Paper Girls 2

© Paper Girls


„Das Hier und Jetzt ist weder hier noch jetzt.“

Den meisten ist der Name Brian K. Vaughan vor allem im Bezug auf die Erfolgsserie Saga, welche Jahr für Jahr fröhlich Eisner-Awards hamstert, ein Begriff. Zuvor lieferte uns der talentierte Autor aus Cleveland allerdings auch schon Meilensteine wie Y: The Last Man oder Die Löwen von Bagdad. Für sein neuestes Projekt widmet er sich nun gemeinsam mit Zeichner Cliff Chiang und dem Koloristen Matt Wilson einer farbenfrohen Science-Fiction Serie, welche sich Paper Girls nennt.

Die Geschichte knüpft nahtlos an den ersten Band an und so kommt es gleich zu Beginn zu einer verheißungsvollen Begegnung. Erin Tieng, die vermeintliche Protagonistin, trifft in Begleitung der anderen Mädchen auf ihr zukünftiges Ich und muss erfahren, dass viele Dinge wohl doch nicht so gelaufen sind, wie sie sich das erhofft hätte. Formten im ersten Teil der Serie noch die späten 1988er Jahre die zeitliche Rahmung der Geschichte, so müssen die Teenager nun die bittere Realität des Jahres 2016 in Kauf nehmen. Diese wirkt wiederum, trotz Flatscreen TVs und Smartphones, weitaus trostloser, als gedacht. Doch eigentlich sind diese Erkenntnisse nur Randnotizen. Vielmehr müssen Erin, Mac und Tiffany schleunigst versuchen, das letzte Mitglied ihrer Gruppe zu finden. Denn wie es scheint, wurde KJ in einer anderen Zeit abgesetzt …

Man könnte meinen, dass sich Paper Girls schablonenhaft am Aufbau einer Zeitreise-Story orientiert und dahingehend wenig innovativ ist. Man würde dem Werk allerdings nicht gerecht werden, indem man es nur auf seine Struktur reduziert. Paper Girls ist eine dieser Geschichten, in welcher die Story den Themen weichen muss. Zugegeben, Vaughan drückt dem Ganzen durch den Einsatz zahlreicher abgedrehter Elemente wie berittene Flugsaurier oder Godzilla ähnlichen Bärentierchen, welche in teils abstruser Art und Weise auftreten, doch seinen sehr persönlichen Stempel auf. Dennoch würde ich meinen, dass die große Stärke dieser Serie in den Charakteren und deren Handlungsfeldern zu finden ist. Die großartigen Zeichnungen von Cliff Chiang und die fantastische Kolorierung von Matt Wilson erwecken die Welt(en), in denen sich die Mädchen tummeln, zum Leben und schaffen es, Seite für Seite für „Wow-Momente“ zu sorgen. Wie üblich spart Vaughan auch in Paper Girls nicht mit gesellschaftlicher Kritik. Subtil und oft nur rudimentär wahrnehmbar werden Probleme unserer Zeit angesprochen, ohne dass sie direkt benannt werden. Ohne die Handlung zu unterbrechen, entsteht somit eine Art Verfremdungseffekt, der jegliche Illusion im Keim erstickt. Am Ende bleibt eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft und der Sehnsucht nach einer besseren Welt. Unbedingt zugreifen!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Paper Girls Band 2
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Paper Girls #06-10
Autor: Brian K. Vaughan
Zeichner: Cliff Chiang & Matt Wilson
ISBN: 978-3-95981-410-2

DC Rebirth: All Star Batman

© DC Rebirth – All Star Batman

„Komm. Mach schon. Sieh durch deine Linse und sag mir wie du die Welt siehst.“

Wenn DC ein neues All Star Projekt ankündigt, erhöht sich der Puls des geneigten Comic-Lesers im Normalfall deutlich. Das spezielle Imprint könnte man nämlich als Qualitätssiegel des amerikanischen Verlagshauses sehen, welches die populärsten Charaktere wie Batman oder Superman mit den angesagtesten Kreativ-Teams zusammenführt. Der vorliegende All Star Batman Band, welcher von Scott Snyder und John Romita Junior (kurz JRJR) verfasst wurde, bildet hier keine Ausnahme. Das aktuelle Volume, das im Übrigen nichts mit dem 2008 bei Panini erschienen All Star Batman von Frank Miller und Jim Lee zu tun hat, überrascht mit einem interessanten Konzept und begeistert mit einer durchdachten und vielschichtigen Struktur.

Harvey Dent, aka Two-Face, berichtet in einem klaren Moment davon, ein Heilmittel für seine gespaltene Persönlichkeit gefunden zu haben. Batman, den eine gemeinsame Vergangenheit mit Harvey verbindet, will diese Chance nützen, um seinen Jugendfreund von dessen böser Seite zu befreien und begibt sich auf die Suche nach dem Serum. Two-Face, der dies natürlich nicht zulassen möchte, setzt ein Kopfgeld auf den Mitternachtsdetektiv aus, an dem beinahe ganz Gotham interessiert ist. Allerdings sind damit nicht nur die üblichen Antagonisten der Fledermaus gemeint. Auch Gothams Bürger und Batmans engste Vertraute stehen vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Gehöre ich zu den Guten oder zu den Bösen?

Scott Snyder setzt im ersten Arc seiner Geschichte auf genau die Tugenden, die ihn als Autor an der regulären Batman Serie (2012-2017) groß gemacht haben. Der Plot, welcher dem Prinzip der mittelalterlichen Queste folgt, führt Batman weit aus seiner Komfortzone hinaus und lässt ihn ungewohnt weitab von Gotham in Erscheinung treten. Snyder versteht es, diese Entortung tief in die Geschichte einzuweben und auf mehreren Ebenen sichtbar zu machen. Inhaltlich bedient er sich Themen, die so alt sind wie die Menschheit selbst, jedoch nie an Relevanz verloren haben. So spielen gesellschaftliche Solidarität als auch die Frage nach dem Gut und dem Böse ebenso eine Rolle wie die Auswirkung des Schicksals auf dem Spieltisch des Lebens. Snyders bildliche Sprache, welche durch Romitas teils äußerst brutale Zeichnungen zum Leben erweckt wird, führt dem Leser eine ambivalente Welt vor Augen, die durch dichotomisches Denken schwer bis gar nicht zu begreifen ist.

Wer auf der Suche nach einer etwas anderen Batman Geschichte ist, dem kann ich nur dazu raten, sich dieser hier zu widmen. Am kommenden Samstag besteht hierfür schon die passende Gelegenheit, denn bei Bunbury’s findet der Batman-Tag statt, an dem dieser Band natürlich zahlreich aufliegen wird.

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Euer Stefan

DC Rebirth Special

© DC Rebirth


Ich sehe mir die Welt an und weiß: Ich liebe sie. Doch irgendwas fehlt ihr.“

Mit dieser Caption Box, die als Startschuss für eine emotionale Achterbahnfahrt dient, wird man als Leser, Leserin förmlich in den Strudel des DC Rebirth Specials hineingezogen. Das Heft, welches von niemand geringerem als Star Autor Geoff Johns geschrieben wurde, läutet somit eine neue Ära ein, die sowohl Alt- als auch Neulesern einiges zu bieten hat.

Wenn im Multiversum größere Veränderungen anstehen, ist Flash oftmals die treibende Kraft dahinter. So verwundert es auch nicht, die Geschehnisse durch die Augen des roten Blitzes erleben zu dürfen. Anders als beim letzten großen Umbruch des DC Universums, als Barry Allen, aka the Flash, mit dem Flashpoint spektakulär die New 52 einleitete, erleben wir hier die Rückkehr des als verschollen geltenden Flashs Wally West. Gefangen in der Speedforce, versucht er verzweifelt, wieder Zugang zu seiner Welt zu erhalten. Über Umwege, die sich wie ein emotionaler Road Trip durchs gesamte DC Universum gestalten, gelangt Wally schlussendlich zu Barry und setzt alles auf eine Karte; er muss ihn irgendwie erreichen.

Doch Wally ist nicht der einzige, der die Geschehnisse von außerhalb beobachtet …

Was Geoff Johns in einer gewohnt hochwertigen Schreibe auf die Seiten zaubert, erinnert stark an einen Lobgesang auf die Tugenden, die DC als Verlag groß gemacht haben. Geschichte wird hier nicht nur erzählt, vielmehr wird sie mit Hilfe einer Reihe erstklassiger Zeichner wie Ivan Reis und Gary Frank lebendig. Rebirth etabliert sich als eine Reise durch ein lang vergessenes Vermächtnis und nimmt sich die Zeit, einzelne Helden Mensch sein zu lassen. Vollgepumpt mit subtil platzierten, intertextuellen Verweisen präsentiert Rebirth seine Charaktere von ihrer sensibelsten als auch verwundbarsten Seite. Die Liebe zum Detail gepaart mit einem geradlinigen Erzählstrang lassen die Geschichte zu einem Meilenstein werden, der sowohl alteingesessenen Fanboys als auch Neueinsteigern eine Menge zu bieten hat. Ein (bewusst) provokant gesetzter Kniff am Ende setzt dem ganzen die Krone auf und macht Lust auf mehr.

Der liebevoll gestaltete redaktionelle Teil von Panini am Ende des Hefts, der etwaige Unklarheiten beseitigt, rundet die Sache ab und deklariert das DC Rebirth Special als unumgänglichen Pflichtkauf.

Wer allerdings nahe am Wasser gebaut ist, möge während der Lektüre Taschentücher bereitlegen.

BEWERTUNG: 4 1/2 von 5 Sternen

 

Euer Stefan

DC Rebirth bei Panini – Die Übersicht

Das Rebirth Programm kommt – und da kommt eine ganze Menge!

© DC – Rebirth

DC Rebirth hat nun auch offiziell den Einzug in die deutschen Publikationen von Panini erhalten. Mit der Veröffentlichung des DC Rebirth Specials wurde hierfür der Grundstein gelegt und die Tür ins Schlaraffenland weit aufgestoßen. Rebirth bringt nicht nur gute Geschichten, sondern eine ganze Menge an neuem Material. Um diesen Veröffentlichungs-Dschungel besser durchblicken zu können und die Pull- Listen entsprechend aufzuladen, habe ich mir das Programm einmal angesehen und für Euch zusammengefasst.

Was uns erwartet:

Wie jedes tiefgreifende Ereignis das im DC Kosmos sattfindet, hat auch Rebirth eine Vorgeschichte, die erzählt beziehungsweise gelesen werden will.

Mit Titans Hunt liefert uns DC einen Fanservice, indem sie die „alten“ Titans wieder zurückbringen. Dies ist durchaus auch für NeuleserInnen interessant, da man von nun an auf diese Truppe bauen wird. Auch Superman unterläuft im Zuge Rebirths drastischen Veränderungen, die, soviel kann man schon einmal verraten, wohl die größten Neuigkeiten im DC Universum darstellen. Mit dem Sammelband Die letzten Tage von Superman taucht man direkt in das finale Kapitel des Stählernen ein und erfährt somit, wie es mit dem ewigen Pfadfinder – im Sonderband Format – weitergehen wird.

In zwei weiteren schlanken Sammelbänden bringt Panini die Mini-Serie Lois und Clark auf den deutschen Markt. Hier wird uns nicht nur eine wunderbare Familiengeschichte präsentiert, sondern auch der Grundstein für die im Heftformat veröffentlichte Reihe Action Comics gelegt.

Wer von Rebirth nun die Nase voll hat, was hoffentlich die Wenigsten sein werden, sollte hier zum Lesen aufhören. Für alle anderen gilt: Haltet Euren Geldbeutel fest, es könnte teuer werden!

Panini lässt sich natürlich nicht lumpen und bietet Freunden der Ur-Form des Comics, im Allgemeinen bekannt als Heftleser, eine ordentliche Produktpalette. Mit Batman und Detective Comics steht der Dunkle Ritter auch während Rebirth gewohnt im Rampenlicht. Im Gegensatz zu den New52 allerdings, wo sich die beiden Serien ein Heft alternierend teilten, spendiert Panini der Fledermaus nun zwei getrennte Hefte. Auch die Justice League bleibt diesem Format erhalten und wird weiterhin in Heftform erscheinen. Neu hingegen ist die Veröffentlichung des Suicide Squads in Heftform, dessen Beliebtheitswerte offenbar auch auf die Verkaufszahlen abgefärbt haben. Als wäre das noch nicht genug, serviert Panini als Gusto- Schmankerl für beinahe alle Heftserien auch noch ein Rebirth Special, welches den Einstieg endgültig ebnen sollte. Auch für das „Trade-Wait“ Publikum ist natürlich gesorgt, da Panini folgende Serien im Sonderband, sprich gesammelt, auf den Markt bringt. Auch hier dürfen sich Leseratten freuen, denn aufgrund der zweiwöchentlichen Veröffentlichungsweise in den USA werden diese Bände nun öfters erscheinen als bisher. Herz, was willst du mehr. Unter anderem finden sich hier:

 

© DC Rebirth

Flash
Harley Quinn
Green Lanterns
• Superman Sonderband
• Nightwing
• Deathstroke
• Hal Jordan und das Green Lantern Corps
• Wonder Woman
• Titans
• All-Star Batman
• Trinity
• Hellblazer
Aquaman

 

Zu guter Letzt verzichtet Panini natürlich auch nicht auf das mittlerweile durchaus etablierte Telefonbuch-Format: Megabände zu folgenden Serien sind schon fix eingeplant:

Green Arrow
Batgirl
Redhood

Bei dem Schwall an Lesestoff sollte nun wirklich jeder auf seine Kosten kommen und der Erforschung des neuen DC Universums steht somit nichts mehr im Wege. Wer jetzt neugierig geworden ist und Lust hat, einmal in diesen Kosmos einzutauchen, dem empfehle ich dringend schnurstracks den Weg zu Bunbury’s zu suchen, denn dort stehen die Geschichten schon in den Regalen bereit, wo sie nur darauf warten gelesen zu werden. In diesem Sinne: Das Buffet ist hiermit eröffnet.

Euer Stefan