Batwoman 1: Die vielen Arme des Todes

© Batwoman

„Wo willst du hin, Kate Kane?“

Die Entstehungsgeschichte einer Comicfigur kann üblicherweise auf zwei verschiedene Arten erzählt und interpretiert werden. Zum einen wäre da der Erstauftritt eines Charakters, der zumeist Sammlerherzen höher schlagen lässt. Die sogenannten Key-Issues, also Hefte in denen eine neue Figur eingeführt wird, sind nach wie vor heiß begehrt und gewinnen zumeist rasch an Wert. Jedoch ist es oftmals die andere Seite einer Origin-Story, welche für „Aha-Erlebnisse“ sorgt und dem Leser zeitgeschichtliche Einblicke in den künstlerischen Schöpfungsprozess gewährt. An dieser Stelle sollte allerdings erwähnt werden, dass hier zumeist die faktionale, sprich reale, Welt im Vordergrund steht. In diese Sparte fällt ohne Zweifel auch die Protagonistin des vorliegenden Bandes, den Kate Kane, alias Batwoman, sollte nicht nur die Bat-Familie erweitern, sondern vordergründig die aufkommende Diskussion um Bruce Waynes homosexuelle Beziehung zu seinem ersten Robin, Dick Grayson, ersticken. Seitdem ist allerdings viel Zeit vergangen, die Autoren wie Geoff Johns und Grant Morrison nutzten, um der Figur neuen Glanz zu verschaffen. Unter dem aktuellen Rebirth-Banner übernimmt nun Marguerite Bennet das Ruder und zeigt, unter kräftiger Mithilfe von Top-Zeichner Steve Epting, dass diese Figur so viel mehr ist als eine bloße Bestätigung von Batmans normativer Sexualität.

Kate Kanes Leben war von Beginn an durch traumatische Ereignisse und emotionale Rückschläge bestimmt, die sie bis ins Erwachsenenalter begleiten sollten. Ihr Rausschmiss aus der Militärakademie aufgrund ihrer Homosexualität ebnete schlussendlich den Weg in den Alkoholismus und in die soziale Isolation. Als ihr allerdings eines Abends niemand geringerer als Batman bei einem Überfall zu Hilfe eilt, beschließt die junge Frau ihr Leben grundlegend zu ändern und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Die daraus entstehende Kämpferin kontrastiert Batman nicht nur in ihrer Art zu handeln, sondern auch in ihrer Einstellung anderen Menschen gegenüber. Dennoch lässt auch sie, wie ihr damaliger Helfer, Einzelheiten ihrer Vergangenheit lieber hinter sich. Als allerdings eine hochgefährliche Verbrechergruppe die Welt in ihrer Gesamtheit bedroht, bleibt der Heldin nichts anderes übrig, als sich ihren eigenen Dämonen zu stellen.

Was Marguerite Bennet gemeinsam mit James Tynion IV aufs Papier zaubert, ist in erster Linie eine Geschichte, die auf altbekannten Erzählmustern basiert und nicht viel Neues bietet. Die Stärken dieses Bandes findet man ausschließlich auf der Figuren-Ebene; doch hier zeigt Bennet ihr ganzes Talent. Die Verletzbarkeit von Kate wird als wiederkehrendes Motiv schrittweise durch maskulin-konnotierte Eigenschaften wie Stärke und Mut ersetzt. Dieser Transformationsprozess durchzieht den gesamten Band und läuft, realistischerweise, nicht kontinuierlich ab. Die stetigen Hindernisse, welche die junge Frau immer wieder überwinden muss, gleichen einem stringenten Selbstfindungsprozess an dessen Ende das selbstbestimmte Individuum steht. Bennet verpackt dies alles geschickt und bewusst (wie ich vermute) in eine stereotypische Superheldengeschichte und intensiviert somit den feministischen Unterton, der dieser Serie subtil aber entscheidend innewohnt.

Dass sich Panini Comics dazu entschlossen hat, der rothaarigen Heldin das hochwertige Sonderbandformat mit Klapp-Cover zu spendieren, unterstreicht einmal mehr die hervorragende Verlagspolitik des deutschen Unternehmens. Ob man diesen Band nun aufgrund seiner vorhersehbaren Story kaufen muss, sei einmal dahingestellt. Wichtig ist nur, dass DC nach wie vor den Mut hat, Figuren wie Batwoman als starke Persönlichkeiten auftreten zu lassen, die ihren männlichen Kollegen um nichts nachstehen.

BEWERTUNG: 31/2 von 5 Sternen

Titel: Batwoman: Die vielen Arme des Todes
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: US Batwoman #01-06; Batwoman Rebirth
Autor: Marguerite Bennet, James Tynion IV
Zeichner: Steve Epting, Stephanie Hans, Renato Arlem

Hawkman: Der Tod von Hawkman

© DC Comics

„Bis im nächsten Leben.“

Es ist schon eine ganze Weile her, seitdem der geneigte Comic-Leser einen Hawkman Band aus dem Hause Panini in den Händen halten durfte. Für eine regelmäßigere Veröffentlichungsweise und vor allem für Formate abseits des Megabandes reicht der Bekanntheitsgrad dieser Figur normalerweise leider einfach nicht aus. Umso euphorischer zeigte sich die Lesergemeinschaft, als Panini ankündigte, die Mini-Serie, Der Tod von Hawkman, welche von Marc Andreyko, Aaron Lopresti und Rodney Buchemi gestaltet wurde, in einem abgeschlossenen Band zu veröffentlichen. Erfahrene Leser wissen, dass es die Ohren zu spitzen gilt, wenn der Stuttgarter Verlag zu solch Aktionen bereit ist. Denn üblicherweise stehen die Ereignisse so einer Geschichte im direkten Zusammenhang zu einer anderen, weit größeren Storyline oder gar einem Event. Dieser Band bildet hier keine Ausnahme und kann durchaus als eine Art Vorgeplänkel zum bald anstehenden Batman-Event Metal gesehen werden.

Obwohl der recht plakative Titel schon einiges vorwegnimmt, darf man sich nach dem ersten Kapitel dieses sechs-teiligen Abenteuers bereits auf eine bekannte Ausgangssituation einstellen, die sicherlich einigen Altlesern bekannt ist; Neueinsteiger aber keineswegs überfordert. Im Mittelpunkt steht die ewig alte Fehde zwischen Rann, der zweiten Heimat von Adam Strange, und Thanagar, dem Herkunftsort von Katar Hol alias Hawkman. Diese Auseinandersetzung, die es vor Jahren schon einmal gab, ist offenbar noch nicht ausgestanden und es scheint so, als ob sich die Fronten nach einem Anschlag auf Rann noch einmal verhärten würden. Dass hinter dieser Attacke ein weiterer alter Bekannter steckt, der seine Kräfte für ein böses Spiel einsetzt, wird zwar dem Leser, nicht aber den beteiligten Figuren, schnell klar. Und so bahnt sich eine mittlere Katastrophe an, die in einem großen Krieg enden könnte.

Der Versuch des Kreativ-Teams eine Space-Opera mit den Kernelementen einer Buddy-Story zu verknüpfen, funktioniert in diesem Band leider nur stellenweise. Die oftmals plumpen Dialoge wechseln zwischen einer rauen, unangemessenen Härte und blassem Witz, was zeitweise für Irritationen sorgt. Die Stärken des Bandes liegen daher (leider) nicht in der Geschichte selbst, sondern entfalten sich erst, wenn man das Ganze als das erkennt, was er nun einmal ist: Die Einführung in ein neues Event. Zwar könnte man argumentieren, dass die Story, bis auf ihr Ende, nicht viel über das kommende Batman-Spektakel preisgibt, allerdings findet man durchgehend einzelne Brotkrümel, die einfach Lust auf mehr machen. Allen voran die Erkenntnisse zum außerirdischen Nth-Metall welches, so viel schon einmal vorweg, in den kommenden Monaten eine entscheidende Rolle spielen wird, rechtfertigen die Lektüre dieses Bandes. Überdies hinaus ist das hier zwar nicht der große Wurf, viel falsch machen kann man mit dem Band allerdings auch nicht, da man (endlich) wieder tolle Figuren wie Hawkman oder Adam Strange zu Gesicht bekommt.

Die Entscheidung von Panini den Band doch zu bringen und ihn als Vorgeschichte zu Batman: Metal einzustufen, ist sicherlich, vor allem für Komplettisten, zu begrüßen. Die Tatsache, dass man in einem abgeschlossenen Band sehr viel über die Figuren, als auch über Elemente erfährt, die in naher Zukunft tonangebend sein werden, retten auch über den nicht ganz geglückten Plot hinweg und machen Der Tod von Hawkman zu einem Band, den man schon mitnehmen sollte, wenn man sich das kommende Batman-Event geben will. Und ganz ehrlich, wer will das nicht.

BEWERTUNG: 3 1/2 von 5 Sternen

Titel: Der Tod von Hawkman
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: US The Death of Hawkman #01-06
Autor: Marc Andreyko
Zeichner: Aaron Lopresti & Rodney Buchemi
ISBN: 978-3-7416-0701-1

Batman/Flash: The Button

© DC

Niemand wird uns retten!“

Als DC Comics unter der Leitung von Geoff Johns beschloss, einmal mehr ihr gesamtes Universum umzukrempeln und mit dem DC Rebirth Special die dafür erforderliche Basis schuf, dauerte es nicht lange, bis die ersten kritischen Stimmen laut wurden. Zu groß war wohl die Verwunderung vieler eingesessener Leser, dass das amerikanische Verlagshaus tatsächlich bereit war, Alan Moore’s Meisterwerk, Watchmen, in den Superhelden-Kosmos einzubinden. Der spürbaren Enttäuschung folgte Unverständnis und vor allem eine kollektive Ratlosigkeit. Denn obwohl sich das Rebirth Special verkaufte wie warme Semmeln und binnen Tagen komplett vergriffen war, wollte einfach niemand so richtig verstehen, was DC zu so einem drastischen Schritt getrieben hatte. Als jedoch die Fangemeinde anschließend Monat für Monat mit fantastischen Serien versorgt wurde, war der Ärger bald verflogen und der Aufstand samt Mistgabeln und Fackeln wurde erst einmal auf später verschoben. Nun, fast 12 Monate später, soll der Gordische Knoten nun endgültig gelöst werden und Antworten auf die Fragen geliefert werden, welche Geoff Johns so zahlreich aufgeworfen hat. Den Beginn macht ein spektakuläres Batman/Flash Crossover, welches sich dem Mysterium rund um den in der Bat-Höhle entdeckten Watchmen Smiley widmet. Wie gewohnt sehr leserfreundlich packt Panini Comics die vier US – Ausgaben in zwei Hefte und zaubert so auch dem geneigten Gelegenheits-Leser ein Lächeln ins Gesicht.

Alles beginnt mit einem nachdenklichen Bruce Wayne, der mit vertraut finsterer Miene versucht, die Bedeutung des seltsamen Smileys zu entschlüsseln. Als es zu einer eigenartigen Reaktion mit der Maske des Psycho Piraten kommt und Bruce auf einmal seinen Vater vor sich sieht, kontaktiert er Barry Allen und bittet diesen um Unterstützung. Wie aus dem Nichts taucht allerdings ein unerwarteter Gegenspieler, der Reverse Flash, auf und verwickelt Batman in einen epischen Kampf. Noch bevor Barry eintrifft findet der Schurke allerdings im „Button“ seinen Meister und wird von dem kleinen gelben Anstecker auf erschreckende Weise aus dem Leben gerissen. Die weiteren Kapitel führen den Leser danach in vertrauter Flash-Manier durch Paralleluniversen und verweisen auf bereits zurückliegende Events, wie etwa dem Flashpoint. Als am Ende der totgeglaubte Eobard Thawne erneut in Erscheinung tritt und ein (sehr) alter Bekannter die Bühne betritt, vermag man als Leser schon zu ahnen, in welche Richtung die Reise geht. Der Epilog hat es dann noch einmal gehörig in sich und fügt dem Puzzle einen weiteren Stein hinzu, ohne jedoch das komplette Bild freizulegen.

Tom King und Joshua Williamson schlagen in dieser Story nun erstmals wieder eine komplette Brücke zur Einleitung des DC Rebirths. Geoff Johns’ Grundidee von der Implementation der Watchmen wird hier zwar fortgeführt, allerdings werden bisherige Andeutungen nur verstärkt, anstatt (an-) greifbare Fakten zu liefern. Beide Autoren verstehen es, das Skript harmonisch abzustimmen und somit entsteht eine dynamische Geschichte, in der jeder Figur entsprechend Raum geboten wird. Zeichnerisch sind alle vier Ausgaben jedem Zweifel erhaben, denn sowohl Jason Fabok als auch Howard Porter erläutern hier eindrucksvoll, warum sie zur absoluten Elite gehören. Hier ist von der Thematik, welche im Artwork etabliert wird, sicherlich die erste Ausgabe hervor zu streichen. Durch den Einsatz eines „9-Grid-Panel“ Layouts, welches man immer wieder in Kings Geschichten findet, wird die Zeit, als Konzept, eindrucksvoll greifbar gemacht. Die reguläre Abfolge von gleich großen Panels erzeugt einen pulsierenden Rhythmus beim Lesen, der zielgerichtet auf ein unausweichliches Ende zusteuert. Die kontrastiven Schauplätze, die auch in der Kolorierung sichtbar werden, und der Gegensatz von Gewalt und Ruhe etablieren eine kompakte und spannungsgeladene Geschichte, welche vor allem durch die Optik transportiert wird; ein Paradebeispiel für die komplexe Funktionsweise der neunten Kunst.

The Button ist vielleicht nicht die Enthüllungsgeschichte, die sich so mancher nach der langen Warterei gewünscht hätte, es handelt sich allerdings auch nicht um einen blassen Lückenfüller. Die vier vorliegenden Ausgaben liefern neben einer großartigen Batman/Flash Geschichte und einer zeichnerischen Meisterleistung einen weiteren, behutsam gesetzten Schritt in Richtung einer schier unausweichlichen Begegnung. Dass die Watchmen, oder zumindest einige von ihnen, früher oder später auftauchen werden, scheint so gut wie sicher. Den steinigen Weg, den Geoff Johns hier eingeschlagen hat, meistert er allerdings besser als ursprünglich vermutet. So dürfen sich Leser und Fans weiterhin freuen und Theorien spinnen; spätestens mit Doomsday Clock sollte dann aber die Katze aus dem Sack gelassen werden.

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Batman/Flash: The Button
Verlag: Panini Comics
Format: Einzelheft
Originalausgaben: US Batman #21-22, US The Flash #21-22;
Autor: Tom King & Joshua Williamson
Zeichner: Jason Fabok & Howard Porter

Doctor Doom: Iron Man – Rollentausch

© Infamous Iron Man


Zeig mir dein Gesicht, Victor.“

Glaubt man den Worten von Marc Silvestri, so hat Robert Downey Junior mit seiner Rolle als Iron Man nicht nur der damals eher unbedeutenden Figur wieder neues Leben eingehaucht, sondern mit einem Schlag das gesamte Überleben der Superhelden gesichert. Zugegeben, mit dieser Aussage lehnt sich der Mitbegründer von Image Comics gewagt weit aus dem Fenster, dennoch steckt in ihr, zumindest in Bezug auf Iron Man, doch ein wahrer Kern. Ohne jetzt im Detail auf das Marvel Cinematic Universe (MCU) eingehen zu wollen, lässt sich der massive Einfluss von Robert Downey Junior auf die Figur Tony Stark kaum leugnen. Marvel pokerte hoch und schmiss der breiten Masse einen Helden im rot-gold lackierten Metalanzug vor die Füße, der im Vergleich zu anderen Marken wie Spider-Man oder den X-Men eher die zweite Geige spielte. Dass sie mit dieser Entscheidung in den kommenden Jahren mehrmals den gesamten Pot (um bei der Poker-Metapher zu bleiben) abstauben würden und dieser Film erst der Grundstein eines milliardenschweren Franchises werden würde, stand damals, genau gesagt 2008, noch in den Sternen.

Doch nicht nur den Filmen drückte Downey Junior seinen ganz persönlichen Stempel auf. Auch in den Comics fand die Interpretation des in New York geborenen Schauspielers immer mehr Platz und Iron Man wurde spätestens unter der Feder von Matt Fraction wieder zu einem der Aushängeschilder des Marvel Universums. Mittlerweile schafft es die Figur sogar mehrere (Heft-) Serien zu füllen und scheint auch im deutschsprachigen Raum eine breite Leserschafft bei Laune zu halten. Kürzlich jedoch mussten die Fans des Kosmopoliten starke Nerven zeigen, denn die Geschehnisse rund um den Civil War II hatten gehörige Einflüsse auf die Figur und so musste jemand anderes für Tony Stark in die Presche springen. In diesem Zuge bringt Panini Comics nun eine neue Iron Man Serie auf den Markt, welche, so viel sei gesagt, es echt in sich hat. Niemand geringerer als Victor von Doom beschließt von nun an die Rüstung zu tragen und als neuer, „infamous“ Iron Man die Menschheit zu beschützen.

So irre es auch klingen mag, so gut funktioniert die Figur des ehemals als Dr. Doom bekannten Schurken in seiner neuen Rolle. Geläutert von den Ereignissen rund um das Blockbuster-Event Secret Wars, erkennt Victor von Doom, dass es ihm keinen innerlichen Frieden bringt, die Menschen zu unterjochen und über sie zu herrschen. Nach reiflicher Überlegung fasst er den Entschluss eben jenen, die es am meisten brauchen, zu helfen und beschließt von nun an als neuer Iron Man das Böse zu bekämpfen. Dabei helfen ihm natürlich seine Beziehungen zu ehemaligen Superschurken, um genau diese auszuforschen und ihnen schnell und völlig unerwartet den Gar auszumachen. Dass diesem plötzlichen Sinneswandel natürlich nicht jeder Glauben schenkt, ist nur allzu verständlich und so sieht sich Victor nicht nur von S.H.I.E.L.D und Ben Grimm konfrontiert, sondern muss sehr bald erkennen, dass sein neues Outfit auch andere Kräfte heraufbeschwört.

Autor Brian Michael Bendis, der zu diesem Zeitpunkt schon exklusiv bei DC unter Vertrag steht, beweist an dieser Serie einmal mehr, dass ihm gewisse Figuren einfach liegen. Gemeinsam mit Alex Maleev, der atemberaubende Zeichnungen in den Band zaubert, gelingt es ihm, einer Figur eine völlig neue Richtung zu geben, ohne diese in ihren Grundzügen zu verändern. Maleevs Zeichnungen, welche stellenweise den Text in den Schatten stellen, komplementieren Bendis’ Skript hervorragend und fügen dem Charakter eine vertraute Kälte hinzu. Insgesamt entsteht somit eine Geschichte, die trotz des etwas weit hergeholten Konzepts für Überraschungen und vor allem für glaubhafte Spannung sorgt.

Der von Panini im edlen Softcover mit Klappen veröffentlichte Band ist nicht nur für eingefleischte Iron Man Jünger ein absoluter Leckerbissen. Vor allem Leser, die bisher kaum etwas mit der Figur anfangen konnten, sollten hier definitiv einen Blick riskieren. Und wer weiß, vielleicht überkommt euch ja auch das Fieber!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Doctor Doom: Iron Man Rollentausch
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: US Infamous Iron Man #01-06
Autor: Brian Michael Bendis
Zeichner: Alex Maleev
ISBN: 978-3-7416-0385-3

Justice League of America 1: Rebirth Special

© Justice League of America: Rebirth


(Mögliche Spoilerwarnung: Wir verweisen hierbei auch auf die Rezensionen von Justice League vs. Suicide Squad und dem DC Rebirth – Special!)

„Es wurde Zeit, ins Licht zu treten.“

Rechtzeitig zum Start des neuen Justice League Films bringt auch Panini Comics eine neue Serie der Liga auf den Markt. Wie im Event Justice League vs. Suicide Squad bereits angedeutet, stellt kein Geringerer als Batman die neue Truppe, welche unter dem Banner Justice League of America läuft, auf die Füße. Dass sich die Mitglieder hier deutlich von denen der „normalen“ Justice League unterscheiden, hat schon berechtigte Gründe und so nutzt Steve Orlando die Gunst der Stunde, um alte Konzepte zu modernisieren und somit ein menschlicheres Team zu schaffen. In fünf voneinander unabhängigen Heften, welche jeweils die Origin eines Charakters beziehungsweise des Teams erzählen, bringt uns Orlando, unter Mithilfe diverser Künstler wie Ivan Reis und Stephen Byrne, eine Reihe von neuen Figuren näher und zeigt in gewohnt gekonnter Manier, wie man diesen in nur wenigen Seiten Leben einhaucht.

Neben der Wissenschaftlerin Caitlin Snow, die besser unter dem Namen Killer Frost bekannt ist, dem Sprüche klopfenden Kopfgeldjäger Lobo und der bezaubernden Black Canary setzen Autor und Zeichner auf frisches Blut in Form von jungen, dynamischen Helden. Mit Ray, Ryan und Vixen präsentiert Orlando drei Figuren, die sich in ihrer Biographie deutlich voneinander unterscheiden, dennoch ähnliche Schwierigkeiten haben, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Im Kontext eines bewährten Erzählschemas erfährt der Leser häppchenweise mehr über die einzelnen Mitglieder, bis schlussendliche ein holzschnittartiges Mosaik sichtbar wird, welchem der letzte Feinschliff (noch) verwehrt bleibt. Orlandos Bemühen seinen Figuren Tiefe zu geben und sie somit aus der reinen Klischeehaftigkeit ausbrechen zu lassen, gelingt zwar nicht immer, dennoch spürt man, gerade bei den jüngeren Helden, seinen Mut Neues zu versuchen und die Liga somit moderner und frischer wirken zu lassen. So bunt diese neue Mischung, die unter Batmans Regie wohl bald auf Verbrecherjagd gehen wird, nun auch scheinen mag, so glaubhaft und notwendig wirkt deren Zusammenspiel. Eine schier merkwürdige und einmalige Komposition, die ihre Krönung auf der letzten Seite erfährt, als niemand geringer als Ivan Reis das Team in seiner Gesamtheit aufs Papier zaubert und somit den Startschuss für das erste Abenteuer gibt.

Obwohl der Band noch keinerlei Richtung vorgibt, in die sich die Serie entwickeln könnte, machen die Geschichten in ihrer Isolation durchaus Lust auf mehr. Wie schnell sich gewisse Figuren abnützen und wie viel Entwicklungspotenzial vor allem in Ray, Ryan und Vixen steckt, werden die kommenden Bände zeigen, an denen sich die Serie schlussendlich messen lassen wird müssen. Dass auch in diesem Band Verweise zum DC Rebirth Special enthalten sind, deutet nicht nur auf eine akribische Planung des Verlags hin, sondern kann durchaus auch als Symbol für die Relevanz der Serie zu lesen sein. Und wer den Mitternachtsdetektiv auch nur ein bisschen kennt, der weiß natürlich, dass Batman mit Sicherheit Gründe hat, die eine Justice League of America rechtfertigen.

Lobenswert ist abschließend auch die Veröffentlichungspolitik von Panini Comics, die die in den USA als separate Einzelheft erschienen Geschichten gleich in einen Sammelband packen und somit für einen runden Lesegenuss sorgen. Der Band richtet sich nicht nur an Leute, die auf Team-Serien und/oder Lobos schwarzen Humor stehen, sondern ist auch durchaus für Leserinnen zu empfehlen, die auf der Suche nach kurzweiliger Unterhaltung sind.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Titel: Justice League of America: Rebirth Special
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Originalausgaben: JLA Rebirth: Ray/Vixen/Atom/Killer Frost; JLA Rebirth
Autor: Steve Orlando
Zeichner: Ivan Reis, Jody Houser, Stephen Byrne uva.
ISBN: 4-191246-012998-01

Justice League vs. Suicide Squad

© DC Comics: Justice League vs. Suicide Squad

„Macht korrumpiert nicht. Furcht korrumpiert, vielleicht die Furcht vor dem Machtverlust.“

Acht Monate nach der Veröffentlichung des DC Rebirth Specials ist es nun also soweit: Panini liefert uns in drei extradicken Heften das erste Crossover-Event der Rebirth-Ära. Dass in Justice League vs. Suicide Squad vor allem die letztere Fraktion im Mittelpunkt steht, überrascht keineswegs. Ist es doch die Truppe rund um Harley Quinn, welche sich seit dem Erscheinen des dazugehörigen Kinofilms als Kassenschlager entpuppt. Neben der Etablierung neuer Charaktere wie Killer Frost, schafft es Autor Joshua Williamson, der auch an der aktuellen Flash Serie überzeugt, zu der für Events typischen Hau-drauf-Action auch nachdenklich stimmende Passagen in die Geschichte einzubetten. Tatkräftige Unterstützung erhält er unter anderem von Jason Fabok und Tony Daniel, welche auf zahlreichen Spread Pages die Muskeln spielen lassen und für einen Augenschmaus der Extraklasse sorgen.

Die zwei Handlungsstränge, welche uns einerseits die Pläne von Maxwell Lord, einem machthungrigen Telepathen, offenbaren und andererseits die Auseinandersetzung der Justice League mit der Suicide Squad schildern, bilden den Kern der Story und steuern in zügigem Tempo auf ein krachendes Finale zu. Nebenbei bleibt genügend Zeit um mehr oder weniger bekannte Schurken einzuführen und den Status quo des DC Universums, wenn auch nur geringfügig, zu verändern. Im Zuge der drei Hefte müssen sich einzelne Helden nicht nur körperlich beweisen, sondern werden auch mental auf ihre Fähigkeiten geprüft. Im Zentrum, obwohl im Hintergrund agierend, steht die manipulative Regierungsagentin und Gründerin der Task Force X, wie das Suicide Squad offiziell genannt wird, Amanda Waller. Während Max Lord seinen Zielen immer näher kommt und dabei Team-Zusammensetzungen gehörig durcheinanderwürfelt, taucht aus dem Nichts ein neuer, weitaus gefährlicherer und beinahe vergessener Gegner auf. Für Helden und Schurken entsteht somit ein Spießrutenlauf, der zunehmend prekärer wird und schließlich in einer dramatischen Schlacht vor dem weißen Haus gipfelt. Das Event endet so mysteriös, wie es beginnt und entzieht sich somit der völligen Auflösung aller offener Fragen. Dass allerdings ein neues Team, welches von Batman angeführt werden wird, ante Portas steht und durch eine extravagante Zusammenstellung für einige Furore sorgen dürfte, ist sicherlich die größte Veränderung, welche Justice League vs. Suicide Squad mit sich bringt.

Joshua Williamson, der mittlerweile exklusiv bei DC Comics unter Vertrag steht, liefert uns nicht nur einen actiongeladenen Blockbuster, sondern versucht die wenigen ruhigen Momente zu nützen, um der ganzen Geschichte ein wenig Tiefe zu verleihen. Dass dies oftmals eine nicht zu bewältigende Übung darstellt, liegt bei einem „versus“-Titel klar auf der Hand. Dennoch wirken Charaktere wie etwa Maxwell Lord oder auch Amanda Waller bei kritischer Betrachtung wie Spiegelbilder unserer heutigen politischen Vertreter. Ohne den Finger direkt in die Wunde zu legen, konstruieren Autor und Zeichner kompromisslose Egoisten, welche ihre Gier nach Macht mit Themen wie Sicherheit und Freiheit kaschieren wollen und dabei über Leichen gehen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nichtsdestotrotz bleibt Justice League vs. Suicide Squad ein typisches Event, welches durchaus zu unterhalten weiß, ohne jedoch den Anspruch auf essentielle Bedeutung zu erheben.

Die in den Heftserien Justice League und Suicide Squad veröffentlichten Tie-Ins bieten zwar einige Zusatzinfos und vertiefen teilweise die Haupthandlung des Events, sind aber alles andere als notwendig, um der Geschichte folgen zu können. Wer also Lust auf ein typisches Superhelden-Event hat, der kann hier getrost zugreifen. Den kommenden Geschichten wird man allerdings auch ohne diese Lektüre problemlos folgen können.

BEWERTUNG: 3 von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Justice League vs. Suicide Squad
Verlag: Panini Comics
Format: Heft-Format
Originalausgaben: US Justice League vs. Suicide Squad #01-06
Autor: Joshua Williamson
Zeichner: Jason Fabok, Tony S. Daniel uva.
ISBN: 4-191141-705995-1/2/3