Runaways

© Runaways

Ich mag Bücher über Monster. Na und …?“

Dass Brian K. Vaughan in der Lage ist Comics zu schreiben, verdeutlicht nicht nur sein mittlerweile prall gefüllter Trophäenschrank, sondern vor allem der massive Zuspruch von seinen wichtigsten Kritikern, den Fans. Ob man nun die imposante Space-Opera Saga als Beispiel heranzieht oder einfach seine kultig-abgefahrene Teenager-Storie Paper Girls zitiert – der Kanadier scheint einfach eine schier grenzenlose Gabe zu besitzen, Leute mit seinen Geschichten zu verzaubern. Da seine aktuellen Titel in aller Munde sind, werden die etwas älteren Arbeiten oftmals vergessen. Dass diese den oben genannten Kassenschlagern aber um nichts nachstehen, dachte sich wohl auch Panini Comics und fasste den Entschluss, eine seiner bewegensten Geschichten, die Runaways, in gesammelter (oder besser gesagt in geballter) Form zu veröffentlichen. Der über 430 Seiten dicke Band, der auch gut und gerne als Telefonbuch durchgehen könnte, beinhaltet eine im Superheldenkosmos angesiedelte Abenteuergeschichte, die mit viel Tiefe, facettenreichen Charakteren und fabelhaften Dialogen zu überzeugen weiß; ein echter Vaughan eben.

Als Alex, Nico, Gertrude, Molly, Chase und Karolina beim jährlichen Benefiztreffen ihrer Eltern zusammenkommen, ahnen sie noch nicht, dass dieser Abend ihr Leben komplett auf den Kopf stellen wird. Wie üblich begeben sich die Erwachsenen für Beratungsgespräche in deren private Gemächer und lassen die Kinder wartend zurück. Dass diese allerdings durch Ungeduld und Neugierde lauschend den Geschehnissen folgen, ist den reichen und scheinbar gutmütigen Eltern zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Unbehelligt gehen diese nämlich ihren „wohltätigen“ Zwecken nach und bemerken erst viel zu spät, dass ihre geheime Sitzung aufgeflogen ist. Frei nach dem Motto „Hilfe, meine Eltern sind Superschurken!“ startet für die sechs „Ausreißer“ an diesem Abend ein spannendes Abenteuer, dessen Reichweite anfänglich weder den Protagonisten, noch dem Leser bewusst ist.

Was beginnt wie eine völlig schablonenhafte Superheldengeschichte, entwickelt sich im Laufe des Bandes zu etwas Großem, das weit über die Genre-Grenzen hinaus einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Wer hier eine stereotypische Gut-gegen-Böse-Geschichte befürchtet, darf beruhigt sein, denn Brian K. Vaughan und die Zeichner Adrian Alphona und Takeshi Miyazawa nutzen die allzu bekannte Hintergrundkulisse perfekt aus, um davor eine berührende Geschichte über Freundschaft, das Erwachsenwerden und das Leben selbst zu inszenieren. Themen wie die Beziehung zu anderen Menschen und der Umgang mit einer problematischen Familienkonstellation bilden das Zentrum einer Geschichte, die so gar nicht in den festgefahrenen Bauplan eines Superhelden-Comics passen will. Ohne das Rad neu zu erfinden, nutzt der kanadische Autor sein Feingefühl und seine spürbare Zuneigung zu seinen Figuren, um dem Ganzen eine konsequente Ehrlichkeit einzuhauchen und somit eine greifbare Welt zu konstruieren. Der Titel, Runaways, hat beinahe symbolischen Charakter und durchzieht diesen Band wie ein seidener Faden, an dem man sich gleichzeitig orientieren als auch aufreiben kann, oder vielleicht sogar soll.

In seiner für ihn typischen Art bricht Brian K. Vaughan auch hier mit der Tradition der einfachen Kausalität. Weder seine Figuren, noch deren Probleme sind durch ein einfaches Aktion-Reaktion-Muster definiert und brechen so mit dem schwarz-weiß Schema, das viele durchaus ansprechende Geschichten wie ein Korsett einschnürt und hemmt.

Runaways ist sicherlich ein Titel, der nicht für das einmalige Lesevergnügen geschrieben wurde. Zu intensiv wirkt die darin beschriebene Welt auf einen selbst und zu sehr kann und will man sich mit den Figuren darin identifizieren. Irgendwo zwischen Coming-of-Age Roman und gnadenlos guter Superhelden-Action kultiviert Vaughan ein unberührtes Örtchen Literatur, auf dem er sein kreatives Können bescheiden, aber demonstrativ zur Schau stellt. Es wäre wahrlich ein Jammer, dies zu verpassen!

BEWERTUNG: 41/2 von 5 Sternen

Titel: Runaways
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover (Megaband)
Originalausgaben: US Runaways #01-18
Autor: Brian K. Vaughan
Zeichner: Adrian Alphona & Takeshi Miyazawa

The Common Good

© Stefan Gutternigh – The Common Good

What a fucked up district!“

Wie wäre es wohl in einer Welt zu leben, in der sich die Menschheit komplett dem Konsum und den sozialen Netzwerken unterworfen hätte? Beherrscht von einem Konzern, dessen einziges Ziel es ist, den Wohlstand seiner Bürger und Bürgerinnen zu steigern, wendet sich eine zunehmend entsolidarisierte Gesellschaft neuer Technologien zu und versucht, mit dem technischen Fortschritt und der schier unendlichen Vielfallt an Konsumgütern Schritt zu halten. Was sich liest wie eine gruselige Mischung aus utopischer Vorstellung und dystopischer Realität, entspringt der Feder des österreichischen Künstlers Stefan Gutternigh. Der ausgebildete Grafikdesigner, der 2016 mit seinem Debüt-Comic, Pest 1435, die Bildfläche betreten hat, spinnt diese gar nicht so abwegige Vorstellung eines totalitären Staates weiter und liefert einen kurzen, aber dennoch bleibenden Einblick in eine Welt, in der die Global Organisation for the Common Good für das scheinbare Wohlbefinden aller sorgt.

Als eines schönen Tages die langbeinige Schönheit Cindy Karuso vor seiner Tür steht, ahnt Mr. Berger noch nicht, in welchen Schwierigkeiten er eigentlich steckt. Wie sich herausstellt, ist die junge Frau im Auftrag der Global Organisation for the Common Good unterwegs und scheint in ihrer Rolle als gnadenlose Kontrolleurin vollends aufzugehen. In einem Gespräch, das sich eher wie ein Verhör gestaltet, wird klar, dass Mr. Bergers Katze an einer schweren Krankheit litt, weshalb er den für seine Gehaltsklasse definierten Betrag für Lifestyle-Produkte und andere Konsumgüter lieber in das kranke Tier investierte. Was sich anhört wie die natürlichste Sache der Welt, stößt der jungen Agentin höchst unwohl auf und bringt den Wiener zunehmend in Bedrängnis. Die brutalen Auswirkungen dieses Besuchs werden sowohl dem Leser als auch Mr. Berger immer bewusster. Wie radikal sich die Welt in den letzten Jahren offenbar verändert hat, muss dieser unbekümmert wirkende Mann schließlich am eigenen Leib erfahren, als die übermächtige Regierungsagentin gnadenlos das Gesetz durchsetzt.

Was Stefan Gutternigh eine satirische Cyberpunk-Story nennt, kann man auch gut und gerne als erschreckende Zukunftsvision lesen. Die im Comic vor allem auf visueller Ebene sichtbar werdenden Entwicklungen unserer Zeit lassen die Geschichte in einem nur allzu vertrautem Licht erstrahlen. Ein weiteres Novum dieser österreichischen Veröffentlichung ist sicherlich die Tatsache, dass das komplette Heft, inklusive dem ansehnlichen Vorwort, in englischer Sprache verfasst wurde. Was einerseits eine breitere Vermarktungsstrategie vermuten lässt, wird andererseits auch innerhalb der Narration glaubhaft vermittelt und schlüssig erklärt.

Die Reduktion auf wenige Handlungsorte wirkt sich zwar positiv auf die Dichte der Geschichte aus, bremst den Leser allerdings ein wenig auf seiner Erkundungstour ein. Nur zu gerne würde man noch weitere Teile dieses vertrauten und dennoch neuen Wiens erforschen und sehen, wie es dieser Stadt in der Zukunft ergehen würde. Das etwas offene Ende sorgt abschließend noch für einen Funken Hoffnung doch nur ein Cliffhanger zu sein, obwohl die Story hier eigentlich ihr Ende finden soll.

Auch wenn The Global Organisation for the Common Good seine Schwächen hat, überzeugt der Comic vor allem mit seiner mutigen Grundidee und mit einer beinharten Konsequenz. Obwohl das Thema an sich brandaktuell ist, findet Stefan Gutternigh seinen ganz persönlichen Zugang, den er sowohl visuell als auch textuell mit breiter Brust präsentiert und so ein kurzes, aber dennoch bleibendes Lesevergnügen schafft. Auch ohne die rot-weiß-rote Brille hat sich das Werk die Unterstützung über Kickstarter oder den Kauf im Laden mehr als verdient!

BEWERTUNG: 3 1/2 von 5 Sternen

Titel: The Global Organisation for the Common Good
Verlag: Eigenverlag
Format: Einzelheft
Autor: Stefan Gutternigh
Zeichner: Stefan Gutternigh

Hellboy Kompendium 2

© Hellboy

Ich bin alles, was du hättest sein können, alles was du hättest sein sollen.“

Von vielen als Mignolas Meisterwerk gehandelt, ist Hellboy spätestens seit Guillermo del Toros 2004 erschienener Filmadaption auch einer breiteren Masse ein Begriff. Zugegeben dem roten Teufel fehlt auch heute noch die kulturelle Reichweite, wie sie zum Beispiel Spider-Man oder Batman genießen. Dennoch, so kann man behaupten, erfreut sich Hellboy zunehmend einer größeren Beliebtheit, was in erster Linie mit der Qualität dieser Story zu tun haben dürfte. Nicht ohne Grund verkaufen sich die Einzelbände der Serie, welche 1993 ins Leben gerufen wurde, wie warme Semmeln. Cross Cult, der deutsche Heimatort des roten Dämonen, entschloss sich deshalb die komplette Saga koloriert und in gesammelter Form neu aufzulegen und präsentiert mit den Hellboy Kompendien eine hochwertige Fassung dieses kongenialen Meisterwerks, die seinesgleichen sucht.

Der zweite Band dieser Neuauflage beinhaltet drei weitere Hellboy-Abenteuer und führt den Leser immer tiefer in dieses wunderbar vielfältige Universum hinein. Die drei klassischen Geschichten, Die rechte Hand des Schicksals, Sieger Wurm und Seltsame Orte, welche dieser Band umfasst, bringen uns nicht nur einigen Antworten auf offene Fragen ein Stück näher, sondern erläutern auch die schwierige Beziehung zwischen dem roten Protagonisten und der B.U.A.P. Die schon immer etwas angespannte Lage scheint hier auf unüberwindbare Differenzen zu stoßen und die gemeinsamen Wege scheinen sich hier endgültig zu trennen. Der restliche Band steht dieser Story um nichts nach und Mike Mignola demonstriert durchgehend sein besonderes Talent, Kurzgeschichten, die einen stets berühren, zu verfassen.

Abseits der vorzüglichen Schreibarbeit setzen Mignolas Zeichnungen in diesem Band ein weiteres kräftiges Ausrufezeichen. Sein eigenwilliger Stil, der geprägt ist von einem harten Strich und groben Silhouetten, komplimentiert das Erzählte in einer unbeschreiblich stringenten Art und Weise, sodass man noch tiefer in den Bann der Geschichte gezogen wird. Die oftmals matt wirkenden Hintergründe, welche die Bildelemente schlicht aber wirksam aufwerten, markieren einen weiterer Kunstgriff Mignolas, der dessen Arbeiten das gewisse Extra verleiht. Dave Stewarts Farben, die an keinem Helden besser wirken als an Hellboy, fügen dem Ganzen noch eine weitere Ebene hinzu, auf der sich das Narrativ fortwährend ausbreiten kann.

Mignolas Konzeption der kompletten Saga, die zwar in einer ausdefinierten Kontinuität verankert ist, jedoch in unterschiedlicher Reihenfolge gelesen werden kann, zeugt von einem tiefen Verständnis für das Medium an sich. Ohne dem Meta-Narrativ die Qualität absprechen zu wollen, sind es tatsächlich die einzelnen Abenteuer, die den roten Teufel quer über den Globus führen, die sowohl für die Prägung der Figur als auch für den ungebrochenen Lesegenuss verantwortlich sind.

Zweifellos muss Hellboy mittlerweile zu den ewigen Klassikern gezählt werden und sollte in jeder besser sortierten Comic-Sammlung seinen Platz finden. Trotz einer vielfältigen und facettenreichen Historie muss niemand vor einem Einstieg zurückschrecken. Mignola entwirft seine Abenteuer so, dass der serielle Grundton eher zum Nebengeräusch wird. Die Magie findet auf einer anderen Ebene statt; und auf dieser sollten wir uns alle einfinden!

BEWERTUNG: 41/2 von 5 Sternen

Titel: Hellboy Kompendium 2
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Hellboy: Right Hand of Doom, Conqueror Worm, Strange Places;
Autor: Mike Mignola
Zeichner: Mike Mignola & Dave Stewart
ISBN: 978-3-95981-069-2

The Walking Dead Band 29

© The Walking Dead Bd. 29

Ich bin die Prinzessin von Pittsburgh!“

Dass ein begeisterter Comic-Fan aus Kentucky in naher Zukunft die Szene so richtig umkrempeln würde, mit dem hätten wohl auch die schärfsten Beobachter nicht gerechnet. Als allerdings dass dritte Heft der Serie The Walking Dead einen Anstieg der Verkaufszahlen einläutete, war schlagartig klar, dass genau jetzt ein neuer Abschnitt in der Geschichte von Image Comics beginnen würde. Doch der Reihe nach: Robert Kirkman begann seine Karriere bei Image Comics mit der Mini-Serie SuperPatriot. Kurz darauf folgte sein erster von Erfolg gekrönter Superhelden-Titel, Invincible, der ihn in neue Sphären vorstießen ließ. Trotz des schnellen Erfolgs wäre The Walking Dead beinahe niemals publiziert worden, denn die damalige Image-Führung hatte erhebliche Zweifel bezüglich der Verkaufschancen eines Zombie-Titels. Beinahe 15 Jahre und 177 Ausgaben später sollten sich diese Zweifel nun endgültig zerstreut haben. Der Erfolg, den diese Reihe feierte und deren Einfluss auf sowohl Politiken unterschiedlicher Verlage als auch auf die tatsächlichen Kreativen, stellt nach wie vor einen Meilenstein in der langen Geschichte der Comics dar. Im deutschsprachigen Raum befindet sich die Geschichte rund um den Polizisten Rick Grimes bereits bei der 29. Hardcover-Ausgabe und besticht nach wie vor durch die selben Qualitäten, welche die Serie so groß gemacht haben. Die Adaption des Formats, welche von Cross Cult seit Beginn vorgenommen wird, erweist sich nach wie vor als Erfolg, der sich nicht nur im Regal sehen lässt.

Nach den Geschehnissen im vorherigen Band versuchen die Beteiligten nun auf ihre eigene Art den Verlust und die damit verbundene Trauer zu kompensieren. Rick, der nach wie vor der soziale Kleber eines fragilen gesellschaftlichen Gefüges ist, sieht sich gezwungen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, welche die Gemeinschaft einmal mehr auf eine Belastungsprobe stellen. Zudem scheint es, dass sich ein neuer potentieller Verbündeter auftut, welcher der Gruppe in dieser schwierigen Phase helfen könnte. Ein eigens zusammengestelltes Team soll herausfinden, ob man diesen Leuten trauen kann und ob diese friedlich gesinnt sind. Während also die einen mit Aufbauarbeiten und der seelischen Aufarbeitung beschäftigt sind, beginnt für die anderen schon das nächste Abenteuer. Das Auftauchen einer neuen Figur, die nicht nur aufgrund ihres schrillen Aussehens Neugierde weckt, ist auf dieser Reise nur eines, der vielen Erlebnisse. Maggie Greene, die designierte Anführerin der Anhöhe, gibt unterdessen den Befehl, den von Rick begnadigten Negan zu beschatten. Den brutale Mörder ihres Mannes einfach so ziehen lassen, kommt für sie nicht in Frage. Als sie ihm jedoch am Ende gegenübersteht, lernt auch Maggie eine völlig neue Seite an ihm kennen. Ob sie dies allerdings davon abhält, ihren persönlichen Rachefeldzug zu überdenken, darf zumindest angezweifelt werden.

Es ist sicherlich müßig nach Band 29 über die Vorzüge dieser Serie zu sprechen. Die Tatsache, dass es Kirkman und Adlard nach wie vor schaffen sowohl den eigentlichen Plot als auch die Figurenkonstellation innerhalb der Geschichte in einer perfekten Balance zu halten, sollte Beweis genug für die Stärke dieser Serie sein. Obwohl die bereits fortgeschrittene Nummerierung einige Leser abschrecken könnte, sei gesagt, dass ein Quereinstieg bei The Walking Dead durchaus möglich und absolut empfehlenswert ist. Das standesgemäße Vorwort, welches Cross Cult den Bänden stets hinzufügt, klärt die vergangen Ereignisse präzise auf, ohne jedoch die Spannung der Lektüre zu mindern. Zusätzlich beginnt dieser Band neuerlich einen Spannungsbogen aufzubauen und eignet sich somit fabelhaft für ein etwaiges Hineinschnuppern.

Ob der doch brutal anmutenden Handlung und der oftmals verstörenden Thematik ist The Walking Dead sicher keine Serie, die jeden abholt. Dass man mit dieser Reihe allerdings einen hochqualitativen Meilenstein innerhalb der Comic-Branche in den Händen hält, gilt als ebenso gesichert. Wer also schon länger auf einen kleinen Anstoß wartet, neue Gewässer zu erkunden, dem sei gesagt: Zugreifen!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: The Walking Dead
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US The Walking Dead #169-173
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Charlie Adlard & Stefano Gaudiano, Cliff Rathburn
ISBN: 978-3-95981-233-7

Extremity Band 1

© Extremity Band 1

Zu welcher Melodie inspiriert dich das?“

Laut Marshall Mc Luhan beeinflusst das Medium selbst die Art und Weise, wie wir Dinge wahrnehmen. In seinem Buch The Medium is the Message erläutert der kanadische Kommunikationstheoretiker, wie Medien unsere Wahrnehmung beeinflussen und die Rezeption einzelner Inhalte steuern. Dieser Aspekt wurde mir einmal mehr bewusst, nachdem ich das aktuelle Werk von Daniel Warren Johnson in den Händen hielt. Extremity 1 wirkt auf den ersten Blick wie eine blutrünstige postapokalyptische Endzeitgeschichte, die eine gnadenlose Vendetta thematisiert. Dass allerdings unter der von Brutalität gekennzeichneten Kruste eine zutiefst fragile Wahrheit schlummert, macht diesen Titel zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis, welches direkt auf unseren Wertekompass abzielt und unsere moralischen Grenzen aufs „Extremste“ testet.

Theas Leben sollte sich von einem auf den anderen Tag schlagartig ändern. Als die Paznina völlig überraschend die Heimat ihres Clans angriffen und ihrer Familie und der gesamten Gesellschaft schmerzliches Leid zufügten, musste die junge Künstlerin erkennen, dass Leid ein nicht verhandelbarer Bestandteil des Lebens ist. Zum seelischen Schmerz, den der Mord an ihrer Mutter verursachte, kamen auch noch körperliche Qualen, als sie in dieser Schlacht ihrer Hand und somit ihres zeichnerischen Talents beraubt wurde. Seitdem sinnt ihr Clan, allen voran ihr herrschender Vater Jerome, nach Rache und schreckt hierfür vor keiner Gräueltat zurück. Auch Thea und ihr Bruder Rollo sind fester Bestandteil dieses Feldzugs und werden zunehmend ihrer unschuldigen Kindheit beraubt. Es scheint so, als hielte allein der Durst nach Blut Theas Vater am Leben und als er seine Seele endgültig der Dunkelheit zuzuwenden scheint, muss das Geschwisterpaar eine wegweisende Entscheidung treffen: Kann Gleiches wirklich nur mit Gleichem vergolten werden?

Mit Extremity bringt Cross Cult einen Titel auf den deutschen Markt, der allein schon aufgrund des klingenden Titels Neugierde erzeugt. Zurecht wird der Band als „mutige Geschichte“ beworben, der bei genauerer Betrachtung ein weites Spektrum an Emotionen und Eindrücken bündelt. Daniel Warren Johnson, der hier als Zeichner und Autor agiert, befüllt seine schwebende Welt mit heterogenen Figuren, deren eingeschlagener Weg sowohl nachvollziehbar als auch herzzerreißend ist. Das Spiel mit den von der Menschheit geschaffenen moralischen Werten gelingt dem von Chicago aus arbeitenden Künstler ebenso gut wie die Beschäftigung mit dem Thema der Gewalt und deren Folgen für das Individuum und die Gesellschaft. Die temporeiche Geschichte, die aufzeigt, ohne zu bewerten, schmiegt sich trotz futuristischem Kontext elegant in das Panorama unserer Zeit und lässt uns, als fühlende und denkende Wesen, gleichermaßen teilhaben. Johnsons überspitzte Zeichnungen und die stimmungsgeladenen Farben eines Mike Spicers treffen den Nagel Seite für Seite mehrmals auf den Kopf. Mit einem für die Story treffenden Cliffhanger entlässt uns Extremity schließlich wieder in unsere bekannte Welt, die auf einmal blutiger wirkt als vielleicht noch zuvor.

Es fällt mir schwer einen Grund zu finden, diesen Band nicht weiterzuempfehlen. Zu kraftvoll ist dessen Botschaft und zu tief zieht einen die Story in ihren Bann, sodass ich trocken und nüchtern verlautbaren kann: uneingeschränkte Leseempfehlung!

BEWERTUNG: 5 von 5 Sternen

Titel: Extremity
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Extremity #01-06
Autor: Daniel Warren Johnson
Zeichner: Daniel Warren Johnson & Mike Spicer
ISBN: 978-3-95981-589-5

 

Oblivion Song Band 1

© Oblivion Song

Du hast den Kapuzenmann gesehen?“

Obwohl es viele Gründe gibt, warum Comic-Leser immer öfters zur US-Version greifen, dürfte in dieser Frage wohl die Aktualität des Originals einer der wichtigsten Punkte sein. Übersetzungsarbeiten und etwaige Anpassungen an den deutschen Markt beanspruchen Zeit und so entsteht schnell einmal eine halbjährige „Verspätung“ der jeweiligen Titel. Dieses Mal allerdings beschlossen Image Comics und der Cross Cult Verlag die Sache einmal umzudrehen und veröffentlichen den ersten Band der neuen Serie von Robert Kirkman, Oblivion Song, weit bevor in den USA das zweite Heft erscheint. Andersrum formuliert bedeutete das, dass Deutsch-Leser dieses Mal einen Wissensvorsprung haben und aufpassen sollten, den werten US-Lesern nicht den Inhalt zu spoilern. Mit großer Macht kommt bekanntlich auch große Verantwortung.

Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Nach dem Einfall diverser Kreaturen im Großteil Philadelphias, welcher gemeinhin als Transferenz bekannt ist, teilte sich die Menschheit in Überlebende und Verschollene auf. Die einen, die nach der Verarbeitung des Geschehenen ihr Leben in erschreckend gewohnter Manier fortsetzen und die anderen, die in den Weiten Oblivions gefallen zu sein scheinen. Nathan Cole, ein Mann, der scheinbar fest an seinen Prinzipien festhält, will dies allerdings nicht wahrhaben und führt eine zunächst von der Regierung finanzierte Rettungstruppe auf gefährlichen Missionen durch eine durch und durch verwüstete Welt voll von Ungeheuern und anderen Gefahren. Im Laufe der Zeit muss der vermeintliche Held allerdings feststellen, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie scheinen. Als er eines Tages eine Gruppe Überlebender trifft, wird er mit einer unbequemen Wahrheit konfrontiert: Nicht jeder möchte in die alte Welt zurückkehren.

Nach The Walking Dead und Outcast, welche sich eher im Horror-Bereich einfinden, macht sich Robert Kirkman mit Oblivion Song zu neuen Ufern auf und liefert ein spannendes Drama, welches Lust auf mehr macht. Wie üblich hat der preisgekrönte Autor seine Figuren stets im Griff und schafft es jedem Charakter seine ganz persönliche Note zu verleihen. Lorenzo De Felici steuert für diese Serie die Zeichnungen bei und legt einen lockeren, oftmals cartoonig-wirkenden, Stil an den Tag. Trotz eines doch recht konventionell gehaltenen Layouts und teils eher verzerrt-komischen Abbildungen sind es die Charaktermomente der einzelnen Figuren, welche De Felici’s Können untermalen. Die ausdrucksvolle Mimik, welche diverse Stimmungslagen Einzelner grandios vermenschlicht, ist sicherlich eine der größten Stärken dieser Serie. Ebenfalls positiv hervorzuheben sind die pfiffigen Farben, die von Annalisa Leoni stimmungsvoll eingesetzt werden und dem Ganzen den letzten Feinschliff verleihen.

Oblivion Song ist wieder einmal so eine Serie, die von Anfang bis Ende einfach pure Freude beim Lesen bereitet und mit ihrer schnellen Erzählstruktur sicherlich bei vielen punkten wird. Dass die Serie im deutschsprachigen Raum schon so weit vorangeschritten ist, stellt zudem eine Besonderheit dar, die man nicht alle Tage sieht. In Wahrheit lassen sich schwer Gründe finden, diese Serie nicht zu kaufen!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Oblivion Song
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Oblivion Song #01-06
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Lorenzo De Felici & Annalisa Leoni
ISBN: 978-3-95981-771-4

Batman Metal- Die Vorgeschichte 1 (von 2)

© DC: Batman Metal

„Ein Hinweis auf das größte Mysterium der Menschheitsgeschichte.“

Während ich erst kürzlich über die ersten Vorwehen des neuen Batman Events in Form von Der Tod von Hawkman gesprochen habe, liefert uns Panini schon die nächsten Puzzle-Stücke, welche uns dem Gesamtbild entscheidend näher bringen. Im Gegensatz zum letzten Band, fungieren The Forge und The Casting, so die Originaltitel, nun als tatsächliche Heißmacher, die man in den kommenden zwei Monaten nicht außer Acht lassen sollte. Wie in den USA veröffentlicht auch Panini Comics die beiden Geschichten in zwei separaten Heften, die zwar deutlich dünner als gewohnt ausfallen, allerdings auch in schicken Variant-Ausgaben zu haben sind, auf die man unbedingt einen Blick werfen sollte. Dass Panini auch bei dieser Art Einzelausgabe preislich unter der amerikanischen Version liegt, zeugt von einem tollen Service und sollte auch die letzten Zweifler hellhörig machen.

Das Heft, welches erzähltechnisch in zwei unterschiedliche Zeitlinien geteilt ist, überzeugt von Beginn an mit ansprechenden Zeichnungen, die Größen wie Jim Lee, Andy Kubert und John Romita Jr. aufs Papier zaubern. Die Rahmenerzählung, die ihren Ursprung im alten Ägypten nimmt, erstreckt sich über die komplette Geschichte und wirkt wie eine Art narratives Echo auf gegenwärtige Ereignisse. Carter Hall, den wir als Hawkman kennen, führt uns in einer untypisch behutsamen Art durch den Plot und lässt mit vielen mehrdeutigen Anspielungen Fanboy-Herzen zunehmend aufhorchen. Die Binnenerzählung, die Batman und die Superhelden-Community innerhalb weniger Seiten vor Katastrophen schrecklichen Ausmaßes stellt und gespickt ist mit apokalyptischen Visionen einer unsicheren Zukunft, fügt sich elegant in den vorgestellten Rahmen ein und sorgt für eine kontrastive Beschleunigung des Erzähltempos. Wenig überraschend steht der Mitternachtsdetektiv höchstpersönlich wieder im Fokus des Geschehens und wie üblich weiß er wieder mehr als alle anderen Beteiligten. Da es schon beinahe zur Norm geworden ist, dass Batman den anderen intellektuell überlegen ist, überrascht es umso mehr, dass er dieses Mal auch an seine Grenzen zu stoßen scheint. Denn die Fledermaus legt ein Verhalten an den Tag, welches nicht nur seine Mitstreiter vieles, was bisher als schier Unantastbar galt, hinterfragen lässt. Der Cliffhanger am Ende des Heftes, der mit einer massiv unerwarteten Entdeckung einhergeht, setzt dem Ganzen schlussendlich die Krone auf und hinterlässt fragende Gesichter.

Es wird wohl Wenige überraschen, dass hinter diesem Konzept einmal mehr der prägendste Batman-Autor der letzten Jahre steckt. Dass Scott Snyder, dessen Werke jetzt schon als moderne Klassiker gelten, hierbei allerdings wieder auf harte Kritiken stoßen wird, gehört mittlerweile allerdings auch zum Standard. Dabei zeigt der gebürtige New Yorker hier durchgehend, warum er den meisten Kritiken erhaben ist. Knackige Dialoge, eine durchdachte Erzählstruktur und eine gewiefte Verflechtung verschiedenster Bausteine bis hin zu einzelnen Seiten zeichnen Snyder in beinah all seinen Werken aus und genau dies stellt er auch hier eindringlich zur Schau. Der ihm oftmals vorgeworfene Hang zu übertreiben ist hier an keiner Stelle spürbar und auch sonst wirkt die Story (bisher) einladend und spannend.

Obwohl es sich hier „nur“ um den Auftakt von Batman Metal handelt, lassen es Zeichner und Autor schon ordentlich krachen und machen das Warten auf die nächste Ausgabe somit umso beschwerlicher. Es scheint so, als würde hier etwas Großes und Essenzielles auf die Leserschaft zurollen, welches den DC-Kosmos doch ordentlich durchrütteln dürfte. Die Andeutungen in diesem Heft lassen an dieser Feststellung auf jeden Fall wenig Zweifel. Pflichtkauf!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Batman Metal – Die Vorgeschichte 1
Verlag: Panini Comics
Format: Heft- Format
Originalausgaben: US The Forge #01
Autor: Scott Snyder & James Tynion IV
Zeichner: Jim Lee, Andy Kubert & John Romita Jr.

Baltimore 1 & 2

© Baltimore


„Ich brauche keinen Glauben.“

Wie in der erst kürzlich erschienenen Besprechung von The Amazing Screw-On Head angedeutet, war dies erst der Auftakt, um in die schier grenzenlose Welt des Mike Mignola einzusteigen. Man muss allerdings nicht lange suchen, um auf diesem Gebiet fündig zu werden. Cross Cult bemüht sich seit Jahren, auch den deutschen Markt mit den genialen Werken dieses einzigartigen Künstlers zu versorgen und präsentiert zahlreiche Geschichten in sogenannten Kompendium-Bänden, die sich wohl am besten als literarischer Ziegelstein beschreiben lassen. Diese liebevoll zusammengestellten Bände ermöglichen es, auch weniger bekannte Titel zu veröffentlichen und dem Leser ein kompaktes Lesevergnügen zu liefern. Die beiden Baltimore-Bände, von denen das erste Volume bereits nach kürzester Zeit komplett vergriffen war und das sich mittlerweile in der zweiten Auflage befindet, bilden hier keine Ausnahme. Die knapp 1100 Seiten(!) versorgen uns hier mit einem andauernden Lesevergnügen, das es gewaltig in sich hat.

Mitten im ersten Weltkrieg, in den Lord Henry Baltimore verwickelt ist, bricht zusätzlich eine fatale Pest-Katastrophe aus, welche den Menschen schwer zusetzt und die Schrecken des Krieges damit noch verstärkt. Als wäre das noch nicht genug, beginnen sich einige der Pesttoten nach ihrem qualvollen Ableben wieder zu erheben und veranschaulichen beinahe symbolisch den wahren Ursprung dieser Krankheit: Vampire. Deren Anführer, ein brutaler Mann namens Haigus, der Baltimore erbittert gegenübersteht bildet an dieser Stelle die Speerspitze des Bösen und repräsentiert auch den absoluten Kontrast zu dem vermeintlichen Helden. Der konstant brutale Grundton der Geschichte, der an keiner Stelle Tiefe vermissen lässt, baut sich auf dieser Feindschaft auf und trägt die zahlreichen Handlungsstränge.

Die Komplexität dieser Geschichte, die sich durch beide Bände kompromisslos durchzieht und somit für ein ausgeglichenes Verhältnis von Spannung und Entspannung sorgt, wird bis zum Schluss ausgebaut und löst sich erst im zweiten Teil des zweiten Bandes in ein gut geplantes und perfekt orchestriertes Ende auf. Die zahlreichen Nebenhandlungen, welche durch die großartige Diversität der Figuren getragen werden, umfassen Geschichten rund um Vampire, Monster und Menschen, die einfach gelesen werden wollen. Die Welt, die Mignola hier aufbaut ist sowohl kreativ-innovativ als auch leicht zugänglich, was dieses Abenteuer noch einmal mehr aufwertet. Im Gegensatz zu anderen Werken von ihm zeichnet Mignola hier nicht und überlässt den Pinsel Ben Steinbeck und Peter Bergting, die dem Werk durch ihre individuelle Klasse noch einmal eine persönliche Note hinzufügen.

Will man hier die Nadel im Heuhaufen suchen, so muss man sicherlich den doch recht hohen Anschaffungspreis von 50 Euro pro Band nennen. Sicherlich ist dies die wohl größte Hemmschwelle Baltimore in die eigene Lesebiographie aufzunehmen und in diese düster anmutende Welt einzutauchen. Wer allerdings die Muße findet an dieser Stelle seinen Geldbeutel zu lockern oder die ein oder andere Wunschliste geschickt präpariert, der darf Großes erwarten.

BEWERTUNG: 4 1/2 von 5 Sternen

Titel: Baltimore 1 & 2
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Baltimore Volume 1: The Plague of Ships, Vol.2: The Curse Bells, Vol 3.: A Passing Stranger and Other Stories, Vol. 4: Chapel of Bones, Vol. 5: The Apostle and the Witch of Harju, Vol. 6: The Cult of the Red King, Vol. 7: Empty Graves, Vol. 8: The Red Kingdom
Autor: Mike Mignola & Ben Steinbeck
Zeichner: Peter Bergting & Christopher Golden

Hawkman: Der Tod von Hawkman

© DC Comics

„Bis im nächsten Leben.“

Es ist schon eine ganze Weile her, seitdem der geneigte Comic-Leser einen Hawkman Band aus dem Hause Panini in den Händen halten durfte. Für eine regelmäßigere Veröffentlichungsweise und vor allem für Formate abseits des Megabandes reicht der Bekanntheitsgrad dieser Figur normalerweise leider einfach nicht aus. Umso euphorischer zeigte sich die Lesergemeinschaft, als Panini ankündigte, die Mini-Serie, Der Tod von Hawkman, welche von Marc Andreyko, Aaron Lopresti und Rodney Buchemi gestaltet wurde, in einem abgeschlossenen Band zu veröffentlichen. Erfahrene Leser wissen, dass es die Ohren zu spitzen gilt, wenn der Stuttgarter Verlag zu solch Aktionen bereit ist. Denn üblicherweise stehen die Ereignisse so einer Geschichte im direkten Zusammenhang zu einer anderen, weit größeren Storyline oder gar einem Event. Dieser Band bildet hier keine Ausnahme und kann durchaus als eine Art Vorgeplänkel zum bald anstehenden Batman-Event Metal gesehen werden.

Obwohl der recht plakative Titel schon einiges vorwegnimmt, darf man sich nach dem ersten Kapitel dieses sechs-teiligen Abenteuers bereits auf eine bekannte Ausgangssituation einstellen, die sicherlich einigen Altlesern bekannt ist; Neueinsteiger aber keineswegs überfordert. Im Mittelpunkt steht die ewig alte Fehde zwischen Rann, der zweiten Heimat von Adam Strange, und Thanagar, dem Herkunftsort von Katar Hol alias Hawkman. Diese Auseinandersetzung, die es vor Jahren schon einmal gab, ist offenbar noch nicht ausgestanden und es scheint so, als ob sich die Fronten nach einem Anschlag auf Rann noch einmal verhärten würden. Dass hinter dieser Attacke ein weiterer alter Bekannter steckt, der seine Kräfte für ein böses Spiel einsetzt, wird zwar dem Leser, nicht aber den beteiligten Figuren, schnell klar. Und so bahnt sich eine mittlere Katastrophe an, die in einem großen Krieg enden könnte.

Der Versuch des Kreativ-Teams eine Space-Opera mit den Kernelementen einer Buddy-Story zu verknüpfen, funktioniert in diesem Band leider nur stellenweise. Die oftmals plumpen Dialoge wechseln zwischen einer rauen, unangemessenen Härte und blassem Witz, was zeitweise für Irritationen sorgt. Die Stärken des Bandes liegen daher (leider) nicht in der Geschichte selbst, sondern entfalten sich erst, wenn man das Ganze als das erkennt, was er nun einmal ist: Die Einführung in ein neues Event. Zwar könnte man argumentieren, dass die Story, bis auf ihr Ende, nicht viel über das kommende Batman-Spektakel preisgibt, allerdings findet man durchgehend einzelne Brotkrümel, die einfach Lust auf mehr machen. Allen voran die Erkenntnisse zum außerirdischen Nth-Metall welches, so viel schon einmal vorweg, in den kommenden Monaten eine entscheidende Rolle spielen wird, rechtfertigen die Lektüre dieses Bandes. Überdies hinaus ist das hier zwar nicht der große Wurf, viel falsch machen kann man mit dem Band allerdings auch nicht, da man (endlich) wieder tolle Figuren wie Hawkman oder Adam Strange zu Gesicht bekommt.

Die Entscheidung von Panini den Band doch zu bringen und ihn als Vorgeschichte zu Batman: Metal einzustufen, ist sicherlich, vor allem für Komplettisten, zu begrüßen. Die Tatsache, dass man in einem abgeschlossenen Band sehr viel über die Figuren, als auch über Elemente erfährt, die in naher Zukunft tonangebend sein werden, retten auch über den nicht ganz geglückten Plot hinweg und machen Der Tod von Hawkman zu einem Band, den man schon mitnehmen sollte, wenn man sich das kommende Batman-Event geben will. Und ganz ehrlich, wer will das nicht.

BEWERTUNG: 3 1/2 von 5 Sternen

Titel: Der Tod von Hawkman
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: US The Death of Hawkman #01-06
Autor: Marc Andreyko
Zeichner: Aaron Lopresti & Rodney Buchemi
ISBN: 978-3-7416-0701-1

Nameless

© Nameless


„Nichts ist real.“

Kaum jemand schafft es, seine Leser derart zu fordern wie Grant Morrison. Unter der Vielzahl seiner Geschichten, die das komplette Genre-Spektrum abdecken, finden sich sowohl klassische Superhelden-Stories wie sein mittlerweile legendärer Batman-Run als auch Stories von weitaus unbekannteren Helden wie Animal Man oder gar die Doom Patrol. Stets darauf bedacht, die für ihn wichtigen Thematiken zu abstrahieren und in den unterschiedlichsten Kontexten neu zu erschaffen, setzt Morrison, in beinahe all seinen Werken, auf den Intellekt und den Willen seines Publikums. Es ist unbestritten, dass dieser Mann für zahlreiche Meilensteine innerhalb des Genres verantwortlich ist und durch sein Zutun die Grenzen des Comics getestet und letztlich sogar gedehnt hat. Ebenso kann man pauschal anführen, dass ein Werk aus der Feder Grant Morrisons nicht unbedingt für den schnellen Genuss bestimmt ist, sondern durchaus zum wiederholten Lesen einlädt. So verhält es sich auch mit dem vorliegenden Werk, Nameless, dass der gebürtige Schotte gemeinsam mit dem begnadeten Zeichner Chris Burnham in die Welt gesetzt hat. Was die beiden hier präsentieren, lässt sich wohl am ehesten als eine okkulte Horror-Story beschreiben, welche im Weltall seinen Ursprung nimmt und die Leserschaft auf einen psychedelischen Trip einlädt, den es nicht so schnell vergessen wird.

Ein gigantischer Asteroid, welcher Xibalba genannt wird, rast mit höllischer Geschwindigkeit auf die Erde zu und wird diese in exakt 33 Tagen erreichen. Nicht ganz unbegründet stammt der Name dieses Ungetüms aus dem Vokabular der Maya und beschreibt nichts anderes als deren Vorstellung der Unterwelt, dem Ort des Schreckens. Ein exzentrischer Milliardär namens Paul Darius stellt daraufhin eine Crew zusammen und schickt eben diese ins Weltall, um die Welt vor dem Untergang zu retten. Teil dieses Teams ist auch ein Experte für den Bereich des Okkulten und der dunklen Künste, der auf den Namen Nameless hört und versuchen soll, das Böse auf diesem Asteroiden zu stoppen. Die Mission, welche von Beginn an durch brutale Ereignisse gekennzeichnet ist, entpuppt sich schnell als Himmelfahrtskommando und die Crew erkennt relativ rasch, dass dies kein gewöhnlicher Planetoid ist. Was als Abenteuer-Expedition begonnen hat, entwickelt sich schlussendlich zu einem abnormalen Kampf um Leben und Tod.

Wie üblich für viele seiner Werke lässt sich auch dieser Morrison-Titel schwer in eine Schublade stecken. In erster Linie jedoch handelt es sich bei Nameless vor allem um einen paranormalen Höllenritt, der sich Anleihen aus den unterschiedlichsten Ecken der Medienlandschaft holt. Einer stark an Armageddon erinnernden Space-Atmosphäre wird in großer Menge okkulter und teilweise haarsträubender Zauber hinzugefügt, um das Ganze in einem neuen Licht zu präsentieren. Morrsions’ Ideen sind nicht neu, aber dennoch an vielen Stellen treffend, um das von ihm gewünschte Maß an Irritation zu erzeugen. Ohne die Vorstellungskraft des Meisters schmälern zu wollen, muss man an dieser Stelle dennoch anmerken, dass diese Geschichte Großteils ausschließlich vom fantastischen Artwork von Chris Burnham lebt. Dieser schafft es, die teilweise doch arg verdrehten Ideen Morrisons einzufangen und dessen Abstraktheit detailgenau auf die Seiten zu zaubern. Nathan Fairbairns Farbwahl, die irgendwo zwischen konservativ und verrückt anzusiedeln ist, gibt dem Ganzen zusätzlich eine vertraute Note, die das Werk da und dort elegant ausbalanciert. So subtil Morrison üblicherweise seine Brotkrümel streut, so sehr hämmert er in diesem Band seine Botschaften repetitiv in die Hirne seiner Leser. Auch der durchaus ansprechende Plot, welcher an sich jegliche Interpretation zulässt, mag an dieser Stelle nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nameless eine zentrale, wenn auch verstörende, Botschaft an sein Publikum richtet, die offenbar gehört werden soll.

Dass Cross Cult dem Band einen dermaßen edlen Einband mit reflektierenden Akzenten spendiert, spricht einmal mehr für die hervorragende Verlagspolitik der Ludwigsburger und wird dem Ganzen schließlich auch gerecht. Wer Grant Morrison bisher bedingungslos in dessen verspielte Phantasie gefolgt ist, der wird unter Garantie auch diesen Band lieben. Der Rest sei an dieser Stelle allerdings gewarnt, denn stellenweise lehnt sich der Gute hier ein Spur zu weit aus dem Fenster, was der Story zwar keinen Abbruch tut, den Leser allerdings nahe an die Frustrationsgrenze treibt.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Titel: Nameless
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Namelesss #01-06
Autor: Grant Morrison
Zeichner: Chris Burnham & Nathan Fairbairn
ISBN: 978-3-95981-426-3