Kühlschrankgespräche – Bunbury in Metaphern

Viel innerhalb der Selbstständigkeit hat mit Realisierung zu tun. Man realisiert seine Träume, man realisiert irgendwann mitten in der Nacht dass man gerade ohne Sicherheitsnetz herum tänzelt, man realisiert dass nicht die große Masse das Publikum ist. Das sind alles sehr wichtige Gedankengänge, die man sich schon vor ab stellen muss, die dann aber in der Praxis auf die Probe gestellt werden. Und manchmal auch direkt über den Haufen geworfen werden.

Bunbury’s ist jetzt seit etwas mehr als einem Monat offen. Meine Lieben, in diesem Monat habe ich so wenig geschlafen und wenig Soziales gemacht wie selten zu vor. Und so wenig gekocht wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Aber das Gefühl von Freiheit die eigene Chefin zu sein ist schwer vergleichbar und etwas das ich schon jetzt nicht mehr eintauschen möchte. Dafür nehme ich gerne noch mehr schlaflose Nächte in Kauf, ebenso wie das panische Gefühl im Nacken das irgendwer in die Buchhandlung kommt und schreit: „Sie sind ja nur eine Hochstaplerin! Sie haben ja keine Ahnung was sie da tun!“

Auch meine Ware besteht aus einer Trial-and-error-Variation. Ich habe am Anfang bestellt, was ich selber für gut befinde und einen Teil an Titeln, bei denen ich einfach weiß, das die Leute sie lesen wollen. Nach und nach sehe ich jetzt wie meine Zielgruppe wirklich ist, das Image-Comics immer gehen und das mein meistverkaufter Comic bis jetzt „The day i swapped my dad for two goldfish“ von Neil Gaiman ist.

Ich habe das jetzt schon öfter mit Topfschlagen im Minenfeld verglichen. Von Anfang an hatte ich Vermutungen und Statistiken, konnte mir aber nie sicher sein: „Gefällt den Leuten mein Konzept? Gefällt ihnen die Ware?“ Nur weil man selbst etwas für gut erachtet, heißt es nun mal nicht, dass das dann auch der Nabel der Welt ist. Eine Erkenntnis, die man im Handel sehr rasch lernt. Aber mit den vielen KundInnen die ich jetzt schon hatte bekommt Bunbury immer mehr ein Gesicht. Ganz ehrlich, das ist eine der spannendsten Sachen dran. Ich fühle mich da manchmal wie ein Kleinkind das ganz aufgeregt herum rennt und die Erwachsenen fragt „Wie ist das? Ist das gut?“ und entweder es landet im Müll oder eben am Kühlschrank. (Damit meine ich natürlich das Regal.)

Ich werde mich in den nächsten Tagen an ein größeres Projekt setzen. Welches? Issues (Hefterl) und Trades direkt aus Amerika zu bestellen. Das heißt, mir stehen wieder einige schlaflose Nächte bevor in denen ich mich durch Previews-Kataloge wühle und Bestellungen von KundInnen einhole. Und dann kommt im September ja noch der Batman-Tag und ich möchte noch ein Juni-Event ansetzen.

Das war also wieder mehr ein Blogeintrag zum Thema Selbstständigkeit an sich. Quasi ein direkter Einblick von meiner Seite als Buchhändlerin in das Leben einer Buchhandlung.

Ich hoffe, der kleine literarische Erguss hat euch gefallen. Und wenn nicht? Dann landet er halt nicht am Kühlschrank.

Anna

P.s.: Solltet ihr euch mehr Nerd-Gerede wünschen, lege ich euch den Bunbury’s Podcast ans Herz.

One thought on “Kühlschrankgespräche – Bunbury in Metaphern

  1. Also ich bekomme des öfteren Nachrichten, wie kompetent du bist. Wenn also einer kommt und „Hochstaplerin“ schreit muss man mal inne halten und sich fragen, was bei dem Menschen schief gelaufen ist. Eine negative Meinung von mehreren positiven, sollte man nicht unbedingt so wichtig nehmen!

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