Hellboy Kompendium 2

© Hellboy

Ich bin alles, was du hättest sein können, alles was du hättest sein sollen.“

Von vielen als Mignolas Meisterwerk gehandelt, ist Hellboy spätestens seit Guillermo del Toros 2004 erschienener Filmadaption auch einer breiteren Masse ein Begriff. Zugegeben dem roten Teufel fehlt auch heute noch die kulturelle Reichweite, wie sie zum Beispiel Spider-Man oder Batman genießen. Dennoch, so kann man behaupten, erfreut sich Hellboy zunehmend einer größeren Beliebtheit, was in erster Linie mit der Qualität dieser Story zu tun haben dürfte. Nicht ohne Grund verkaufen sich die Einzelbände der Serie, welche 1993 ins Leben gerufen wurde, wie warme Semmeln. Cross Cult, der deutsche Heimatort des roten Dämonen, entschloss sich deshalb die komplette Saga koloriert und in gesammelter Form neu aufzulegen und präsentiert mit den Hellboy Kompendien eine hochwertige Fassung dieses kongenialen Meisterwerks, die seinesgleichen sucht.

Der zweite Band dieser Neuauflage beinhaltet drei weitere Hellboy-Abenteuer und führt den Leser immer tiefer in dieses wunderbar vielfältige Universum hinein. Die drei klassischen Geschichten, Die rechte Hand des Schicksals, Sieger Wurm und Seltsame Orte, welche dieser Band umfasst, bringen uns nicht nur einigen Antworten auf offene Fragen ein Stück näher, sondern erläutern auch die schwierige Beziehung zwischen dem roten Protagonisten und der B.U.A.P. Die schon immer etwas angespannte Lage scheint hier auf unüberwindbare Differenzen zu stoßen und die gemeinsamen Wege scheinen sich hier endgültig zu trennen. Der restliche Band steht dieser Story um nichts nach und Mike Mignola demonstriert durchgehend sein besonderes Talent, Kurzgeschichten, die einen stets berühren, zu verfassen.

Abseits der vorzüglichen Schreibarbeit setzen Mignolas Zeichnungen in diesem Band ein weiteres kräftiges Ausrufezeichen. Sein eigenwilliger Stil, der geprägt ist von einem harten Strich und groben Silhouetten, komplimentiert das Erzählte in einer unbeschreiblich stringenten Art und Weise, sodass man noch tiefer in den Bann der Geschichte gezogen wird. Die oftmals matt wirkenden Hintergründe, welche die Bildelemente schlicht aber wirksam aufwerten, markieren einen weiterer Kunstgriff Mignolas, der dessen Arbeiten das gewisse Extra verleiht. Dave Stewarts Farben, die an keinem Helden besser wirken als an Hellboy, fügen dem Ganzen noch eine weitere Ebene hinzu, auf der sich das Narrativ fortwährend ausbreiten kann.

Mignolas Konzeption der kompletten Saga, die zwar in einer ausdefinierten Kontinuität verankert ist, jedoch in unterschiedlicher Reihenfolge gelesen werden kann, zeugt von einem tiefen Verständnis für das Medium an sich. Ohne dem Meta-Narrativ die Qualität absprechen zu wollen, sind es tatsächlich die einzelnen Abenteuer, die den roten Teufel quer über den Globus führen, die sowohl für die Prägung der Figur als auch für den ungebrochenen Lesegenuss verantwortlich sind.

Zweifellos muss Hellboy mittlerweile zu den ewigen Klassikern gezählt werden und sollte in jeder besser sortierten Comic-Sammlung seinen Platz finden. Trotz einer vielfältigen und facettenreichen Historie muss niemand vor einem Einstieg zurückschrecken. Mignola entwirft seine Abenteuer so, dass der serielle Grundton eher zum Nebengeräusch wird. Die Magie findet auf einer anderen Ebene statt; und auf dieser sollten wir uns alle einfinden!

BEWERTUNG: 41/2 von 5 Sternen

Titel: Hellboy Kompendium 2
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Hellboy: Right Hand of Doom, Conqueror Worm, Strange Places;
Autor: Mike Mignola
Zeichner: Mike Mignola & Dave Stewart
ISBN: 978-3-95981-069-2

The Walking Dead Band 29

© The Walking Dead Bd. 29

Ich bin die Prinzessin von Pittsburgh!“

Dass ein begeisterter Comic-Fan aus Kentucky in naher Zukunft die Szene so richtig umkrempeln würde, mit dem hätten wohl auch die schärfsten Beobachter nicht gerechnet. Als allerdings dass dritte Heft der Serie The Walking Dead einen Anstieg der Verkaufszahlen einläutete, war schlagartig klar, dass genau jetzt ein neuer Abschnitt in der Geschichte von Image Comics beginnen würde. Doch der Reihe nach: Robert Kirkman begann seine Karriere bei Image Comics mit der Mini-Serie SuperPatriot. Kurz darauf folgte sein erster von Erfolg gekrönter Superhelden-Titel, Invincible, der ihn in neue Sphären vorstießen ließ. Trotz des schnellen Erfolgs wäre The Walking Dead beinahe niemals publiziert worden, denn die damalige Image-Führung hatte erhebliche Zweifel bezüglich der Verkaufschancen eines Zombie-Titels. Beinahe 15 Jahre und 177 Ausgaben später sollten sich diese Zweifel nun endgültig zerstreut haben. Der Erfolg, den diese Reihe feierte und deren Einfluss auf sowohl Politiken unterschiedlicher Verlage als auch auf die tatsächlichen Kreativen, stellt nach wie vor einen Meilenstein in der langen Geschichte der Comics dar. Im deutschsprachigen Raum befindet sich die Geschichte rund um den Polizisten Rick Grimes bereits bei der 29. Hardcover-Ausgabe und besticht nach wie vor durch die selben Qualitäten, welche die Serie so groß gemacht haben. Die Adaption des Formats, welche von Cross Cult seit Beginn vorgenommen wird, erweist sich nach wie vor als Erfolg, der sich nicht nur im Regal sehen lässt.

Nach den Geschehnissen im vorherigen Band versuchen die Beteiligten nun auf ihre eigene Art den Verlust und die damit verbundene Trauer zu kompensieren. Rick, der nach wie vor der soziale Kleber eines fragilen gesellschaftlichen Gefüges ist, sieht sich gezwungen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, welche die Gemeinschaft einmal mehr auf eine Belastungsprobe stellen. Zudem scheint es, dass sich ein neuer potentieller Verbündeter auftut, welcher der Gruppe in dieser schwierigen Phase helfen könnte. Ein eigens zusammengestelltes Team soll herausfinden, ob man diesen Leuten trauen kann und ob diese friedlich gesinnt sind. Während also die einen mit Aufbauarbeiten und der seelischen Aufarbeitung beschäftigt sind, beginnt für die anderen schon das nächste Abenteuer. Das Auftauchen einer neuen Figur, die nicht nur aufgrund ihres schrillen Aussehens Neugierde weckt, ist auf dieser Reise nur eines, der vielen Erlebnisse. Maggie Greene, die designierte Anführerin der Anhöhe, gibt unterdessen den Befehl, den von Rick begnadigten Negan zu beschatten. Den brutale Mörder ihres Mannes einfach so ziehen lassen, kommt für sie nicht in Frage. Als sie ihm jedoch am Ende gegenübersteht, lernt auch Maggie eine völlig neue Seite an ihm kennen. Ob sie dies allerdings davon abhält, ihren persönlichen Rachefeldzug zu überdenken, darf zumindest angezweifelt werden.

Es ist sicherlich müßig nach Band 29 über die Vorzüge dieser Serie zu sprechen. Die Tatsache, dass es Kirkman und Adlard nach wie vor schaffen sowohl den eigentlichen Plot als auch die Figurenkonstellation innerhalb der Geschichte in einer perfekten Balance zu halten, sollte Beweis genug für die Stärke dieser Serie sein. Obwohl die bereits fortgeschrittene Nummerierung einige Leser abschrecken könnte, sei gesagt, dass ein Quereinstieg bei The Walking Dead durchaus möglich und absolut empfehlenswert ist. Das standesgemäße Vorwort, welches Cross Cult den Bänden stets hinzufügt, klärt die vergangen Ereignisse präzise auf, ohne jedoch die Spannung der Lektüre zu mindern. Zusätzlich beginnt dieser Band neuerlich einen Spannungsbogen aufzubauen und eignet sich somit fabelhaft für ein etwaiges Hineinschnuppern.

Ob der doch brutal anmutenden Handlung und der oftmals verstörenden Thematik ist The Walking Dead sicher keine Serie, die jeden abholt. Dass man mit dieser Reihe allerdings einen hochqualitativen Meilenstein innerhalb der Comic-Branche in den Händen hält, gilt als ebenso gesichert. Wer also schon länger auf einen kleinen Anstoß wartet, neue Gewässer zu erkunden, dem sei gesagt: Zugreifen!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: The Walking Dead
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US The Walking Dead #169-173
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Charlie Adlard & Stefano Gaudiano, Cliff Rathburn
ISBN: 978-3-95981-233-7

Extremity Band 1

© Extremity Band 1

Zu welcher Melodie inspiriert dich das?“

Laut Marshall Mc Luhan beeinflusst das Medium selbst die Art und Weise, wie wir Dinge wahrnehmen. In seinem Buch The Medium is the Message erläutert der kanadische Kommunikationstheoretiker, wie Medien unsere Wahrnehmung beeinflussen und die Rezeption einzelner Inhalte steuern. Dieser Aspekt wurde mir einmal mehr bewusst, nachdem ich das aktuelle Werk von Daniel Warren Johnson in den Händen hielt. Extremity 1 wirkt auf den ersten Blick wie eine blutrünstige postapokalyptische Endzeitgeschichte, die eine gnadenlose Vendetta thematisiert. Dass allerdings unter der von Brutalität gekennzeichneten Kruste eine zutiefst fragile Wahrheit schlummert, macht diesen Titel zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis, welches direkt auf unseren Wertekompass abzielt und unsere moralischen Grenzen aufs „Extremste“ testet.

Theas Leben sollte sich von einem auf den anderen Tag schlagartig ändern. Als die Paznina völlig überraschend die Heimat ihres Clans angriffen und ihrer Familie und der gesamten Gesellschaft schmerzliches Leid zufügten, musste die junge Künstlerin erkennen, dass Leid ein nicht verhandelbarer Bestandteil des Lebens ist. Zum seelischen Schmerz, den der Mord an ihrer Mutter verursachte, kamen auch noch körperliche Qualen, als sie in dieser Schlacht ihrer Hand und somit ihres zeichnerischen Talents beraubt wurde. Seitdem sinnt ihr Clan, allen voran ihr herrschender Vater Jerome, nach Rache und schreckt hierfür vor keiner Gräueltat zurück. Auch Thea und ihr Bruder Rollo sind fester Bestandteil dieses Feldzugs und werden zunehmend ihrer unschuldigen Kindheit beraubt. Es scheint so, als hielte allein der Durst nach Blut Theas Vater am Leben und als er seine Seele endgültig der Dunkelheit zuzuwenden scheint, muss das Geschwisterpaar eine wegweisende Entscheidung treffen: Kann Gleiches wirklich nur mit Gleichem vergolten werden?

Mit Extremity bringt Cross Cult einen Titel auf den deutschen Markt, der allein schon aufgrund des klingenden Titels Neugierde erzeugt. Zurecht wird der Band als „mutige Geschichte“ beworben, der bei genauerer Betrachtung ein weites Spektrum an Emotionen und Eindrücken bündelt. Daniel Warren Johnson, der hier als Zeichner und Autor agiert, befüllt seine schwebende Welt mit heterogenen Figuren, deren eingeschlagener Weg sowohl nachvollziehbar als auch herzzerreißend ist. Das Spiel mit den von der Menschheit geschaffenen moralischen Werten gelingt dem von Chicago aus arbeitenden Künstler ebenso gut wie die Beschäftigung mit dem Thema der Gewalt und deren Folgen für das Individuum und die Gesellschaft. Die temporeiche Geschichte, die aufzeigt, ohne zu bewerten, schmiegt sich trotz futuristischem Kontext elegant in das Panorama unserer Zeit und lässt uns, als fühlende und denkende Wesen, gleichermaßen teilhaben. Johnsons überspitzte Zeichnungen und die stimmungsgeladenen Farben eines Mike Spicers treffen den Nagel Seite für Seite mehrmals auf den Kopf. Mit einem für die Story treffenden Cliffhanger entlässt uns Extremity schließlich wieder in unsere bekannte Welt, die auf einmal blutiger wirkt als vielleicht noch zuvor.

Es fällt mir schwer einen Grund zu finden, diesen Band nicht weiterzuempfehlen. Zu kraftvoll ist dessen Botschaft und zu tief zieht einen die Story in ihren Bann, sodass ich trocken und nüchtern verlautbaren kann: uneingeschränkte Leseempfehlung!

BEWERTUNG: 5 von 5 Sternen

Titel: Extremity
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Extremity #01-06
Autor: Daniel Warren Johnson
Zeichner: Daniel Warren Johnson & Mike Spicer
ISBN: 978-3-95981-589-5

 

Oblivion Song Band 1

© Oblivion Song

Du hast den Kapuzenmann gesehen?“

Obwohl es viele Gründe gibt, warum Comic-Leser immer öfters zur US-Version greifen, dürfte in dieser Frage wohl die Aktualität des Originals einer der wichtigsten Punkte sein. Übersetzungsarbeiten und etwaige Anpassungen an den deutschen Markt beanspruchen Zeit und so entsteht schnell einmal eine halbjährige „Verspätung“ der jeweiligen Titel. Dieses Mal allerdings beschlossen Image Comics und der Cross Cult Verlag die Sache einmal umzudrehen und veröffentlichen den ersten Band der neuen Serie von Robert Kirkman, Oblivion Song, weit bevor in den USA das zweite Heft erscheint. Andersrum formuliert bedeutete das, dass Deutsch-Leser dieses Mal einen Wissensvorsprung haben und aufpassen sollten, den werten US-Lesern nicht den Inhalt zu spoilern. Mit großer Macht kommt bekanntlich auch große Verantwortung.

Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Nach dem Einfall diverser Kreaturen im Großteil Philadelphias, welcher gemeinhin als Transferenz bekannt ist, teilte sich die Menschheit in Überlebende und Verschollene auf. Die einen, die nach der Verarbeitung des Geschehenen ihr Leben in erschreckend gewohnter Manier fortsetzen und die anderen, die in den Weiten Oblivions gefallen zu sein scheinen. Nathan Cole, ein Mann, der scheinbar fest an seinen Prinzipien festhält, will dies allerdings nicht wahrhaben und führt eine zunächst von der Regierung finanzierte Rettungstruppe auf gefährlichen Missionen durch eine durch und durch verwüstete Welt voll von Ungeheuern und anderen Gefahren. Im Laufe der Zeit muss der vermeintliche Held allerdings feststellen, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie scheinen. Als er eines Tages eine Gruppe Überlebender trifft, wird er mit einer unbequemen Wahrheit konfrontiert: Nicht jeder möchte in die alte Welt zurückkehren.

Nach The Walking Dead und Outcast, welche sich eher im Horror-Bereich einfinden, macht sich Robert Kirkman mit Oblivion Song zu neuen Ufern auf und liefert ein spannendes Drama, welches Lust auf mehr macht. Wie üblich hat der preisgekrönte Autor seine Figuren stets im Griff und schafft es jedem Charakter seine ganz persönliche Note zu verleihen. Lorenzo De Felici steuert für diese Serie die Zeichnungen bei und legt einen lockeren, oftmals cartoonig-wirkenden, Stil an den Tag. Trotz eines doch recht konventionell gehaltenen Layouts und teils eher verzerrt-komischen Abbildungen sind es die Charaktermomente der einzelnen Figuren, welche De Felici’s Können untermalen. Die ausdrucksvolle Mimik, welche diverse Stimmungslagen Einzelner grandios vermenschlicht, ist sicherlich eine der größten Stärken dieser Serie. Ebenfalls positiv hervorzuheben sind die pfiffigen Farben, die von Annalisa Leoni stimmungsvoll eingesetzt werden und dem Ganzen den letzten Feinschliff verleihen.

Oblivion Song ist wieder einmal so eine Serie, die von Anfang bis Ende einfach pure Freude beim Lesen bereitet und mit ihrer schnellen Erzählstruktur sicherlich bei vielen punkten wird. Dass die Serie im deutschsprachigen Raum schon so weit vorangeschritten ist, stellt zudem eine Besonderheit dar, die man nicht alle Tage sieht. In Wahrheit lassen sich schwer Gründe finden, diese Serie nicht zu kaufen!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Oblivion Song
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Oblivion Song #01-06
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Lorenzo De Felici & Annalisa Leoni
ISBN: 978-3-95981-771-4

Baltimore 1 & 2

© Baltimore


„Ich brauche keinen Glauben.“

Wie in der erst kürzlich erschienenen Besprechung von The Amazing Screw-On Head angedeutet, war dies erst der Auftakt, um in die schier grenzenlose Welt des Mike Mignola einzusteigen. Man muss allerdings nicht lange suchen, um auf diesem Gebiet fündig zu werden. Cross Cult bemüht sich seit Jahren, auch den deutschen Markt mit den genialen Werken dieses einzigartigen Künstlers zu versorgen und präsentiert zahlreiche Geschichten in sogenannten Kompendium-Bänden, die sich wohl am besten als literarischer Ziegelstein beschreiben lassen. Diese liebevoll zusammengestellten Bände ermöglichen es, auch weniger bekannte Titel zu veröffentlichen und dem Leser ein kompaktes Lesevergnügen zu liefern. Die beiden Baltimore-Bände, von denen das erste Volume bereits nach kürzester Zeit komplett vergriffen war und das sich mittlerweile in der zweiten Auflage befindet, bilden hier keine Ausnahme. Die knapp 1100 Seiten(!) versorgen uns hier mit einem andauernden Lesevergnügen, das es gewaltig in sich hat.

Mitten im ersten Weltkrieg, in den Lord Henry Baltimore verwickelt ist, bricht zusätzlich eine fatale Pest-Katastrophe aus, welche den Menschen schwer zusetzt und die Schrecken des Krieges damit noch verstärkt. Als wäre das noch nicht genug, beginnen sich einige der Pesttoten nach ihrem qualvollen Ableben wieder zu erheben und veranschaulichen beinahe symbolisch den wahren Ursprung dieser Krankheit: Vampire. Deren Anführer, ein brutaler Mann namens Haigus, der Baltimore erbittert gegenübersteht bildet an dieser Stelle die Speerspitze des Bösen und repräsentiert auch den absoluten Kontrast zu dem vermeintlichen Helden. Der konstant brutale Grundton der Geschichte, der an keiner Stelle Tiefe vermissen lässt, baut sich auf dieser Feindschaft auf und trägt die zahlreichen Handlungsstränge.

Die Komplexität dieser Geschichte, die sich durch beide Bände kompromisslos durchzieht und somit für ein ausgeglichenes Verhältnis von Spannung und Entspannung sorgt, wird bis zum Schluss ausgebaut und löst sich erst im zweiten Teil des zweiten Bandes in ein gut geplantes und perfekt orchestriertes Ende auf. Die zahlreichen Nebenhandlungen, welche durch die großartige Diversität der Figuren getragen werden, umfassen Geschichten rund um Vampire, Monster und Menschen, die einfach gelesen werden wollen. Die Welt, die Mignola hier aufbaut ist sowohl kreativ-innovativ als auch leicht zugänglich, was dieses Abenteuer noch einmal mehr aufwertet. Im Gegensatz zu anderen Werken von ihm zeichnet Mignola hier nicht und überlässt den Pinsel Ben Steinbeck und Peter Bergting, die dem Werk durch ihre individuelle Klasse noch einmal eine persönliche Note hinzufügen.

Will man hier die Nadel im Heuhaufen suchen, so muss man sicherlich den doch recht hohen Anschaffungspreis von 50 Euro pro Band nennen. Sicherlich ist dies die wohl größte Hemmschwelle Baltimore in die eigene Lesebiographie aufzunehmen und in diese düster anmutende Welt einzutauchen. Wer allerdings die Muße findet an dieser Stelle seinen Geldbeutel zu lockern oder die ein oder andere Wunschliste geschickt präpariert, der darf Großes erwarten.

BEWERTUNG: 4 1/2 von 5 Sternen

Titel: Baltimore 1 & 2
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Baltimore Volume 1: The Plague of Ships, Vol.2: The Curse Bells, Vol 3.: A Passing Stranger and Other Stories, Vol. 4: Chapel of Bones, Vol. 5: The Apostle and the Witch of Harju, Vol. 6: The Cult of the Red King, Vol. 7: Empty Graves, Vol. 8: The Red Kingdom
Autor: Mike Mignola & Ben Steinbeck
Zeichner: Peter Bergting & Christopher Golden

Nameless

© Nameless


„Nichts ist real.“

Kaum jemand schafft es, seine Leser derart zu fordern wie Grant Morrison. Unter der Vielzahl seiner Geschichten, die das komplette Genre-Spektrum abdecken, finden sich sowohl klassische Superhelden-Stories wie sein mittlerweile legendärer Batman-Run als auch Stories von weitaus unbekannteren Helden wie Animal Man oder gar die Doom Patrol. Stets darauf bedacht, die für ihn wichtigen Thematiken zu abstrahieren und in den unterschiedlichsten Kontexten neu zu erschaffen, setzt Morrison, in beinahe all seinen Werken, auf den Intellekt und den Willen seines Publikums. Es ist unbestritten, dass dieser Mann für zahlreiche Meilensteine innerhalb des Genres verantwortlich ist und durch sein Zutun die Grenzen des Comics getestet und letztlich sogar gedehnt hat. Ebenso kann man pauschal anführen, dass ein Werk aus der Feder Grant Morrisons nicht unbedingt für den schnellen Genuss bestimmt ist, sondern durchaus zum wiederholten Lesen einlädt. So verhält es sich auch mit dem vorliegenden Werk, Nameless, dass der gebürtige Schotte gemeinsam mit dem begnadeten Zeichner Chris Burnham in die Welt gesetzt hat. Was die beiden hier präsentieren, lässt sich wohl am ehesten als eine okkulte Horror-Story beschreiben, welche im Weltall seinen Ursprung nimmt und die Leserschaft auf einen psychedelischen Trip einlädt, den es nicht so schnell vergessen wird.

Ein gigantischer Asteroid, welcher Xibalba genannt wird, rast mit höllischer Geschwindigkeit auf die Erde zu und wird diese in exakt 33 Tagen erreichen. Nicht ganz unbegründet stammt der Name dieses Ungetüms aus dem Vokabular der Maya und beschreibt nichts anderes als deren Vorstellung der Unterwelt, dem Ort des Schreckens. Ein exzentrischer Milliardär namens Paul Darius stellt daraufhin eine Crew zusammen und schickt eben diese ins Weltall, um die Welt vor dem Untergang zu retten. Teil dieses Teams ist auch ein Experte für den Bereich des Okkulten und der dunklen Künste, der auf den Namen Nameless hört und versuchen soll, das Böse auf diesem Asteroiden zu stoppen. Die Mission, welche von Beginn an durch brutale Ereignisse gekennzeichnet ist, entpuppt sich schnell als Himmelfahrtskommando und die Crew erkennt relativ rasch, dass dies kein gewöhnlicher Planetoid ist. Was als Abenteuer-Expedition begonnen hat, entwickelt sich schlussendlich zu einem abnormalen Kampf um Leben und Tod.

Wie üblich für viele seiner Werke lässt sich auch dieser Morrison-Titel schwer in eine Schublade stecken. In erster Linie jedoch handelt es sich bei Nameless vor allem um einen paranormalen Höllenritt, der sich Anleihen aus den unterschiedlichsten Ecken der Medienlandschaft holt. Einer stark an Armageddon erinnernden Space-Atmosphäre wird in großer Menge okkulter und teilweise haarsträubender Zauber hinzugefügt, um das Ganze in einem neuen Licht zu präsentieren. Morrsions’ Ideen sind nicht neu, aber dennoch an vielen Stellen treffend, um das von ihm gewünschte Maß an Irritation zu erzeugen. Ohne die Vorstellungskraft des Meisters schmälern zu wollen, muss man an dieser Stelle dennoch anmerken, dass diese Geschichte Großteils ausschließlich vom fantastischen Artwork von Chris Burnham lebt. Dieser schafft es, die teilweise doch arg verdrehten Ideen Morrisons einzufangen und dessen Abstraktheit detailgenau auf die Seiten zu zaubern. Nathan Fairbairns Farbwahl, die irgendwo zwischen konservativ und verrückt anzusiedeln ist, gibt dem Ganzen zusätzlich eine vertraute Note, die das Werk da und dort elegant ausbalanciert. So subtil Morrison üblicherweise seine Brotkrümel streut, so sehr hämmert er in diesem Band seine Botschaften repetitiv in die Hirne seiner Leser. Auch der durchaus ansprechende Plot, welcher an sich jegliche Interpretation zulässt, mag an dieser Stelle nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nameless eine zentrale, wenn auch verstörende, Botschaft an sein Publikum richtet, die offenbar gehört werden soll.

Dass Cross Cult dem Band einen dermaßen edlen Einband mit reflektierenden Akzenten spendiert, spricht einmal mehr für die hervorragende Verlagspolitik der Ludwigsburger und wird dem Ganzen schließlich auch gerecht. Wer Grant Morrison bisher bedingungslos in dessen verspielte Phantasie gefolgt ist, der wird unter Garantie auch diesen Band lieben. Der Rest sei an dieser Stelle allerdings gewarnt, denn stellenweise lehnt sich der Gute hier ein Spur zu weit aus dem Fenster, was der Story zwar keinen Abbruch tut, den Leser allerdings nahe an die Frustrationsgrenze treibt.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Titel: Nameless
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Namelesss #01-06
Autor: Grant Morrison
Zeichner: Chris Burnham & Nathan Fairbairn
ISBN: 978-3-95981-426-3

Paper Girls 3

© Paper Girls #11


Die Nerds hatten recht. Y2K passiert wirklich.“

Die Lektüre von Paper Girls (Anm.d.Red: Die Rezension von Band 2 kann man hier nachlesen. Spoilergefahr droht überall.) lässt sich am besten mit einer Fahrt auf dem Kettenkarussell in einem Vergnügungspark beschreiben. Während zu Beginn Neugier, Nervenkitzel und eine leichte Nervosität überwiegen, folgt dicht darauf der Start, welcher Tür und Tor für einen Endorphin-Cocktail öffnet. Erst nach der Fahrt, wenn sich der Puls wieder auf ein normales Niveau einpendelt und der Angstschweiß getrocknet ist, beginnt man tatsächlich zu realisieren, was denn gerade passiert ist. Nervosität und Angst weichen einer gewissen Selbstsicherheit und obwohl man denkt, alles erlebt zu haben, wird man von Fahrt zu Fahrt immer wieder aufs Neue in Ekstase versetzt. So und nicht anders lässt sich wohl der Erfolg der Besitzer dieses metaphorischen Kettenkarussells beschreiben, denn Brian K. Vaughan und Cliff Chiang liefern auch mit dem bereits dritten Band der preisgekrönten Serie ein Sci-Fi Erlebnis, welches alle Regeln außer Kraft setzt. Also schließt die Sicherheitsbügel und haltet euch fest: Die Fahrt beginnt.

Nachdem Erin, Mac und Tiffany nun endlich wieder mit KJ vereint sind, müssen die vier Mädchen feststellen, dass sie das Zeitfenster, in das sie gesprungen waren, nicht wie erhofft in das Jahr 1988 zurückbrachte. Stattdessen finden sich die Heldinnen allesamt in einer abgedrehten Urzeit wieder, die, wie sollte es auch anders sein, voll verrückter Überraschungen steckt. Zu allem Überfluss wird die Gruppe nach einem Angriff erneut getrennt und Erin und Tiffany müssen versuchen Mac und KJ vor den mysteriösen drei Männern zu retten, die in dieser Zeit Angst und Schrecken verbreiten. Unterstützung erhalten sie hierbei von der jungen Mutter Wari und einer weiteren Zeitreisenden. Ob sie wohl die Fragen der Mädchen beantworten kann?

Auch im dritten Teil der Serie, die im handlichen Hardcover-Format bei Cross Cult erscheint, bleibt Vaughan seiner Linie treu und lässt seine Protagonistinnen immer tief in einen Sumpf voller Rätsel waten. Stets darauf bedacht der Leserin alles abzuverlangen, ohne sie dabei zu überfordern oder gar komplett zu verwirren, schmückt der talentierte Kanadier die Geschichte mit knackigen Dialogen und vergnügten Pop-Referenzen, die sich von Stephen King bis hin zu Calvin und Hobbes erstrecken. Das breit gespannte Netz der Verwirrung, welches sicherlich bewusst über einen oberflächlich simpel erscheinenden Plot gespannt wird, lässt dennoch Raum für tiefgreifende Einblicke in das Bewusstsein der einzelnen Figuren. Körperliche und seelische Entwicklungsschritte auf dem Weg zum Erwachsensein sind ebenso Thema wie Antisemitismus und Sexismus. In einer unaufgeregten und nüchternen Art und Weise bauen Vaughans Texte und Chiangs fantastisch-anmutenden Zeichnungen vier starke weibliche Teenager auf, die weitaus mehr sind als einfache Zeitungsmädchen aus Ohio.

Möchte man das Haar in der Suppe finden, so könnte man anmerken, dass der komplexe Aufbau der Geschichte etwas das Tempo nimmt. Die Zeit, die sich Vaughan nimmt, um seine Figuren auszuformulieren und das stetige World-building fordern im dritten Band nun erstmals ihren Tribut und bremsen den Leser erst einmal aus. Auch im Bezug auf offene Fragen liefern diese 5 US – Issues vorläufig keine wirklich erwähnenswerten Erkenntnisse.

Dass Vaughan allerdings weiß, was er tut und hinter diesem Wirrwarr ein fein durchdachter Plan steht, dürfte hinlänglich bekannt sein. Einem Autor seines Kalibers, der seit Jahren mit Preisen überhäuft wird, schenkt man somit gerne ein paar Vorschusslorbeeren. So oder so, die Paper Girls muss man einfach lieben!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Paper Girls
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Paper Girls #11-15
Autor: Brian K. Vaughan
Zeichner: Cliff Chiang & Matt Wilson
ISBN: 978-3-95981-561-1

The Amazing Screw-On Head und andere seltsame Dinge

© The Amazing Screw-On Head und andere seltsame Dinge


Ihr, Sir, seid der größte Zauberer der Welt“

Ein typisches Merkmal vieler Lesebiographien ist, dass sie einige Autoren oder Werke favorisieren, während andere ungewollt außen vor gelassen werden. Dies kann vielerlei Gründe haben: Von der einfachen Ratlosigkeit und dem ewigen Dilemma „Ich weiß nicht wo ich anfangen soll“ bis hin zu einer simplen undefinierbaren Hemmschwelle, die es einfach irgendwann zu überwinden gilt. Letzteres trifft in diesem Fall auf mich zu und umso mehr freue ich mich nun, endlich die Zeit und auch den Willen gefunden zu haben, das vorliegende Werk in Angriff zu nehmen. Mit The Amazing Screw-On Head und andere seltsame Dinge bringt Cross Cult das perfekte Einstiegswerk, um einmal in die Welt von Mike Mignola hinein zu schnuppern. Und eins kann ich euch jetzt schon versichern: Diese Welt wird mich so schnell nicht mehr los.

Obwohl der Titel vermuten lässt, dass im Zentrum der Geschichte der Amazing Screw-On Head steht, handelt es sich bei diesem Werk vielmehr um eine Art Sammlung von Kurzgeschichten, die in sich abgeschlossen sind. Los geht es dennoch mit dem oben genannten Helden, der in Wahrheit ein für die US – Regierung tätiger Agent ist, welcher seinen Kopf auf unterschiedliche Rüstungen schrauben kann und streng geheime Missionen erledigt. In diesem Falle ist der Auftraggeber niemand Geringerer als der 16. Präsident der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln. Screw-On soll sich auf die Suche nach dem gefährlichen Imperator Zombie machen, der einige dunkle Schriften gestohlen hat und nun versucht, ein Juwel zu finden, welches ihm übernatürliche Kräfte verleiht. Weiter geht es mit einer Geschichte, die sich um den jungen Abu Gung dreht, der über eine Bohnenranke mit dem Teufel in Kontakt tritt. Eine märchenhaft aufgebaute Story, die unerwartete Verbindung zur vorherigen Erzählung aufweist. Dicht darauf folgt dann mein persönliches Highlight des Bandes mit einer Geschichte, die unter Mithilfe von Mignolas siebenjähriger Tochter entstanden ist. So verrückt es auch klingen mag, erzählt dieser Teil von einer Schlange, die verschiedene Gebilde vom Dach eines Hauses anbrüllt und zum Verschwinden auffordert. Nach zwei weiteren kurz gehaltenen Erzählungen folgt abschließend ein Ende in Form eines Epilogs, welcher ruhig und unscheinbar wirkt und allein von Mignolas schaurigen Zeichnungen getragen wird. Das angehängte Skizzenbuch des genialen Künstlers lässt den Leser zu guter Letzt schmachtend und nachdenklich zurück.

The Amazing Screw-On Head und andere seltsame Dinge ist eine Anthologie, wie ich sie zuvor selten gesehen habe. Mignola wird seinem Ruf als herausragender Künstler und unbeschreiblich guter Autor hier mehr als gerecht und schafft ein seltsam anmutendes Werk, das sich irgendwo zwischen grotesker Ideen und grenzgenialer Umsetzung einordnen lässt. Der Einsatz von oftmals textlosen Panels, welche durch einen starken und klaren Strich und durch die poppenden Farben von Dave Stewart das Auge des Betrachters einfangen und es behutsam über die Seiten führen, lässt die einzelnen Geschichten ruhig und anmutig wirken. Die vielen sanft eingestreuten Querverweise zu anderen Teilen des Bandes verleihen dem Ganzen einen runden Charakter, der sich während des Lesens zunehmend offenbart. Die für Mignola so typischen viktorianischen Settings unterwerfen sich durchwegs dem gewollten Grusel, ohne jedoch kitschig zu wirken; ein Spagat, der sicherlich nicht jedem gelingt.

Mit The Amazing Screw-On Head hat mich Mike Mignola nicht nur positiv überrascht, sondern auch den Funken in mir entfacht, mich nun intensiver mit seinen Arbeiten auseinanderzusetzen. Zu sehr haben mich seine anmutig-schaurigen Zeichnungen Seite für Seite beeindruckt und zu sehr brachten mich seine ernsthaft-komischen Dialoge immer wieder zum Schmunzeln. Wer ebenso wie ich Lust darauf hat, seltsame Dinge zu entdecken, der sollte am besten hier zum Suchen beginnen.

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: The Amazing Screw-On Head und andere seltsame Dinge
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US The Amazing Screw-On Head comic book, The Magician and the snake, and several new stories;
Autor: Mike Mignola
Zeichner: Mike Mignola & Dave Stewart
ISBN: 978-3-95981-565-9

Seven to Eternity 1 – Der Gott des Flüsterns

© Seven to Eternity 1

Jeder sympathisiert mit dem Schwächeren, solange man sich im Falle eines Konflikts nicht an seine Seite stellen muss.“

Wer sich in den letzten Jahren im deutschen Verlagsangebot so richtig ausgetobt hat, wird sicherlich bemerkt haben, dass gerade im Bereich der Indie – Serien ein Name sehr häufig die Buchrücken ziert. Ob man nun das postapokalyptische Abenteuer, welches sich Low nennt betrachtet oder durch die Sci-Fi Welten von Black Science spaziert, Rick Remender, dessen schier grenzenloser Ideenreichtum hinter beiden Serien steckt, lässt nicht nur an diesen Serien seine kreativen Muskeln spielen. Dass sich nun Cross Cult dazu entschließt, eine weitere seiner Creator-Owned Serien auf den deutschen Markt zu bringen, zeugt nicht nur von einer durchdachten Verlagspolitik, sondern eröffnet uns Lesern den Zugang zu seinem neuesten (Meister-) Werk: Seven to Eternity. Im Gegensatz zur englischen Originalausgabe setzt die deutsche Version, die im Hardcover erscheint, auf ein leichtes Überformat, welches die atemberaubenden Zeichnungen von Jerome Opeña und die düsteren, oftmals rostig wirkenden Farben von Matt Hollingsworth wie ein gigantisches Feuerwerk auf der Netzhaut wirken lassen.

Das Zentrum der Handlung bildet die Familie Osidis, die in der Welt von Zhal als Ausgestoßene gelten, da sich das älteste Familienoberhaupt, Zebadiah, dem Willen von Garlis Sulm, im Volksmund auch Schlammkönig genannt, wiedersetzte. Sein Sohn Adam, der selbst nicht bei bester Gesundheit ist und noch immer mit dem frühen Tod seines jüngeren Bruders zu kämpfen hat, muss, nachdem sein Vater ermordet wird, selbst die Rolle des Clanführers übernehmen und steht vor einer Entscheidung, deren Folgen nicht schwerwiegender sein könnten. Soll er trotz der immerwährenden Mahnung seines Vaters das Angebot des Schlammkönigs annehmen und sich sein Angebot anhören? Für Adam steht damit nicht nur das Schicksal seiner Familie auf dem Spiel, sondern er muss auch erkennen, dass ein moralischer Standpunkt immer seinen Preis hat.

Wie schon an seinen anderen Serien gelingt es Remender auch in Seven to Eternity in kürzester Zeit eine fantastische Welt zu erschaffen, die dem Leser zwar grundsätzlich fremd ist, allerdings stark vertraute Züge aufweist. So bedarf es keiner großen Anstrengung, sich in der Welt von Zhal zurechtzufinden und sich buchstäblich unter die Bevölkerung zu mischen. Zu groß sind die politischen und sozialen Parallelen unseres Alltags, als dass man gewisse Botschaften nicht einzuordnen wüsste. Das Kreativteam vermeidet allerdings eine Pauschalkritik und nimmt den Leser somit selbst in die Verantwortung sich seine/ihre Meinung zu bilden. Abseits dieser allegorischen Lesart liefert der erste Band von Seven to Eternity die komplette Exposition der Geschichte und lässt und Großes erwarten. Die Mischung aus einer schier unerschöpflichen Fantasie eingebettet in eine nahezu greifbare Realität macht diesen Band zu einem Page-Turner, der den Leser tief in seinen Bann zieht.

Es ist bei weitem noch zu früh, um absehen zu können, wie sich die Serie entwickeln wird und ob sie dieses hohe Niveau auch in den kommenden Heften halten wird können. Fest steht nur, dass Remender, Opeña und Hollingsworth hier etwas geschaffen haben, dass mich mit der Zunge schnalzen lässt. Beim ins Regal stellen merke ich schon, dass ich den Band schon bald noch einmal lesen möchte: Kompromissloser Pflichtkauf!

BEWERTUNG: 4 1/2 von 5 Sternen

Titel: Seven to Eternity
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Seven to Eternity #01-04
Autor: Rick Remender
Zeichner: Jerome Opeña
ISBN: 978-3-95981-557-4

Outcast 5

© Outcast Band 5

„Die Sünde ließ ihn von innen verrotten.“

In gewisser Weise sind Horrorgeschichten, so gruselig sie auch sein mögen, oftmals banale Erzählungen, die auf inhaltlicher Ebene jeglichen Anspruch vermissen lassen und sich rein auf ihre Schock- beziehungsweise Ekelmomente reduzieren lassen. Es sind Geschichten, die konzipiert wurden, um ihren Lesern das Fürchten zu lehren und ihnen das Blut in den Adern gefrieren zu lassen, jedoch völlig außer Acht lassen, diese Eigenschaften mit einem komplexen und vielschichtigen Inhalt zu verbinden, um so etwas zu erschaffen, das mehr ist als bloß blanker Horror. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und so wird es wohl niemanden verwundern, dass auch der heutige Band abseits der gängigen Klischees einzuordnen ist. Denn Outcast als reine Horrorgeschichte abzustempeln und nicht weiter zu beachten, wäre, so viel sei an dieser Stelle gesagt, ein fataler Fehler.

Mittlerweile ist die Reihe bei Band 5 (Anm. d. Red. Nachzulesen ist die Rezension zu Band 4 hier) angelangt und schön langsam ergeben die schicken Hardcover Editionen von Cross Cult im Regal ein wirklich ansehnliches Bild. Nachdem uns der letzte Band mit einem üblen Cliffhanger zurückgelassen hat, überschlagen sich hier nun die Ereignisse. Kyle, der mittlerweile seine eigene Heimatstadt kaum noch betreten kann, lernt nicht nur einige brisante Details über seine Kräfte, sondern erfährt auch, dass er nicht der einzige Outcast in Rome ist. Währenddessen entwickelt sich Reverend Anderson immer mehr zu einem gefährlichen Fanatiker, der bereit ist, für seinen Glauben und die damit verbunden Mission über Leichen zu gehen. Die Kluft in der Gemeinschaft wird somit immer größer und die damit verbundenen Missverständnisse schwächen deren Zusammenhalt. In diesem Durcheinander scheint es so, als würden einige vergessen, wer hier wirklich der Feind ist – und der plant schon seinen nächsten Coup.

Robert Kirkman trifft auch mit diesem Band wieder voll ins Schwarze. Was vielversprechend und extrem ambitioniert begonnen hat, entwickelt sich immer mehr zu einem hochkomplexen Horror-Thriller. Outcast ist die perfekte Mischung aus düsterem Grusel und rationaler Furcht. Autor und Zeichner schaffen eine Welt, in der man fürchtet, was man nicht versteht und in der einfach nichts so ist, wie es scheint. Azacetas Zeichnungen sind, wie auch in den vorherigen Bänden, jedem Zweifel überhaben und sorgen in gewohnter Manier für ein mysteriös wirkendes Setting.

Dass die Serie gezielt einen Plan verfolgt und Kirkman die Leser geschickt häppchenweise mit Antworten füttert, ohne aber die Geschichte in die Länge zu ziehen, zeichnet Outcast als eine Reihe aus, die in keinem Regal fehlen sollte. Ich rate also jedem, sich zumindest die Zeit zu nehmen, ein paar Minuten darin zu blättern, denn ist man einmal dabei, lässt Outcast einen nicht mehr los.

BEWERTUNG: 4 1/2 von 5 Sternen
Titel: Outcast: Ein neuer Weg
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Outcast #25-30
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Paul Azaceta
ISBN: 9-783959-8-15499