Paper Girls 3

© Paper Girls #11


Die Nerds hatten recht. Y2K passiert wirklich.“

Die Lektüre von Paper Girls (Anm.d.Red: Die Rezension von Band 2 kann man hier nachlesen. Spoilergefahr droht überall.) lässt sich am besten mit einer Fahrt auf dem Kettenkarussell in einem Vergnügungspark beschreiben. Während zu Beginn Neugier, Nervenkitzel und eine leichte Nervosität überwiegen, folgt dicht darauf der Start, welcher Tür und Tor für einen Endorphin-Cocktail öffnet. Erst nach der Fahrt, wenn sich der Puls wieder auf ein normales Niveau einpendelt und der Angstschweiß getrocknet ist, beginnt man tatsächlich zu realisieren, was denn gerade passiert ist. Nervosität und Angst weichen einer gewissen Selbstsicherheit und obwohl man denkt, alles erlebt zu haben, wird man von Fahrt zu Fahrt immer wieder aufs Neue in Ekstase versetzt. So und nicht anders lässt sich wohl der Erfolg der Besitzer dieses metaphorischen Kettenkarussells beschreiben, denn Brian K. Vaughan und Cliff Chiang liefern auch mit dem bereits dritten Band der preisgekrönten Serie ein Sci-Fi Erlebnis, welches alle Regeln außer Kraft setzt. Also schließt die Sicherheitsbügel und haltet euch fest: Die Fahrt beginnt.

Nachdem Erin, Mac und Tiffany nun endlich wieder mit KJ vereint sind, müssen die vier Mädchen feststellen, dass sie das Zeitfenster, in das sie gesprungen waren, nicht wie erhofft in das Jahr 1988 zurückbrachte. Stattdessen finden sich die Heldinnen allesamt in einer abgedrehten Urzeit wieder, die, wie sollte es auch anders sein, voll verrückter Überraschungen steckt. Zu allem Überfluss wird die Gruppe nach einem Angriff erneut getrennt und Erin und Tiffany müssen versuchen Mac und KJ vor den mysteriösen drei Männern zu retten, die in dieser Zeit Angst und Schrecken verbreiten. Unterstützung erhalten sie hierbei von der jungen Mutter Wari und einer weiteren Zeitreisenden. Ob sie wohl die Fragen der Mädchen beantworten kann?

Auch im dritten Teil der Serie, die im handlichen Hardcover-Format bei Cross Cult erscheint, bleibt Vaughan seiner Linie treu und lässt seine Protagonistinnen immer tief in einen Sumpf voller Rätsel waten. Stets darauf bedacht der Leserin alles abzuverlangen, ohne sie dabei zu überfordern oder gar komplett zu verwirren, schmückt der talentierte Kanadier die Geschichte mit knackigen Dialogen und vergnügten Pop-Referenzen, die sich von Stephen King bis hin zu Calvin und Hobbes erstrecken. Das breit gespannte Netz der Verwirrung, welches sicherlich bewusst über einen oberflächlich simpel erscheinenden Plot gespannt wird, lässt dennoch Raum für tiefgreifende Einblicke in das Bewusstsein der einzelnen Figuren. Körperliche und seelische Entwicklungsschritte auf dem Weg zum Erwachsensein sind ebenso Thema wie Antisemitismus und Sexismus. In einer unaufgeregten und nüchternen Art und Weise bauen Vaughans Texte und Chiangs fantastisch-anmutenden Zeichnungen vier starke weibliche Teenager auf, die weitaus mehr sind als einfache Zeitungsmädchen aus Ohio.

Möchte man das Haar in der Suppe finden, so könnte man anmerken, dass der komplexe Aufbau der Geschichte etwas das Tempo nimmt. Die Zeit, die sich Vaughan nimmt, um seine Figuren auszuformulieren und das stetige World-building fordern im dritten Band nun erstmals ihren Tribut und bremsen den Leser erst einmal aus. Auch im Bezug auf offene Fragen liefern diese 5 US – Issues vorläufig keine wirklich erwähnenswerten Erkenntnisse.

Dass Vaughan allerdings weiß, was er tut und hinter diesem Wirrwarr ein fein durchdachter Plan steht, dürfte hinlänglich bekannt sein. Einem Autor seines Kalibers, der seit Jahren mit Preisen überhäuft wird, schenkt man somit gerne ein paar Vorschusslorbeeren. So oder so, die Paper Girls muss man einfach lieben!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Paper Girls
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Paper Girls #11-15
Autor: Brian K. Vaughan
Zeichner: Cliff Chiang & Matt Wilson
ISBN: 978-3-95981-561-1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.