The Common Good

© Stefan Gutternigh – The Common Good

What a fucked up district!“

Wie wäre es wohl in einer Welt zu leben, in der sich die Menschheit komplett dem Konsum und den sozialen Netzwerken unterworfen hätte? Beherrscht von einem Konzern, dessen einziges Ziel es ist, den Wohlstand seiner Bürger und Bürgerinnen zu steigern, wendet sich eine zunehmend entsolidarisierte Gesellschaft neuer Technologien zu und versucht, mit dem technischen Fortschritt und der schier unendlichen Vielfallt an Konsumgütern Schritt zu halten. Was sich liest wie eine gruselige Mischung aus utopischer Vorstellung und dystopischer Realität, entspringt der Feder des österreichischen Künstlers Stefan Gutternigh. Der ausgebildete Grafikdesigner, der 2016 mit seinem Debüt-Comic, Pest 1435, die Bildfläche betreten hat, spinnt diese gar nicht so abwegige Vorstellung eines totalitären Staates weiter und liefert einen kurzen, aber dennoch bleibenden Einblick in eine Welt, in der die Global Organisation for the Common Good für das scheinbare Wohlbefinden aller sorgt.

Als eines schönen Tages die langbeinige Schönheit Cindy Karuso vor seiner Tür steht, ahnt Mr. Berger noch nicht, in welchen Schwierigkeiten er eigentlich steckt. Wie sich herausstellt, ist die junge Frau im Auftrag der Global Organisation for the Common Good unterwegs und scheint in ihrer Rolle als gnadenlose Kontrolleurin vollends aufzugehen. In einem Gespräch, das sich eher wie ein Verhör gestaltet, wird klar, dass Mr. Bergers Katze an einer schweren Krankheit litt, weshalb er den für seine Gehaltsklasse definierten Betrag für Lifestyle-Produkte und andere Konsumgüter lieber in das kranke Tier investierte. Was sich anhört wie die natürlichste Sache der Welt, stößt der jungen Agentin höchst unwohl auf und bringt den Wiener zunehmend in Bedrängnis. Die brutalen Auswirkungen dieses Besuchs werden sowohl dem Leser als auch Mr. Berger immer bewusster. Wie radikal sich die Welt in den letzten Jahren offenbar verändert hat, muss dieser unbekümmert wirkende Mann schließlich am eigenen Leib erfahren, als die übermächtige Regierungsagentin gnadenlos das Gesetz durchsetzt.

Was Stefan Gutternigh eine satirische Cyberpunk-Story nennt, kann man auch gut und gerne als erschreckende Zukunftsvision lesen. Die im Comic vor allem auf visueller Ebene sichtbar werdenden Entwicklungen unserer Zeit lassen die Geschichte in einem nur allzu vertrautem Licht erstrahlen. Ein weiteres Novum dieser österreichischen Veröffentlichung ist sicherlich die Tatsache, dass das komplette Heft, inklusive dem ansehnlichen Vorwort, in englischer Sprache verfasst wurde. Was einerseits eine breitere Vermarktungsstrategie vermuten lässt, wird andererseits auch innerhalb der Narration glaubhaft vermittelt und schlüssig erklärt.

Die Reduktion auf wenige Handlungsorte wirkt sich zwar positiv auf die Dichte der Geschichte aus, bremst den Leser allerdings ein wenig auf seiner Erkundungstour ein. Nur zu gerne würde man noch weitere Teile dieses vertrauten und dennoch neuen Wiens erforschen und sehen, wie es dieser Stadt in der Zukunft ergehen würde. Das etwas offene Ende sorgt abschließend noch für einen Funken Hoffnung doch nur ein Cliffhanger zu sein, obwohl die Story hier eigentlich ihr Ende finden soll.

Auch wenn The Global Organisation for the Common Good seine Schwächen hat, überzeugt der Comic vor allem mit seiner mutigen Grundidee und mit einer beinharten Konsequenz. Obwohl das Thema an sich brandaktuell ist, findet Stefan Gutternigh seinen ganz persönlichen Zugang, den er sowohl visuell als auch textuell mit breiter Brust präsentiert und so ein kurzes, aber dennoch bleibendes Lesevergnügen schafft. Auch ohne die rot-weiß-rote Brille hat sich das Werk die Unterstützung über Kickstarter oder den Kauf im Laden mehr als verdient!

BEWERTUNG: 3 1/2 von 5 Sternen

Titel: The Global Organisation for the Common Good
Verlag: Eigenverlag
Format: Einzelheft
Autor: Stefan Gutternigh
Zeichner: Stefan Gutternigh

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