Outcast 5

© Outcast Band 5

„Die Sünde ließ ihn von innen verrotten.“

In gewisser Weise sind Horrorgeschichten, so gruselig sie auch sein mögen, oftmals banale Erzählungen, die auf inhaltlicher Ebene jeglichen Anspruch vermissen lassen und sich rein auf ihre Schock- beziehungsweise Ekelmomente reduzieren lassen. Es sind Geschichten, die konzipiert wurden, um ihren Lesern das Fürchten zu lehren und ihnen das Blut in den Adern gefrieren zu lassen, jedoch völlig außer Acht lassen, diese Eigenschaften mit einem komplexen und vielschichtigen Inhalt zu verbinden, um so etwas zu erschaffen, das mehr ist als bloß blanker Horror. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und so wird es wohl niemanden verwundern, dass auch der heutige Band abseits der gängigen Klischees einzuordnen ist. Denn Outcast als reine Horrorgeschichte abzustempeln und nicht weiter zu beachten, wäre, so viel sei an dieser Stelle gesagt, ein fataler Fehler.

Mittlerweile ist die Reihe bei Band 5 (Anm. d. Red. Nachzulesen ist die Rezension zu Band 4 hier) angelangt und schön langsam ergeben die schicken Hardcover Editionen von Cross Cult im Regal ein wirklich ansehnliches Bild. Nachdem uns der letzte Band mit einem üblen Cliffhanger zurückgelassen hat, überschlagen sich hier nun die Ereignisse. Kyle, der mittlerweile seine eigene Heimatstadt kaum noch betreten kann, lernt nicht nur einige brisante Details über seine Kräfte, sondern erfährt auch, dass er nicht der einzige Outcast in Rome ist. Währenddessen entwickelt sich Reverend Anderson immer mehr zu einem gefährlichen Fanatiker, der bereit ist, für seinen Glauben und die damit verbunden Mission über Leichen zu gehen. Die Kluft in der Gemeinschaft wird somit immer größer und die damit verbundenen Missverständnisse schwächen deren Zusammenhalt. In diesem Durcheinander scheint es so, als würden einige vergessen, wer hier wirklich der Feind ist – und der plant schon seinen nächsten Coup.

Robert Kirkman trifft auch mit diesem Band wieder voll ins Schwarze. Was vielversprechend und extrem ambitioniert begonnen hat, entwickelt sich immer mehr zu einem hochkomplexen Horror-Thriller. Outcast ist die perfekte Mischung aus düsterem Grusel und rationaler Furcht. Autor und Zeichner schaffen eine Welt, in der man fürchtet, was man nicht versteht und in der einfach nichts so ist, wie es scheint. Azacetas Zeichnungen sind, wie auch in den vorherigen Bänden, jedem Zweifel überhaben und sorgen in gewohnter Manier für ein mysteriös wirkendes Setting.

Dass die Serie gezielt einen Plan verfolgt und Kirkman die Leser geschickt häppchenweise mit Antworten füttert, ohne aber die Geschichte in die Länge zu ziehen, zeichnet Outcast als eine Reihe aus, die in keinem Regal fehlen sollte. Ich rate also jedem, sich zumindest die Zeit zu nehmen, ein paar Minuten darin zu blättern, denn ist man einmal dabei, lässt Outcast einen nicht mehr los.

BEWERTUNG: 4 1/2 von 5 Sternen
Titel: Outcast: Ein neuer Weg
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Outcast #25-30
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Paul Azaceta
ISBN: 9-783959-8-15499