten entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen. Eine Entscheidung, deren Folgen schwerwiegender nicht sein könnten.

Obwohl sich Kirkman mit The Walking Dead die Latte selbst sehr hoch gelegt hat, beweist er mit Outcast seit mittlerweile über zwei Jahren, dass er ein durchaus facettenreicher Schreiber ist. Hier glänzt er vor allem mit breitgefächerten Charakteren, die sich von Ausgabe zu Ausgabe weiterentwickeln und mit denen man sich, aufgrund ihrer authentischen Handlungen, leicht identifizieren kann. Zusätzlich schafft es Kirkman immer die richtigen Zeichner ins Boot zu holen und hat mit Paul Azaceta wohl einen der begabtesten Künstler der Szene an Board. Der Mann ist ein Meister seines Faches und überzeugt durch eine geniale Farbwahl und einem ausgeklügeltem Licht-Schattenwechsel, der großen Anteil an der düsteren Atmosphäre hat. Zusätzlich etabliert Azaceta seit dem ersten Band eine sehr eigenwillige und repetitive Panelstruktur, die perfekt mit Kirkmans eher mäßigem Erzähltempo harmoniert und so eine belastend dunkle Stimmung erzeugt.

Allein aufgrund der bereits angesprochenen Charakterentwicklung würde ich jedem dringend raten, bei Band eins einzusteigen, um so die Story in voller Länge genießen zu können. Der vorliegende Band eignet sich allerdings auch bestens als Einstieg, da genau hier ein neuer Abschnitt beginnt und man somit der Geschichte problemlos folgen kann. Wie man es auch dreht und wendet, Outcast ist und bleibt ein unumgänglicher Pflichtkauf.

BEWERTUNG: 4 ½ von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Outcast: In den Fängen des Teufels
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Outcast #19-24
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Paul Azaceta
ISBN: 9-783959-8-10852

Justice League vs. Suicide Squad

© DC Comics: Justice League vs. Suicide Squad

„Macht korrumpiert nicht. Furcht korrumpiert, vielleicht die Furcht vor dem Machtverlust.“

Acht Monate nach der Veröffentlichung des DC Rebirth Specials ist es nun also soweit: Panini liefert uns in drei extradicken Heften das erste Crossover-Event der Rebirth-Ära. Dass in Justice League vs. Suicide Squad vor allem die letztere Fraktion im Mittelpunkt steht, überrascht keineswegs. Ist es doch die Truppe rund um Harley Quinn, welche sich seit dem Erscheinen des dazugehörigen Kinofilms als Kassenschlager entpuppt. Neben der Etablierung neuer Charaktere wie Killer Frost, schafft es Autor Joshua Williamson, der auch an der aktuellen Flash Serie überzeugt, zu der für Events typischen Hau-drauf-Action auch nachdenklich stimmende Passagen in die Geschichte einzubetten. Tatkräftige Unterstützung erhält er unter anderem von Jason Fabok und Tony Daniel, welche auf zahlreichen Spread Pages die Muskeln spielen lassen und für einen Augenschmaus der Extraklasse sorgen.

Die zwei Handlungsstränge, welche uns einerseits die Pläne von Maxwell Lord, einem machthungrigen Telepathen, offenbaren und andererseits die Auseinandersetzung der Justice League mit der Suicide Squad schildern, bilden den Kern der Story und steuern in zügigem Tempo auf ein krachendes Finale zu. Nebenbei bleibt genügend Zeit um mehr oder weniger bekannte Schurken einzuführen und den Status quo des DC Universums, wenn auch nur geringfügig, zu verändern. Im Zuge der drei Hefte müssen sich einzelne Helden nicht nur körperlich beweisen, sondern werden auch mental auf ihre Fähigkeiten geprüft. Im Zentrum, obwohl im Hintergrund agierend, steht die manipulative Regierungsagentin und Gründerin der Task Force X, wie das Suicide Squad offiziell genannt wird, Amanda Waller. Während Max Lord seinen Zielen immer näher kommt und dabei Team-Zusammensetzungen gehörig durcheinanderwürfelt, taucht aus dem Nichts ein neuer, weitaus gefährlicherer und beinahe vergessener Gegner auf. Für Helden und Schurken entsteht somit ein Spießrutenlauf, der zunehmend prekärer wird und schließlich in einer dramatischen Schlacht vor dem weißen Haus gipfelt. Das Event endet so mysteriös, wie es beginnt und entzieht sich somit der völligen Auflösung aller offener Fragen. Dass allerdings ein neues Team, welches von Batman angeführt werden wird, ante Portas steht und durch eine extravagante Zusammenstellung für einige Furore sorgen dürfte, ist sicherlich die größte Veränderung, welche Justice League vs. Suicide Squad mit sich bringt.

Joshua Williamson, der mittlerweile exklusiv bei DC Comics unter Vertrag steht, liefert uns nicht nur einen actiongeladenen Blockbuster, sondern versucht die wenigen ruhigen Momente zu nützen, um der ganzen Geschichte ein wenig Tiefe zu verleihen. Dass dies oftmals eine nicht zu bewältigende Übung darstellt, liegt bei einem „versus“-Titel klar auf der Hand. Dennoch wirken Charaktere wie etwa Maxwell Lord oder auch Amanda Waller bei kritischer Betrachtung wie Spiegelbilder unserer heutigen politischen Vertreter. Ohne den Finger direkt in die Wunde zu legen, konstruieren Autor und Zeichner kompromisslose Egoisten, welche ihre Gier nach Macht mit Themen wie Sicherheit und Freiheit kaschieren wollen und dabei über Leichen gehen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nichtsdestotrotz bleibt Justice League vs. Suicide Squad ein typisches Event, welches durchaus zu unterhalten weiß, ohne jedoch den Anspruch auf essentielle Bedeutung zu erheben.

Die in den Heftserien Justice League und Suicide Squad veröffentlichten Tie-Ins bieten zwar einige Zusatzinfos und vertiefen teilweise die Haupthandlung des Events, sind aber alles andere als notwendig, um der Geschichte folgen zu können. Wer also Lust auf ein typisches Superhelden-Event hat, der kann hier getrost zugreifen. Den kommenden Geschichten wird man allerdings auch ohne diese Lektüre problemlos folgen können.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Justice League vs. Suicide Squad
Verlag: Panini Comics
Format: Heft-Format
Originalausgaben: US Justice League vs. Suicide Squad #01-06
Autor: Joshua Williamson
Zeichner: Jason Fabok, Tony S. Daniel uva.
ISBN: 4-191141-705995-1/2/3

Mouse Guard Fall 1152

© David Petersen


Sterben ist ebenso eine mächtige Waffe wie ein leichter Ausweg.“

Anthropomorphe Tierfiguren haben in der Literatur eine lange Tradition. Von den Bremer Stadtmusikanten bis hin zu sprechenden Schweinen, die eine Revolte auf dem Bauernhof auslösen, prägen Tiere, als Stilmittel um stereotype Charaktere darzustellen, die Literaturlandschaft. Auch der Comic öffnete sich diesem Zugang und so entstanden Meisterwerke wie Maus oder auch Blacksad. Die Mouse Guard Reihe, welche vom aufstrebenden Amerikaner David Petersen sowohl geschrieben als auch gezeichnet wird, greift diese Tradition nun auf und präsentiert uns eine Mäusegesellschaft, welche nach dem Winterkrieg um 1149 damit beschäftigt ist, ihre Territorien zu sichern und ihre Bürger zu schützen. Hierfür zuständig ist eine kleine Schar von Nagern, die sich die Wächter nennen.

Der erste Band dieser Reihe ist in sechs Kapitel gegliedert, die zwar an unterschiedlichen Schauplätzen spielen, dennoch dicht miteinander verwoben sind. Im Fokus steht die Wächtergruppe rund um Liem, Kenzie und Saxon, drei tapfere Mitglieder der Wache, die das Verschwinden eines Kornhändlers aufklären soll, welcher auf seiner üblichen Handelsroute plötzlich verschollen ist. Schnell stellt sich heraus, dass dies erst der Anfang eines großen Abenteuers ist, denn wie sich zeigt, hatte die verschwundene Maus geheime Dokumente bei sich, welche nie in ihren Besitz hätten kommen dürfen. Die drei Mäuse von der Wache können an dieser Stelle nur erahnen, wie ernst die Lage tatsächlich ist. Denn wie sich im Laufe des Bandes herausstellen soll, befindet sich das Mäusereich in höchster Gefahr.

In Mouse Guard: Herbst 1152 zeigt der ambitionierte David Petersen nicht nur sein Gespür für eine fesselnde Geschichte, sondern stellt Seite für Seite sein enormes Können mit dem Zeichenstift unter Beweis. Liebevoll ausgearbeitete Settings, welche alternierend mit stark gewählten Kontrasten und hoch detaillierten Hintergründen ausgeschmückt werden, bilden den fruchtbaren Nährboden von dem jedes Element der Geschichte zehrt. Die bilderbuchartigen Zeichnungen, denen zugegebenermaßen oftmals die Dynamik fehlt, stellen den Text an vielen Stellen in den Schatten und erzählen somit ihre ganz eigene Geschichte. Zudem schafft es Petersen innerhalb eines Bandes, eine ganze Welt zu kreieren, die er nicht nur mit einer eigenen Mythologie ausstattet, sondern auch explizit topographisch verortet. Seine tendenziell nicht komplett ausformulierten Charaktere, welche durchaus als Genre-spezifische Projektionsflächen fungieren, bilden das finale Puzzlestück, welches Mouse Guard zu einem künstlerischen Bollwerk werden lässt.

Ein durchdachter Epilog mit viel Zusatzmaterial und wunderschönen Illustrationen des Autors und Künstlers laden abschließend noch zum Staunen und Genießen ein. Der Band endet so eindrucksvoll, wie er beginnt und entlockt dem aufmerksamen Leser zum Schluss noch ein Schmunzeln, wenn es heißt: „Der Winter naht!“

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Mouse Guard: Herbst 1152
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Mouse Guard #01-06
Autor: David Petersen
Zeichner: David Petersen
ISBN: 978-3-936480-55-9

Paper Girls 2

© Paper Girls


„Das Hier und Jetzt ist weder hier noch jetzt.“

Den meisten ist der Name Brian K. Vaughan vor allem im Bezug auf die Erfolgsserie Saga, welche Jahr für Jahr fröhlich Eisner-Awards hamstert, ein Begriff. Zuvor lieferte uns der talentierte Autor aus Cleveland allerdings auch schon Meilensteine wie Y: The Last Man oder Die Löwen von Bagdad. Für sein neuestes Projekt widmet er sich nun gemeinsam mit Zeichner Cliff Chiang und dem Koloristen Matt Wilson einer farbenfrohen Science-Fiction Serie, welche sich Paper Girls nennt.

Die Geschichte knüpft nahtlos an den ersten Band an und so kommt es gleich zu Beginn zu einer verheißungsvollen Begegnung. Erin Tieng, die vermeintliche Protagonistin, trifft in Begleitung der anderen Mädchen auf ihr zukünftiges Ich und muss erfahren, dass viele Dinge wohl doch nicht so gelaufen sind, wie sie sich das erhofft hätte. Formten im ersten Teil der Serie noch die späten 1988er Jahre die zeitliche Rahmung der Geschichte, so müssen die Teenager nun die bittere Realität des Jahres 2016 in Kauf nehmen. Diese wirkt wiederum, trotz Flatscreen TVs und Smartphones, weitaus trostloser, als gedacht. Doch eigentlich sind diese Erkenntnisse nur Randnotizen. Vielmehr müssen Erin, Mac und Tiffany schleunigst versuchen, das letzte Mitglied ihrer Gruppe zu finden. Denn wie es scheint, wurde KJ in einer anderen Zeit abgesetzt …

Man könnte meinen, dass sich Paper Girls schablonenhaft am Aufbau einer Zeitreise-Story orientiert und dahingehend wenig innovativ ist. Man würde dem Werk allerdings nicht gerecht werden, indem man es nur auf seine Struktur reduziert. Paper Girls ist eine dieser Geschichten, in welcher die Story den Themen weichen muss. Zugegeben, Vaughan drückt dem Ganzen durch den Einsatz zahlreicher abgedrehter Elemente wie berittene Flugsaurier oder Godzilla ähnlichen Bärentierchen, welche in teils abstruser Art und Weise auftreten, doch seinen sehr persönlichen Stempel auf. Dennoch würde ich meinen, dass die große Stärke dieser Serie in den Charakteren und deren Handlungsfeldern zu finden ist. Die großartigen Zeichnungen von Cliff Chiang und die fantastische Kolorierung von Matt Wilson erwecken die Welt(en), in denen sich die Mädchen tummeln, zum Leben und schaffen es, Seite für Seite für „Wow-Momente“ zu sorgen. Wie üblich spart Vaughan auch in Paper Girls nicht mit gesellschaftlicher Kritik. Subtil und oft nur rudimentär wahrnehmbar werden Probleme unserer Zeit angesprochen, ohne dass sie direkt benannt werden. Ohne die Handlung zu unterbrechen, entsteht somit eine Art Verfremdungseffekt, der jegliche Illusion im Keim erstickt. Am Ende bleibt eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft und der Sehnsucht nach einer besseren Welt. Unbedingt zugreifen!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Paper Girls Band 2
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Paper Girls #06-10
Autor: Brian K. Vaughan
Zeichner: Cliff Chiang & Matt Wilson
ISBN: 978-3-95981-410-2