Batman/Flash: The Button

© DC

Niemand wird uns retten!“

Als DC Comics unter der Leitung von Geoff Johns beschloss, einmal mehr ihr gesamtes Universum umzukrempeln und mit dem DC Rebirth Special die dafür erforderliche Basis schuf, dauerte es nicht lange, bis die ersten kritischen Stimmen laut wurden. Zu groß war wohl die Verwunderung vieler eingesessener Leser, dass das amerikanische Verlagshaus tatsächlich bereit war, Alan Moore’s Meisterwerk, Watchmen, in den Superhelden-Kosmos einzubinden. Der spürbaren Enttäuschung folgte Unverständnis und vor allem eine kollektive Ratlosigkeit. Denn obwohl sich das Rebirth Special verkaufte wie warme Semmeln und binnen Tagen komplett vergriffen war, wollte einfach niemand so richtig verstehen, was DC zu so einem drastischen Schritt getrieben hatte. Als jedoch die Fangemeinde anschließend Monat für Monat mit fantastischen Serien versorgt wurde, war der Ärger bald verflogen und der Aufstand samt Mistgabeln und Fackeln wurde erst einmal auf später verschoben. Nun, fast 12 Monate später, soll der Gordische Knoten nun endgültig gelöst werden und Antworten auf die Fragen geliefert werden, welche Geoff Johns so zahlreich aufgeworfen hat. Den Beginn macht ein spektakuläres Batman/Flash Crossover, welches sich dem Mysterium rund um den in der Bat-Höhle entdeckten Watchmen Smiley widmet. Wie gewohnt sehr leserfreundlich packt Panini Comics die vier US – Ausgaben in zwei Hefte und zaubert so auch dem geneigten Gelegenheits-Leser ein Lächeln ins Gesicht.

Alles beginnt mit einem nachdenklichen Bruce Wayne, der mit vertraut finsterer Miene versucht, die Bedeutung des seltsamen Smileys zu entschlüsseln. Als es zu einer eigenartigen Reaktion mit der Maske des Psycho Piraten kommt und Bruce auf einmal seinen Vater vor sich sieht, kontaktiert er Barry Allen und bittet diesen um Unterstützung. Wie aus dem Nichts taucht allerdings ein unerwarteter Gegenspieler, der Reverse Flash, auf und verwickelt Batman in einen epischen Kampf. Noch bevor Barry eintrifft findet der Schurke allerdings im „Button“ seinen Meister und wird von dem kleinen gelben Anstecker auf erschreckende Weise aus dem Leben gerissen. Die weiteren Kapitel führen den Leser danach in vertrauter Flash-Manier durch Paralleluniversen und verweisen auf bereits zurückliegende Events, wie etwa dem Flashpoint. Als am Ende der totgeglaubte Eobard Thawne erneut in Erscheinung tritt und ein (sehr) alter Bekannter die Bühne betritt, vermag man als Leser schon zu ahnen, in welche Richtung die Reise geht. Der Epilog hat es dann noch einmal gehörig in sich und fügt dem Puzzle einen weiteren Stein hinzu, ohne jedoch das komplette Bild freizulegen.

Tom King und Joshua Williamson schlagen in dieser Story nun erstmals wieder eine komplette Brücke zur Einleitung des DC Rebirths. Geoff Johns’ Grundidee von der Implementation der Watchmen wird hier zwar fortgeführt, allerdings werden bisherige Andeutungen nur verstärkt, anstatt (an-) greifbare Fakten zu liefern. Beide Autoren verstehen es, das Skript harmonisch abzustimmen und somit entsteht eine dynamische Geschichte, in der jeder Figur entsprechend Raum geboten wird. Zeichnerisch sind alle vier Ausgaben jedem Zweifel erhaben, denn sowohl Jason Fabok als auch Howard Porter erläutern hier eindrucksvoll, warum sie zur absoluten Elite gehören. Hier ist von der Thematik, welche im Artwork etabliert wird, sicherlich die erste Ausgabe hervor zu streichen. Durch den Einsatz eines „9-Grid-Panel“ Layouts, welches man immer wieder in Kings Geschichten findet, wird die Zeit, als Konzept, eindrucksvoll greifbar gemacht. Die reguläre Abfolge von gleich großen Panels erzeugt einen pulsierenden Rhythmus beim Lesen, der zielgerichtet auf ein unausweichliches Ende zusteuert. Die kontrastiven Schauplätze, die auch in der Kolorierung sichtbar werden, und der Gegensatz von Gewalt und Ruhe etablieren eine kompakte und spannungsgeladene Geschichte, welche vor allem durch die Optik transportiert wird; ein Paradebeispiel für die komplexe Funktionsweise der neunten Kunst.

The Button ist vielleicht nicht die Enthüllungsgeschichte, die sich so mancher nach der langen Warterei gewünscht hätte, es handelt sich allerdings auch nicht um einen blassen Lückenfüller. Die vier vorliegenden Ausgaben liefern neben einer großartigen Batman/Flash Geschichte und einer zeichnerischen Meisterleistung einen weiteren, behutsam gesetzten Schritt in Richtung einer schier unausweichlichen Begegnung. Dass die Watchmen, oder zumindest einige von ihnen, früher oder später auftauchen werden, scheint so gut wie sicher. Den steinigen Weg, den Geoff Johns hier eingeschlagen hat, meistert er allerdings besser als ursprünglich vermutet. So dürfen sich Leser und Fans weiterhin freuen und Theorien spinnen; spätestens mit Doomsday Clock sollte dann aber die Katze aus dem Sack gelassen werden.

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Batman/Flash: The Button
Verlag: Panini Comics
Format: Einzelheft
Originalausgaben: US Batman #21-22, US The Flash #21-22;
Autor: Tom King & Joshua Williamson
Zeichner: Jason Fabok & Howard Porter

Justice League vs. Suicide Squad

© DC Comics: Justice League vs. Suicide Squad

„Macht korrumpiert nicht. Furcht korrumpiert, vielleicht die Furcht vor dem Machtverlust.“

Acht Monate nach der Veröffentlichung des DC Rebirth Specials ist es nun also soweit: Panini liefert uns in drei extradicken Heften das erste Crossover-Event der Rebirth-Ära. Dass in Justice League vs. Suicide Squad vor allem die letztere Fraktion im Mittelpunkt steht, überrascht keineswegs. Ist es doch die Truppe rund um Harley Quinn, welche sich seit dem Erscheinen des dazugehörigen Kinofilms als Kassenschlager entpuppt. Neben der Etablierung neuer Charaktere wie Killer Frost, schafft es Autor Joshua Williamson, der auch an der aktuellen Flash Serie überzeugt, zu der für Events typischen Hau-drauf-Action auch nachdenklich stimmende Passagen in die Geschichte einzubetten. Tatkräftige Unterstützung erhält er unter anderem von Jason Fabok und Tony Daniel, welche auf zahlreichen Spread Pages die Muskeln spielen lassen und für einen Augenschmaus der Extraklasse sorgen.

Die zwei Handlungsstränge, welche uns einerseits die Pläne von Maxwell Lord, einem machthungrigen Telepathen, offenbaren und andererseits die Auseinandersetzung der Justice League mit der Suicide Squad schildern, bilden den Kern der Story und steuern in zügigem Tempo auf ein krachendes Finale zu. Nebenbei bleibt genügend Zeit um mehr oder weniger bekannte Schurken einzuführen und den Status quo des DC Universums, wenn auch nur geringfügig, zu verändern. Im Zuge der drei Hefte müssen sich einzelne Helden nicht nur körperlich beweisen, sondern werden auch mental auf ihre Fähigkeiten geprüft. Im Zentrum, obwohl im Hintergrund agierend, steht die manipulative Regierungsagentin und Gründerin der Task Force X, wie das Suicide Squad offiziell genannt wird, Amanda Waller. Während Max Lord seinen Zielen immer näher kommt und dabei Team-Zusammensetzungen gehörig durcheinanderwürfelt, taucht aus dem Nichts ein neuer, weitaus gefährlicherer und beinahe vergessener Gegner auf. Für Helden und Schurken entsteht somit ein Spießrutenlauf, der zunehmend prekärer wird und schließlich in einer dramatischen Schlacht vor dem weißen Haus gipfelt. Das Event endet so mysteriös, wie es beginnt und entzieht sich somit der völligen Auflösung aller offener Fragen. Dass allerdings ein neues Team, welches von Batman angeführt werden wird, ante Portas steht und durch eine extravagante Zusammenstellung für einige Furore sorgen dürfte, ist sicherlich die größte Veränderung, welche Justice League vs. Suicide Squad mit sich bringt.

Joshua Williamson, der mittlerweile exklusiv bei DC Comics unter Vertrag steht, liefert uns nicht nur einen actiongeladenen Blockbuster, sondern versucht die wenigen ruhigen Momente zu nützen, um der ganzen Geschichte ein wenig Tiefe zu verleihen. Dass dies oftmals eine nicht zu bewältigende Übung darstellt, liegt bei einem „versus“-Titel klar auf der Hand. Dennoch wirken Charaktere wie etwa Maxwell Lord oder auch Amanda Waller bei kritischer Betrachtung wie Spiegelbilder unserer heutigen politischen Vertreter. Ohne den Finger direkt in die Wunde zu legen, konstruieren Autor und Zeichner kompromisslose Egoisten, welche ihre Gier nach Macht mit Themen wie Sicherheit und Freiheit kaschieren wollen und dabei über Leichen gehen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nichtsdestotrotz bleibt Justice League vs. Suicide Squad ein typisches Event, welches durchaus zu unterhalten weiß, ohne jedoch den Anspruch auf essentielle Bedeutung zu erheben.

Die in den Heftserien Justice League und Suicide Squad veröffentlichten Tie-Ins bieten zwar einige Zusatzinfos und vertiefen teilweise die Haupthandlung des Events, sind aber alles andere als notwendig, um der Geschichte folgen zu können. Wer also Lust auf ein typisches Superhelden-Event hat, der kann hier getrost zugreifen. Den kommenden Geschichten wird man allerdings auch ohne diese Lektüre problemlos folgen können.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Justice League vs. Suicide Squad
Verlag: Panini Comics
Format: Heft-Format
Originalausgaben: US Justice League vs. Suicide Squad #01-06
Autor: Joshua Williamson
Zeichner: Jason Fabok, Tony S. Daniel uva.
ISBN: 4-191141-705995-1/2/3