Negan ist hier! Das Interview mit Charlie Adlard

© Negan ist hier – Crosscult

Während letzte Woche noch über Negans Vergangenheit berichtet wurde und ich mir Negan ist hier! einmal genauer angesehen habe, ermöglicht uns Cross Cult diese Woche ein Interview mit niemand geringerem als Charlie Adlard, dem Zeichner der The Walking Dead Serie, der natürlich auch Negans’ Herkunftsgeschichte in Szene setzt. Wie er die Figur und dessen Entwicklung sieht und wie seine Arbeit mit Robert Kirkman generell aussieht, könnt ihr im folgenden Gespräch nachlesen:

Stefan: Wann haben sich Du und Robert Kirkman dazu entschieden, Negan eine Origin Story zu spendieren und wieso?

Charlie: Negan hat generell eine etwas andere Entstehungsgeschichte im Vergleich zu anderen Figuren aus The Walking Dead. Normalerweise sendet mir Robert immer seine Vorstellungen zu einem Charakter und ich fertige dazu ein paar Sketche an. Negan bildet da eine Ausnahme. Es entstanden damals sechs verschiedene Cover, die jeweils einzelne Figuren und deren Waffen zeigten. So wollten wir die Saviors einführen. Eines der Cover zeigte einen Typen mit Lederjacke und einem Baseballschläger, welcher mit Stacheldraht umwickelt war. Später erzählte mir Robert, dass er keine Ahnung hatte, wie Negan aussehen sollte, bis er meine Zeichnung sah. Also nahmen wir das als Basis für den Charakter fügten noch einige Details hinzu, die Robert vorschlug, und Negan war geboren.

S: Origin Stories sind ja immer ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sind die Leser neugierig, wie die Biographie einer Figur aussieht, auf der anderen Seite nimmt man dem Charakter, wenn man zu viel verrät, oftmals seine interessanten Aspekte. Wie stehst du zu dieser Zwickmühle?

C: Ich habe das eigentlich nie wirklich als eine Zwickmühle gesehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass das eher ein Frage ist, die den Autor und nicht so sehr den Zeichner betrifft. Dennoch kann ich dazu sagen, dass wir bewusst auf detaillierte Origin-Stories in The Walking Dead verzichtet haben. In erster Linie deshalb, weil die Serie auf das Hier und Jetzt fokussiert ist und keinerlei Herkunftsgeschichten bedarf. Bei Negan wurde uns allerdings schnell bewusst, dass wir, aufgrund seiner Entwicklung innerhalb der Serie, UNBEDINGT auf seine Vergangenheit eingehen mussten. Also spendierten wir ihm eine separate Origin-Story, die wir als abgeschlossene Geschichte veröffentlichten. Ich bin der Meinung, dass diese dem Charakter einiges gegeben hat und Negan vom gewöhnlichen Schurken zu einer der wohl am besten verstandenen Figuren innerhalb der Geschichte wurde. Wen du mich fragst, ist er mittlerweile einer der faszinierendsten Charaktere innerhalb der Serie.

S: Wie viel Charlie Adlard steckt in den Figuren von The Walking Dead und wie viel steckt insbesondere in dem Charakter von Negan?

C: Also, da ich die gesamten Figuren zeichne, würde ich sagen mein Anteil liegt bei 50%. Und so sollte das übrigens bei jedem guten Comic aussehen: Autor und Zeichner sind jeweils zur Hälfte am Ergebnis beteiligt. So läuft das nun mal. Ist der Anteil von einer der beteiligten Personen zu hoch, dann wirkt die Serie unausgeglichen und auf einmal, ist das Endprodukt nicht mehr so, wie ein Comic nun einmal sein sollte.

S: Negans Geschichte ist von persönlichen Verlusten geprägt, die er oftmals durch den Gebrauch von vulgärer Sprache und Gewalt kompensiert. Wie gehst du vor, um diese Emotionen auch zeichnerisch auf den Leser wirken zu lassen?

C: Das ist natürlich die große Herausforderung in The Walking Dead. Es geht immer nur um die Figuren und deren Emotionen. Das ist es aber auch, was ich an der Serie so schätze und was mich an ihr begeistert. Es ist oftmals eine Herausforderung, aber das ist auch der Grund, warum ich seit über 170 Einzelheften noch immer an der Serie beteiligt bin. Sicherlich ist es oft nicht leicht, aber wo wäre denn der Spaß, wenn es immer so einfach wäre? Es würde mit der Zeit langweilig werden und das würde man natürlich auch in meinen Zeichnungen sehen.

S: In Negan ist hier! gibt es einige Panels, die komplett ohne Text auskommen und trotzdem (oder sogar deswegen) eine starke Aussagekraft haben. Inwiefern unterscheidet sich der kreative Prozess des Erstellens solcher Panels im Vergleich zu denen mit Text/Dialogen?

C: Schlussendlich bin ich immer verantwortlich, eine Geschichte zu erzählen. Und gerade bei Comics ist das sicherlich das Wichtigste. Natürlich wird immer über die großartige Schreibweise und die phänomenalen Zeichnungen geredet, dennoch, am Ende steht immer die Geschichte selbst. Wenn ich keine Geschichte ohne Dialoge erzählen könnte, dann wäre ich falsch in meinem Beruf und sollte kein Comic Zeichner sein.

S: Wie viele künstlerische Freiheiten hast du als Zeichner der Serie? Man liest ja immer wieder über Autoren die strikte Vorgaben haben, aber auch jene, die dem jeweiligen Zeichner viele Freiräume einräumen? Was für ein Typ ist Robert Kirkman?

C: Robert ist ein Minimalist was das angeht – und das gefällt mir. So habe auch ich mehr Spielraum innerhalb des Skripts und es fühlt sich nicht so an, als ob ich an alles gebunden wäre, was der Autor schreibt. Wie ich schon sagte, ich trage genau so viel zur Geschichte bei wie Robert. Er liefert das bestmögliche Skript und ich lasse anschließend meine Phantasie spielen. Außerdem arbeiten wir mittlerweile seit 14 Jahren Monat für Monat zusammen. Wenn wir während all dieser Zeit keinerlei Gespür für den anderen bekommen hätten, würde etwas gewaltig falsch laufen.

Vielen Dank für das Interview!

Und vielen Dank an den Cross Cult-Verlag, der dieses Interview möglich gemacht hat!

Here’s Negan

© Here’s Negan

„Es ist Zeit, dass ich euch von Lucille erzähle.“

Wir Comicleser sind schon eine eigenartige Spezies: Gewohnheitstiere durch und durch und dennoch stets darauf bedacht, nach Veränderungen zu lechzen, um eben diese, sollten sie wirklich eintreten, heftig zu kritisieren. Ein ähnliches Phänomen lässt sich auch bei Charakterbiographien, den sogenannten Origin-Stories, beobachten. Wissbegierig und in stetiger Erwartungshaltung streben wir danach, möglichst viel über die Figuren, denen wir treu ergeben sind, zu erfahren. Dieser Wunsch wird uns zwar häufig erfüllt, denn beinahe allen großen Charakteren wurde mindestens eine solche Herkunftsgeschichte spendiert, dennoch rutschen wir immer wieder in das alte Muster und beschweren uns über genau das, was wir uns ursprünglich gewünscht haben. Mit diesen und noch vielen anderen typischen Verhaltensmustern von uns Fanboys und Fangirls sehen sich Comicverlage und deren Autoren täglich konfrontiert und müssen kontinuierlich lernen, damit umzugehen. Robert Kirkman und Charlie Adlard wagen sich trotz der beschriebenen Umstände aufs Glatteis und veröffentlichen in einem abgeschlossenen Band die Herkunftsgeschichte des wohl berüchtigtsten fiktionalen Schurken Virginias: Negan!

Wer die Comicserie, welche im schicken Hardcover bei Cross Cult erscheint, oder die gleichnamige Fernsehserie von The Walking Dead regelmäßig verfolgt, der weiß, mit welcher Sorte Mensch man es zu tun bekommt, wenn Negan den Raum betritt. In ständiger Begleitung seiner geliebten Lucille, einem Baseballschläger, der mit Stacheldraht umwickelt wurde, hatte dieser Mann schon mehrmals die Gelegenheit sich dem Leser beziehungsweise dem Zuseher von seiner besten Seite zu präsentieren. Brutal, rücksichtslos und durchwegs gut gelaunt lässt uns Negan immer wieder aufs Neue innerlich zusammenzucken. Doch was musste geschehen, um solch einen Psychopathen hervorzubringen und wie war er, bevor die Welt den Bach runter ging? Diese und weitere Fragen greifen Kirkman und Adlard im vorliegenden Band, Negan ist hier!, auf und gewähren dem Leser Einblicke in sein Leben.

Auf 76 Seiten erzählen Autor und Zeichner eine Geschichte, die dem selben Schema folgt wie die Hauptserie und uns gnadenlos unangenehme Realitäten vor Augen führt. In einer für Kirkman ungewohnt flotten Art wird hier das Bild eines Mannes gezeichnet, welcher Schwierigkeiten hat, seine Gefühle zu zeigen und zu kontrollieren. Ein tragischer Schicksalsschlag drängt ihn zunehmend in die soziale Isolation und lässt ihn emotional abstumpfen. Durch seinen unbändigen Überlebenswillen und einen stark ausgeprägten Beschützerinstinkt überlebt Negan die ein oder andere ausweglose Situation und wird dadurch immer mehr zu einer Führungsfigur innerhalb diverser Gruppierungen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass genau diese und noch weitere Attribute auch auf Rick Grimes zutreffen. Neben weiteren Details aus Negans Vergangenheit und der Bedeutung einzelner Habseligkeiten vermeiden es Kirkman und Adlard zu viel zu verraten und damit der Figur einiges an Tiefe zu rauben. Auch der klassischen Transformationsgeschichte, in der ein Ereignis einen Menschen komplett verändert, kehren sie den Rücken und zeigen Negan von Beginn an als einen sozialen Grenzgänger, dessen Leben von Auf und Abs gekennzeichnet ist. Vielleicht ist genau das die größte Überraschung in diesem Band.

Ob ein eigener Comic wirklich nötig war, um den geneigten Leser auf die Komplexität der Figur hinzuweisen, bleibt wie üblich die Gretchenfrage, welche jeder für sich selbst beantworten muss. Ohne zu viel vorwegzunehmen lässt sich dennoch sagen, dass Negan ist hier! sicherlich eine nette Ergänzung zur Hauptserie ist, die einen weder langweilt, noch die Freude an der Figur nimmt. Allein dies ist auf jeden Fall ein Qualitätsmerkmal, mit dem nicht jede Origin-Story punkten kann.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen
Titel: Negan ist hier!
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: The Walking Dead: Here’s Negan!
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Charlie Adlard & Cliff Rathburn
ISBN: 978-3-95981-630-4

Justice League of America 1: Rebirth Special

© Justice League of America: Rebirth


(Mögliche Spoilerwarnung: Wir verweisen hierbei auch auf die Rezensionen von Justice League vs. Suicide Squad und dem DC Rebirth – Special!)

„Es wurde Zeit, ins Licht zu treten.“

Rechtzeitig zum Start des neuen Justice League Films bringt auch Panini Comics eine neue Serie der Liga auf den Markt. Wie im Event Justice League vs. Suicide Squad bereits angedeutet, stellt kein Geringerer als Batman die neue Truppe, welche unter dem Banner Justice League of America läuft, auf die Füße. Dass sich die Mitglieder hier deutlich von denen der „normalen“ Justice League unterscheiden, hat schon berechtigte Gründe und so nutzt Steve Orlando die Gunst der Stunde, um alte Konzepte zu modernisieren und somit ein menschlicheres Team zu schaffen. In fünf voneinander unabhängigen Heften, welche jeweils die Origin eines Charakters beziehungsweise des Teams erzählen, bringt uns Orlando, unter Mithilfe diverser Künstler wie Ivan Reis und Stephen Byrne, eine Reihe von neuen Figuren näher und zeigt in gewohnt gekonnter Manier, wie man diesen in nur wenigen Seiten Leben einhaucht.

Neben der Wissenschaftlerin Caitlin Snow, die besser unter dem Namen Killer Frost bekannt ist, dem Sprüche klopfenden Kopfgeldjäger Lobo und der bezaubernden Black Canary setzen Autor und Zeichner auf frisches Blut in Form von jungen, dynamischen Helden. Mit Ray, Ryan und Vixen präsentiert Orlando drei Figuren, die sich in ihrer Biographie deutlich voneinander unterscheiden, dennoch ähnliche Schwierigkeiten haben, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Im Kontext eines bewährten Erzählschemas erfährt der Leser häppchenweise mehr über die einzelnen Mitglieder, bis schlussendliche ein holzschnittartiges Mosaik sichtbar wird, welchem der letzte Feinschliff (noch) verwehrt bleibt. Orlandos Bemühen seinen Figuren Tiefe zu geben und sie somit aus der reinen Klischeehaftigkeit ausbrechen zu lassen, gelingt zwar nicht immer, dennoch spürt man, gerade bei den jüngeren Helden, seinen Mut Neues zu versuchen und die Liga somit moderner und frischer wirken zu lassen. So bunt diese neue Mischung, die unter Batmans Regie wohl bald auf Verbrecherjagd gehen wird, nun auch scheinen mag, so glaubhaft und notwendig wirkt deren Zusammenspiel. Eine schier merkwürdige und einmalige Komposition, die ihre Krönung auf der letzten Seite erfährt, als niemand geringer als Ivan Reis das Team in seiner Gesamtheit aufs Papier zaubert und somit den Startschuss für das erste Abenteuer gibt.

Obwohl der Band noch keinerlei Richtung vorgibt, in die sich die Serie entwickeln könnte, machen die Geschichten in ihrer Isolation durchaus Lust auf mehr. Wie schnell sich gewisse Figuren abnützen und wie viel Entwicklungspotenzial vor allem in Ray, Ryan und Vixen steckt, werden die kommenden Bände zeigen, an denen sich die Serie schlussendlich messen lassen wird müssen. Dass auch in diesem Band Verweise zum DC Rebirth Special enthalten sind, deutet nicht nur auf eine akribische Planung des Verlags hin, sondern kann durchaus auch als Symbol für die Relevanz der Serie zu lesen sein. Und wer den Mitternachtsdetektiv auch nur ein bisschen kennt, der weiß natürlich, dass Batman mit Sicherheit Gründe hat, die eine Justice League of America rechtfertigen.

Lobenswert ist abschließend auch die Veröffentlichungspolitik von Panini Comics, die die in den USA als separate Einzelheft erschienen Geschichten gleich in einen Sammelband packen und somit für einen runden Lesegenuss sorgen. Der Band richtet sich nicht nur an Leute, die auf Team-Serien und/oder Lobos schwarzen Humor stehen, sondern ist auch durchaus für Leserinnen zu empfehlen, die auf der Suche nach kurzweiliger Unterhaltung sind.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Titel: Justice League of America: Rebirth Special
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: JLA Rebirth: Ray/Vixen/Atom/Killer Frost; JLA Rebirth
Autor: Steve Orlando
Zeichner: Ivan Reis, Jody Houser, Stephen Byrne uva.
ISBN: 4-191246-012998-01

Justice League vs. Suicide Squad

© DC Comics: Justice League vs. Suicide Squad

„Macht korrumpiert nicht. Furcht korrumpiert, vielleicht die Furcht vor dem Machtverlust.“

Acht Monate nach der Veröffentlichung des DC Rebirth Specials ist es nun also soweit: Panini liefert uns in drei extradicken Heften das erste Crossover-Event der Rebirth-Ära. Dass in Justice League vs. Suicide Squad vor allem die letztere Fraktion im Mittelpunkt steht, überrascht keineswegs. Ist es doch die Truppe rund um Harley Quinn, welche sich seit dem Erscheinen des dazugehörigen Kinofilms als Kassenschlager entpuppt. Neben der Etablierung neuer Charaktere wie Killer Frost, schafft es Autor Joshua Williamson, der auch an der aktuellen Flash Serie überzeugt, zu der für Events typischen Hau-drauf-Action auch nachdenklich stimmende Passagen in die Geschichte einzubetten. Tatkräftige Unterstützung erhält er unter anderem von Jason Fabok und Tony Daniel, welche auf zahlreichen Spread Pages die Muskeln spielen lassen und für einen Augenschmaus der Extraklasse sorgen.

Die zwei Handlungsstränge, welche uns einerseits die Pläne von Maxwell Lord, einem machthungrigen Telepathen, offenbaren und andererseits die Auseinandersetzung der Justice League mit der Suicide Squad schildern, bilden den Kern der Story und steuern in zügigem Tempo auf ein krachendes Finale zu. Nebenbei bleibt genügend Zeit um mehr oder weniger bekannte Schurken einzuführen und den Status quo des DC Universums, wenn auch nur geringfügig, zu verändern. Im Zuge der drei Hefte müssen sich einzelne Helden nicht nur körperlich beweisen, sondern werden auch mental auf ihre Fähigkeiten geprüft. Im Zentrum, obwohl im Hintergrund agierend, steht die manipulative Regierungsagentin und Gründerin der Task Force X, wie das Suicide Squad offiziell genannt wird, Amanda Waller. Während Max Lord seinen Zielen immer näher kommt und dabei Team-Zusammensetzungen gehörig durcheinanderwürfelt, taucht aus dem Nichts ein neuer, weitaus gefährlicherer und beinahe vergessener Gegner auf. Für Helden und Schurken entsteht somit ein Spießrutenlauf, der zunehmend prekärer wird und schließlich in einer dramatischen Schlacht vor dem weißen Haus gipfelt. Das Event endet so mysteriös, wie es beginnt und entzieht sich somit der völligen Auflösung aller offener Fragen. Dass allerdings ein neues Team, welches von Batman angeführt werden wird, ante Portas steht und durch eine extravagante Zusammenstellung für einige Furore sorgen dürfte, ist sicherlich die größte Veränderung, welche Justice League vs. Suicide Squad mit sich bringt.

Joshua Williamson, der mittlerweile exklusiv bei DC Comics unter Vertrag steht, liefert uns nicht nur einen actiongeladenen Blockbuster, sondern versucht die wenigen ruhigen Momente zu nützen, um der ganzen Geschichte ein wenig Tiefe zu verleihen. Dass dies oftmals eine nicht zu bewältigende Übung darstellt, liegt bei einem „versus“-Titel klar auf der Hand. Dennoch wirken Charaktere wie etwa Maxwell Lord oder auch Amanda Waller bei kritischer Betrachtung wie Spiegelbilder unserer heutigen politischen Vertreter. Ohne den Finger direkt in die Wunde zu legen, konstruieren Autor und Zeichner kompromisslose Egoisten, welche ihre Gier nach Macht mit Themen wie Sicherheit und Freiheit kaschieren wollen und dabei über Leichen gehen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nichtsdestotrotz bleibt Justice League vs. Suicide Squad ein typisches Event, welches durchaus zu unterhalten weiß, ohne jedoch den Anspruch auf essentielle Bedeutung zu erheben.

Die in den Heftserien Justice League und Suicide Squad veröffentlichten Tie-Ins bieten zwar einige Zusatzinfos und vertiefen teilweise die Haupthandlung des Events, sind aber alles andere als notwendig, um der Geschichte folgen zu können. Wer also Lust auf ein typisches Superhelden-Event hat, der kann hier getrost zugreifen. Den kommenden Geschichten wird man allerdings auch ohne diese Lektüre problemlos folgen können.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Justice League vs. Suicide Squad
Verlag: Panini Comics
Format: Heft-Format
Originalausgaben: US Justice League vs. Suicide Squad #01-06
Autor: Joshua Williamson
Zeichner: Jason Fabok, Tony S. Daniel uva.
ISBN: 4-191141-705995-1/2/3

DC Rebirth: All Star Batman

© DC Rebirth – All Star Batman

„Komm. Mach schon. Sieh durch deine Linse und sag mir wie du die Welt siehst.“

Wenn DC ein neues All Star Projekt ankündigt, erhöht sich der Puls des geneigten Comic-Lesers im Normalfall deutlich. Das spezielle Imprint könnte man nämlich als Qualitätssiegel des amerikanischen Verlagshauses sehen, welches die populärsten Charaktere wie Batman oder Superman mit den angesagtesten Kreativ-Teams zusammenführt. Der vorliegende All Star Batman Band, welcher von Scott Snyder und John Romita Junior (kurz JRJR) verfasst wurde, bildet hier keine Ausnahme. Das aktuelle Volume, das im Übrigen nichts mit dem 2008 bei Panini erschienen All Star Batman von Frank Miller und Jim Lee zu tun hat, überrascht mit einem interessanten Konzept und begeistert mit einer durchdachten und vielschichtigen Struktur.

Harvey Dent, aka Two-Face, berichtet in einem klaren Moment davon, ein Heilmittel für seine gespaltene Persönlichkeit gefunden zu haben. Batman, den eine gemeinsame Vergangenheit mit Harvey verbindet, will diese Chance nützen, um seinen Jugendfreund von dessen böser Seite zu befreien und begibt sich auf die Suche nach dem Serum. Two-Face, der dies natürlich nicht zulassen möchte, setzt ein Kopfgeld auf den Mitternachtsdetektiv aus, an dem beinahe ganz Gotham interessiert ist. Allerdings sind damit nicht nur die üblichen Antagonisten der Fledermaus gemeint. Auch Gothams Bürger und Batmans engste Vertraute stehen vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Gehöre ich zu den Guten oder zu den Bösen?

Scott Snyder setzt im ersten Arc seiner Geschichte auf genau die Tugenden, die ihn als Autor an der regulären Batman Serie (2012-2017) groß gemacht haben. Der Plot, welcher dem Prinzip der mittelalterlichen Queste folgt, führt Batman weit aus seiner Komfortzone hinaus und lässt ihn ungewohnt weitab von Gotham in Erscheinung treten. Snyder versteht es, diese Entortung tief in die Geschichte einzuweben und auf mehreren Ebenen sichtbar zu machen. Inhaltlich bedient er sich Themen, die so alt sind wie die Menschheit selbst, jedoch nie an Relevanz verloren haben. So spielen gesellschaftliche Solidarität als auch die Frage nach dem Gut und dem Böse ebenso eine Rolle wie die Auswirkung des Schicksals auf dem Spieltisch des Lebens. Snyders bildliche Sprache, welche durch Romitas teils äußerst brutale Zeichnungen zum Leben erweckt wird, führt dem Leser eine ambivalente Welt vor Augen, die durch dichotomisches Denken schwer bis gar nicht zu begreifen ist.

Wer auf der Suche nach einer etwas anderen Batman Geschichte ist, dem kann ich nur dazu raten, sich dieser hier zu widmen. Am kommenden Samstag besteht hierfür schon die passende Gelegenheit, denn bei Bunbury’s findet der Batman-Tag statt, an dem dieser Band natürlich zahlreich aufliegen wird.

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Euer Stefan

DC Rebirth bei Panini – Die Übersicht

Das Rebirth Programm kommt – und da kommt eine ganze Menge!

© DC – Rebirth

DC Rebirth hat nun auch offiziell den Einzug in die deutschen Publikationen von Panini erhalten. Mit der Veröffentlichung des DC Rebirth Specials wurde hierfür der Grundstein gelegt und die Tür ins Schlaraffenland weit aufgestoßen. Rebirth bringt nicht nur gute Geschichten, sondern eine ganze Menge an neuem Material. Um diesen Veröffentlichungs-Dschungel besser durchblicken zu können und die Pull- Listen entsprechend aufzuladen, habe ich mir das Programm einmal angesehen und für Euch zusammengefasst.

Was uns erwartet:

Wie jedes tiefgreifende Ereignis das im DC Kosmos sattfindet, hat auch Rebirth eine Vorgeschichte, die erzählt beziehungsweise gelesen werden will.

Mit Titans Hunt liefert uns DC einen Fanservice, indem sie die „alten“ Titans wieder zurückbringen. Dies ist durchaus auch für NeuleserInnen interessant, da man von nun an auf diese Truppe bauen wird. Auch Superman unterläuft im Zuge Rebirths drastischen Veränderungen, die, soviel kann man schon einmal verraten, wohl die größten Neuigkeiten im DC Universum darstellen. Mit dem Sammelband Die letzten Tage von Superman taucht man direkt in das finale Kapitel des Stählernen ein und erfährt somit, wie es mit dem ewigen Pfadfinder – im Sonderband Format – weitergehen wird.

In zwei weiteren schlanken Sammelbänden bringt Panini die Mini-Serie Lois und Clark auf den deutschen Markt. Hier wird uns nicht nur eine wunderbare Familiengeschichte präsentiert, sondern auch der Grundstein für die im Heftformat veröffentlichte Reihe Action Comics gelegt.

Wer von Rebirth nun die Nase voll hat, was hoffentlich die Wenigsten sein werden, sollte hier zum Lesen aufhören. Für alle anderen gilt: Haltet Euren Geldbeutel fest, es könnte teuer werden!

Panini lässt sich natürlich nicht lumpen und bietet Freunden der Ur-Form des Comics, im Allgemeinen bekannt als Heftleser, eine ordentliche Produktpalette. Mit Batman und Detective Comics steht der Dunkle Ritter auch während Rebirth gewohnt im Rampenlicht. Im Gegensatz zu den New52 allerdings, wo sich die beiden Serien ein Heft alternierend teilten, spendiert Panini der Fledermaus nun zwei getrennte Hefte. Auch die Justice League bleibt diesem Format erhalten und wird weiterhin in Heftform erscheinen. Neu hingegen ist die Veröffentlichung des Suicide Squads in Heftform, dessen Beliebtheitswerte offenbar auch auf die Verkaufszahlen abgefärbt haben. Als wäre das noch nicht genug, serviert Panini als Gusto- Schmankerl für beinahe alle Heftserien auch noch ein Rebirth Special, welches den Einstieg endgültig ebnen sollte. Auch für das „Trade-Wait“ Publikum ist natürlich gesorgt, da Panini folgende Serien im Sonderband, sprich gesammelt, auf den Markt bringt. Auch hier dürfen sich Leseratten freuen, denn aufgrund der zweiwöchentlichen Veröffentlichungsweise in den USA werden diese Bände nun öfters erscheinen als bisher. Herz, was willst du mehr. Unter anderem finden sich hier:

 

© DC Rebirth

Flash
Harley Quinn
Green Lanterns
• Superman Sonderband
• Nightwing
• Deathstroke
• Hal Jordan und das Green Lantern Corps
• Wonder Woman
• Titans
• All-Star Batman
• Trinity
• Hellblazer
Aquaman

 

Zu guter Letzt verzichtet Panini natürlich auch nicht auf das mittlerweile durchaus etablierte Telefonbuch-Format: Megabände zu folgenden Serien sind schon fix eingeplant:

Green Arrow
Batgirl
Redhood

Bei dem Schwall an Lesestoff sollte nun wirklich jeder auf seine Kosten kommen und der Erforschung des neuen DC Universums steht somit nichts mehr im Wege. Wer jetzt neugierig geworden ist und Lust hat, einmal in diesen Kosmos einzutauchen, dem empfehle ich dringend schnurstracks den Weg zu Bunbury’s zu suchen, denn dort stehen die Geschichten schon in den Regalen bereit, wo sie nur darauf warten gelesen zu werden. In diesem Sinne: Das Buffet ist hiermit eröffnet.

Euer Stefan