Seven to Eternity 1 – Der Gott des Flüsterns

© Seven to Eternity 1

Jeder sympathisiert mit dem Schwächeren, solange man sich im Falle eines Konflikts nicht an seine Seite stellen muss.“

Wer sich in den letzten Jahren im deutschen Verlagsangebot so richtig ausgetobt hat, wird sicherlich bemerkt haben, dass gerade im Bereich der Indie – Serien ein Name sehr häufig die Buchrücken ziert. Ob man nun das postapokalyptische Abenteuer, welches sich Low nennt betrachtet oder durch die Sci-Fi Welten von Black Science spaziert, Rick Remender, dessen schier grenzenloser Ideenreichtum hinter beiden Serien steckt, lässt nicht nur an diesen Serien seine kreativen Muskeln spielen. Dass sich nun Cross Cult dazu entschließt, eine weitere seiner Creator-Owned Serien auf den deutschen Markt zu bringen, zeugt nicht nur von einer durchdachten Verlagspolitik, sondern eröffnet uns Lesern den Zugang zu seinem neuesten (Meister-) Werk: Seven to Eternity. Im Gegensatz zur englischen Originalausgabe setzt die deutsche Version, die im Hardcover erscheint, auf ein leichtes Überformat, welches die atemberaubenden Zeichnungen von Jerome Opeña und die düsteren, oftmals rostig wirkenden Farben von Matt Hollingsworth wie ein gigantisches Feuerwerk auf der Netzhaut wirken lassen.

Das Zentrum der Handlung bildet die Familie Osidis, die in der Welt von Zhal als Ausgestoßene gelten, da sich das älteste Familienoberhaupt, Zebadiah, dem Willen von Garlis Sulm, im Volksmund auch Schlammkönig genannt, wiedersetzte. Sein Sohn Adam, der selbst nicht bei bester Gesundheit ist und noch immer mit dem frühen Tod seines jüngeren Bruders zu kämpfen hat, muss, nachdem sein Vater ermordet wird, selbst die Rolle des Clanführers übernehmen und steht vor einer Entscheidung, deren Folgen nicht schwerwiegender sein könnten. Soll er trotz der immerwährenden Mahnung seines Vaters das Angebot des Schlammkönigs annehmen und sich sein Angebot anhören? Für Adam steht damit nicht nur das Schicksal seiner Familie auf dem Spiel, sondern er muss auch erkennen, dass ein moralischer Standpunkt immer seinen Preis hat.

Wie schon an seinen anderen Serien gelingt es Remender auch in Seven to Eternity in kürzester Zeit eine fantastische Welt zu erschaffen, die dem Leser zwar grundsätzlich fremd ist, allerdings stark vertraute Züge aufweist. So bedarf es keiner großen Anstrengung, sich in der Welt von Zhal zurechtzufinden und sich buchstäblich unter die Bevölkerung zu mischen. Zu groß sind die politischen und sozialen Parallelen unseres Alltags, als dass man gewisse Botschaften nicht einzuordnen wüsste. Das Kreativteam vermeidet allerdings eine Pauschalkritik und nimmt den Leser somit selbst in die Verantwortung sich seine/ihre Meinung zu bilden. Abseits dieser allegorischen Lesart liefert der erste Band von Seven to Eternity die komplette Exposition der Geschichte und lässt und Großes erwarten. Die Mischung aus einer schier unerschöpflichen Fantasie eingebettet in eine nahezu greifbare Realität macht diesen Band zu einem Page-Turner, der den Leser tief in seinen Bann zieht.

Es ist bei weitem noch zu früh, um absehen zu können, wie sich die Serie entwickeln wird und ob sie dieses hohe Niveau auch in den kommenden Heften halten wird können. Fest steht nur, dass Remender, Opeña und Hollingsworth hier etwas geschaffen haben, dass mich mit der Zunge schnalzen lässt. Beim ins Regal stellen merke ich schon, dass ich den Band schon bald noch einmal lesen möchte: Kompromissloser Pflichtkauf!

BEWERTUNG: 4 1/2 von 5 Sternen

Titel: Seven to Eternity
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Seven to Eternity #01-04
Autor: Rick Remender
Zeichner: Jerome Opeña
ISBN: 978-3-95981-557-4

Outcast 4

© Outcast 4

 

Wer bist du, den Willen Gottes zu verwehren?“

Dass Robert Kirkman ein Meister darin ist, altbekannten Konzepten neues Leben einzuhauchen, beweist er in mittlerweile 28 erschienen Bänden von The Walking Dead mehr als eindrucksvoll. Parallel zu den Zombies wagt sich der Amerikaner allerdings auch an ein ebenso stark etabliertes Genre heran und liefert mit Outcast eine Horror-Story, die uns tief in den Bereich des Exorzismus führt. Kirkman bedient sich für den Aufbau und für das Setting am Repertoire einer Enthüllungsgeschichte, indem er sowohl seine Figuren als auch die gezeigten Schauplätze mit einer gewissen Dramatik und Dunkelheit auflädt, die Lesern viel Spielraum für Interpretationen lassen. Zusätzlich unterwandert er immer wieder geschickt und sehr subtil genre-spezifische Stereotypen und schafft es dadurch, Spannung und Grusel aufrecht zu erhalten.

Im vierten Band dieser Reihe liefert uns der Autor erstmals Antworten auf einige der Fragen, die uns Lesern seit dem ersten Band unter den Fingernägeln brennen. Kyle, der sich mittlerweile seiner Kräfte bewusst ist, diese allerdings nicht zuordnen kann, gerät zunehmend in Bedrängnis und muss einige ungemütliche Entscheidungen treffen. Auch Reverend Anderson wird schonungslos mit Wahrheiten konfrontiert, die sein gesamtes Welt- und Glaubensbild heftig auf den Kopf stellen. Es scheint so, als ob in der Kleinstadt Rome, in West Virginia, weitaus mehr Menschen besessen sind, als er und Kyle bisher vermutet haben. Zu allem Überfluss steht nun auch der vermeintliche Feind direkt vor der eigenen Haustür und so müssen beide Protagonisten entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen. Eine Entscheidung, deren Folgen schwerwiegender nicht sein könnten.

Obwohl sich Kirkman mit The Walking Dead die Latte selbst sehr hoch gelegt hat, beweist er mit Outcast seit mittlerweile über zwei Jahren, dass er ein durchaus facettenreicher Schreiber ist. Hier glänzt er vor allem mit breitgefächerten Charakteren, die sich von Ausgabe zu Ausgabe weiterentwickeln und mit denen man sich, aufgrund ihrer authentischen Handlungen, leicht identifizieren kann. Zusätzlich schafft es Kirkman immer die richtigen Zeichner ins Boot zu holen und hat mit Paul Azaceta wohl einen der begabtesten Künstler der Szene an Board. Der Mann ist ein Meister seines Faches und überzeugt durch eine geniale Farbwahl und einem ausgeklügeltem Licht-Schattenwechsel, der großen Anteil an der düsteren Atmosphäre hat. Zusätzlich etabliert Azaceta seit dem ersten Band eine sehr eigenwillige und repetitive Panelstruktur, die perfekt mit Kirkmans eher mäßigem Erzähltempo harmoniert und so eine belastend dunkle Stimmung erzeugt.

Allein aufgrund der bereits angesprochenen Charakterentwicklung würde ich jedem dringend raten, bei Band eins einzusteigen, um so die Story in voller Länge genießen zu können. Der vorliegende Band eignet sich allerdings auch bestens als Einstieg, da genau hier ein neuer Abschnitt beginnt und man somit der Geschichte problemlos folgen kann. Wie man es auch dreht und wendet, Outcast ist und bleibt ein unumgänglicher Pflichtkauf.

BEWERTUNG: 4 ½ von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Outcast: In den Fängen des Teufels
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Outcast #19-24
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Paul Azaceta
ISBN: 9-783959-8-10852