Doctor Doom: Iron Man – Rollentausch

© Infamous Iron Man


Zeig mir dein Gesicht, Victor.“

Glaubt man den Worten von Marc Silvestri, so hat Robert Downey Junior mit seiner Rolle als Iron Man nicht nur der damals eher unbedeutenden Figur wieder neues Leben eingehaucht, sondern mit einem Schlag das gesamte Überleben der Superhelden gesichert. Zugegeben, mit dieser Aussage lehnt sich der Mitbegründer von Image Comics gewagt weit aus dem Fenster, dennoch steckt in ihr, zumindest in Bezug auf Iron Man, doch ein wahrer Kern. Ohne jetzt im Detail auf das Marvel Cinematic Universe (MCU) eingehen zu wollen, lässt sich der massive Einfluss von Robert Downey Junior auf die Figur Tony Stark kaum leugnen. Marvel pokerte hoch und schmiss der breiten Masse einen Helden im rot-gold lackierten Metalanzug vor die Füße, der im Vergleich zu anderen Marken wie Spider-Man oder den X-Men eher die zweite Geige spielte. Dass sie mit dieser Entscheidung in den kommenden Jahren mehrmals den gesamten Pot (um bei der Poker-Metapher zu bleiben) abstauben würden und dieser Film erst der Grundstein eines milliardenschweren Franchises werden würde, stand damals, genau gesagt 2008, noch in den Sternen.

Doch nicht nur den Filmen drückte Downey Junior seinen ganz persönlichen Stempel auf. Auch in den Comics fand die Interpretation des in New York geborenen Schauspielers immer mehr Platz und Iron Man wurde spätestens unter der Feder von Matt Fraction wieder zu einem der Aushängeschilder des Marvel Universums. Mittlerweile schafft es die Figur sogar mehrere (Heft-) Serien zu füllen und scheint auch im deutschsprachigen Raum eine breite Leserschafft bei Laune zu halten. Kürzlich jedoch mussten die Fans des Kosmopoliten starke Nerven zeigen, denn die Geschehnisse rund um den Civil War II hatten gehörige Einflüsse auf die Figur und so musste jemand anderes für Tony Stark in die Presche springen. In diesem Zuge bringt Panini Comics nun eine neue Iron Man Serie auf den Markt, welche, so viel sei gesagt, es echt in sich hat. Niemand geringerer als Victor von Doom beschließt von nun an die Rüstung zu tragen und als neuer, „infamous“ Iron Man die Menschheit zu beschützen.

So irre es auch klingen mag, so gut funktioniert die Figur des ehemals als Dr. Doom bekannten Schurken in seiner neuen Rolle. Geläutert von den Ereignissen rund um das Blockbuster-Event Secret Wars, erkennt Victor von Doom, dass es ihm keinen innerlichen Frieden bringt, die Menschen zu unterjochen und über sie zu herrschen. Nach reiflicher Überlegung fasst er den Entschluss eben jenen, die es am meisten brauchen, zu helfen und beschließt von nun an als neuer Iron Man das Böse zu bekämpfen. Dabei helfen ihm natürlich seine Beziehungen zu ehemaligen Superschurken, um genau diese auszuforschen und ihnen schnell und völlig unerwartet den Gar auszumachen. Dass diesem plötzlichen Sinneswandel natürlich nicht jeder Glauben schenkt, ist nur allzu verständlich und so sieht sich Victor nicht nur von S.H.I.E.L.D und Ben Grimm konfrontiert, sondern muss sehr bald erkennen, dass sein neues Outfit auch andere Kräfte heraufbeschwört.

Autor Brian Michael Bendis, der zu diesem Zeitpunkt schon exklusiv bei DC unter Vertrag steht, beweist an dieser Serie einmal mehr, dass ihm gewisse Figuren einfach liegen. Gemeinsam mit Alex Maleev, der atemberaubende Zeichnungen in den Band zaubert, gelingt es ihm, einer Figur eine völlig neue Richtung zu geben, ohne diese in ihren Grundzügen zu verändern. Maleevs Zeichnungen, welche stellenweise den Text in den Schatten stellen, komplementieren Bendis’ Skript hervorragend und fügen dem Charakter eine vertraute Kälte hinzu. Insgesamt entsteht somit eine Geschichte, die trotz des etwas weit hergeholten Konzepts für Überraschungen und vor allem für glaubhafte Spannung sorgt.

Der von Panini im edlen Softcover mit Klappen veröffentlichte Band ist nicht nur für eingefleischte Iron Man Jünger ein absoluter Leckerbissen. Vor allem Leser, die bisher kaum etwas mit der Figur anfangen konnten, sollten hier definitiv einen Blick riskieren. Und wer weiß, vielleicht überkommt euch ja auch das Fieber!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Doctor Doom: Iron Man Rollentausch
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: US Infamous Iron Man #01-06
Autor: Brian Michael Bendis
Zeichner: Alex Maleev
ISBN: 978-3-7416-0385-3

Justice League of America 1: Rebirth Special

© Justice League of America: Rebirth


(Mögliche Spoilerwarnung: Wir verweisen hierbei auch auf die Rezensionen von Justice League vs. Suicide Squad und dem DC Rebirth – Special!)

„Es wurde Zeit, ins Licht zu treten.“

Rechtzeitig zum Start des neuen Justice League Films bringt auch Panini Comics eine neue Serie der Liga auf den Markt. Wie im Event Justice League vs. Suicide Squad bereits angedeutet, stellt kein Geringerer als Batman die neue Truppe, welche unter dem Banner Justice League of America läuft, auf die Füße. Dass sich die Mitglieder hier deutlich von denen der „normalen“ Justice League unterscheiden, hat schon berechtigte Gründe und so nutzt Steve Orlando die Gunst der Stunde, um alte Konzepte zu modernisieren und somit ein menschlicheres Team zu schaffen. In fünf voneinander unabhängigen Heften, welche jeweils die Origin eines Charakters beziehungsweise des Teams erzählen, bringt uns Orlando, unter Mithilfe diverser Künstler wie Ivan Reis und Stephen Byrne, eine Reihe von neuen Figuren näher und zeigt in gewohnt gekonnter Manier, wie man diesen in nur wenigen Seiten Leben einhaucht.

Neben der Wissenschaftlerin Caitlin Snow, die besser unter dem Namen Killer Frost bekannt ist, dem Sprüche klopfenden Kopfgeldjäger Lobo und der bezaubernden Black Canary setzen Autor und Zeichner auf frisches Blut in Form von jungen, dynamischen Helden. Mit Ray, Ryan und Vixen präsentiert Orlando drei Figuren, die sich in ihrer Biographie deutlich voneinander unterscheiden, dennoch ähnliche Schwierigkeiten haben, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Im Kontext eines bewährten Erzählschemas erfährt der Leser häppchenweise mehr über die einzelnen Mitglieder, bis schlussendliche ein holzschnittartiges Mosaik sichtbar wird, welchem der letzte Feinschliff (noch) verwehrt bleibt. Orlandos Bemühen seinen Figuren Tiefe zu geben und sie somit aus der reinen Klischeehaftigkeit ausbrechen zu lassen, gelingt zwar nicht immer, dennoch spürt man, gerade bei den jüngeren Helden, seinen Mut Neues zu versuchen und die Liga somit moderner und frischer wirken zu lassen. So bunt diese neue Mischung, die unter Batmans Regie wohl bald auf Verbrecherjagd gehen wird, nun auch scheinen mag, so glaubhaft und notwendig wirkt deren Zusammenspiel. Eine schier merkwürdige und einmalige Komposition, die ihre Krönung auf der letzten Seite erfährt, als niemand geringer als Ivan Reis das Team in seiner Gesamtheit aufs Papier zaubert und somit den Startschuss für das erste Abenteuer gibt.

Obwohl der Band noch keinerlei Richtung vorgibt, in die sich die Serie entwickeln könnte, machen die Geschichten in ihrer Isolation durchaus Lust auf mehr. Wie schnell sich gewisse Figuren abnützen und wie viel Entwicklungspotenzial vor allem in Ray, Ryan und Vixen steckt, werden die kommenden Bände zeigen, an denen sich die Serie schlussendlich messen lassen wird müssen. Dass auch in diesem Band Verweise zum DC Rebirth Special enthalten sind, deutet nicht nur auf eine akribische Planung des Verlags hin, sondern kann durchaus auch als Symbol für die Relevanz der Serie zu lesen sein. Und wer den Mitternachtsdetektiv auch nur ein bisschen kennt, der weiß natürlich, dass Batman mit Sicherheit Gründe hat, die eine Justice League of America rechtfertigen.

Lobenswert ist abschließend auch die Veröffentlichungspolitik von Panini Comics, die die in den USA als separate Einzelheft erschienen Geschichten gleich in einen Sammelband packen und somit für einen runden Lesegenuss sorgen. Der Band richtet sich nicht nur an Leute, die auf Team-Serien und/oder Lobos schwarzen Humor stehen, sondern ist auch durchaus für Leserinnen zu empfehlen, die auf der Suche nach kurzweiliger Unterhaltung sind.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Titel: Justice League of America: Rebirth Special
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: JLA Rebirth: Ray/Vixen/Atom/Killer Frost; JLA Rebirth
Autor: Steve Orlando
Zeichner: Ivan Reis, Jody Houser, Stephen Byrne uva.
ISBN: 4-191246-012998-01

Justice League vs. Suicide Squad

© DC Comics: Justice League vs. Suicide Squad

„Macht korrumpiert nicht. Furcht korrumpiert, vielleicht die Furcht vor dem Machtverlust.“

Acht Monate nach der Veröffentlichung des DC Rebirth Specials ist es nun also soweit: Panini liefert uns in drei extradicken Heften das erste Crossover-Event der Rebirth-Ära. Dass in Justice League vs. Suicide Squad vor allem die letztere Fraktion im Mittelpunkt steht, überrascht keineswegs. Ist es doch die Truppe rund um Harley Quinn, welche sich seit dem Erscheinen des dazugehörigen Kinofilms als Kassenschlager entpuppt. Neben der Etablierung neuer Charaktere wie Killer Frost, schafft es Autor Joshua Williamson, der auch an der aktuellen Flash Serie überzeugt, zu der für Events typischen Hau-drauf-Action auch nachdenklich stimmende Passagen in die Geschichte einzubetten. Tatkräftige Unterstützung erhält er unter anderem von Jason Fabok und Tony Daniel, welche auf zahlreichen Spread Pages die Muskeln spielen lassen und für einen Augenschmaus der Extraklasse sorgen.

Die zwei Handlungsstränge, welche uns einerseits die Pläne von Maxwell Lord, einem machthungrigen Telepathen, offenbaren und andererseits die Auseinandersetzung der Justice League mit der Suicide Squad schildern, bilden den Kern der Story und steuern in zügigem Tempo auf ein krachendes Finale zu. Nebenbei bleibt genügend Zeit um mehr oder weniger bekannte Schurken einzuführen und den Status quo des DC Universums, wenn auch nur geringfügig, zu verändern. Im Zuge der drei Hefte müssen sich einzelne Helden nicht nur körperlich beweisen, sondern werden auch mental auf ihre Fähigkeiten geprüft. Im Zentrum, obwohl im Hintergrund agierend, steht die manipulative Regierungsagentin und Gründerin der Task Force X, wie das Suicide Squad offiziell genannt wird, Amanda Waller. Während Max Lord seinen Zielen immer näher kommt und dabei Team-Zusammensetzungen gehörig durcheinanderwürfelt, taucht aus dem Nichts ein neuer, weitaus gefährlicherer und beinahe vergessener Gegner auf. Für Helden und Schurken entsteht somit ein Spießrutenlauf, der zunehmend prekärer wird und schließlich in einer dramatischen Schlacht vor dem weißen Haus gipfelt. Das Event endet so mysteriös, wie es beginnt und entzieht sich somit der völligen Auflösung aller offener Fragen. Dass allerdings ein neues Team, welches von Batman angeführt werden wird, ante Portas steht und durch eine extravagante Zusammenstellung für einige Furore sorgen dürfte, ist sicherlich die größte Veränderung, welche Justice League vs. Suicide Squad mit sich bringt.

Joshua Williamson, der mittlerweile exklusiv bei DC Comics unter Vertrag steht, liefert uns nicht nur einen actiongeladenen Blockbuster, sondern versucht die wenigen ruhigen Momente zu nützen, um der ganzen Geschichte ein wenig Tiefe zu verleihen. Dass dies oftmals eine nicht zu bewältigende Übung darstellt, liegt bei einem „versus“-Titel klar auf der Hand. Dennoch wirken Charaktere wie etwa Maxwell Lord oder auch Amanda Waller bei kritischer Betrachtung wie Spiegelbilder unserer heutigen politischen Vertreter. Ohne den Finger direkt in die Wunde zu legen, konstruieren Autor und Zeichner kompromisslose Egoisten, welche ihre Gier nach Macht mit Themen wie Sicherheit und Freiheit kaschieren wollen und dabei über Leichen gehen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nichtsdestotrotz bleibt Justice League vs. Suicide Squad ein typisches Event, welches durchaus zu unterhalten weiß, ohne jedoch den Anspruch auf essentielle Bedeutung zu erheben.

Die in den Heftserien Justice League und Suicide Squad veröffentlichten Tie-Ins bieten zwar einige Zusatzinfos und vertiefen teilweise die Haupthandlung des Events, sind aber alles andere als notwendig, um der Geschichte folgen zu können. Wer also Lust auf ein typisches Superhelden-Event hat, der kann hier getrost zugreifen. Den kommenden Geschichten wird man allerdings auch ohne diese Lektüre problemlos folgen können.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Justice League vs. Suicide Squad
Verlag: Panini Comics
Format: Heft-Format
Originalausgaben: US Justice League vs. Suicide Squad #01-06
Autor: Joshua Williamson
Zeichner: Jason Fabok, Tony S. Daniel uva.
ISBN: 4-191141-705995-1/2/3