Baltimore 1 & 2

© Baltimore


„Ich brauche keinen Glauben.“

Wie in der erst kürzlich erschienenen Besprechung von The Amazing Screw-On Head angedeutet, war dies erst der Auftakt, um in die schier grenzenlose Welt des Mike Mignola einzusteigen. Man muss allerdings nicht lange suchen, um auf diesem Gebiet fündig zu werden. Cross Cult bemüht sich seit Jahren, auch den deutschen Markt mit den genialen Werken dieses einzigartigen Künstlers zu versorgen und präsentiert zahlreiche Geschichten in sogenannten Kompendium-Bänden, die sich wohl am besten als literarischer Ziegelstein beschreiben lassen. Diese liebevoll zusammengestellten Bände ermöglichen es, auch weniger bekannte Titel zu veröffentlichen und dem Leser ein kompaktes Lesevergnügen zu liefern. Die beiden Baltimore-Bände, von denen das erste Volume bereits nach kürzester Zeit komplett vergriffen war und das sich mittlerweile in der zweiten Auflage befindet, bilden hier keine Ausnahme. Die knapp 1100 Seiten(!) versorgen uns hier mit einem andauernden Lesevergnügen, das es gewaltig in sich hat.

Mitten im ersten Weltkrieg, in den Lord Henry Baltimore verwickelt ist, bricht zusätzlich eine fatale Pest-Katastrophe aus, welche den Menschen schwer zusetzt und die Schrecken des Krieges damit noch verstärkt. Als wäre das noch nicht genug, beginnen sich einige der Pesttoten nach ihrem qualvollen Ableben wieder zu erheben und veranschaulichen beinahe symbolisch den wahren Ursprung dieser Krankheit: Vampire. Deren Anführer, ein brutaler Mann namens Haigus, der Baltimore erbittert gegenübersteht bildet an dieser Stelle die Speerspitze des Bösen und repräsentiert auch den absoluten Kontrast zu dem vermeintlichen Helden. Der konstant brutale Grundton der Geschichte, der an keiner Stelle Tiefe vermissen lässt, baut sich auf dieser Feindschaft auf und trägt die zahlreichen Handlungsstränge.

Die Komplexität dieser Geschichte, die sich durch beide Bände kompromisslos durchzieht und somit für ein ausgeglichenes Verhältnis von Spannung und Entspannung sorgt, wird bis zum Schluss ausgebaut und löst sich erst im zweiten Teil des zweiten Bandes in ein gut geplantes und perfekt orchestriertes Ende auf. Die zahlreichen Nebenhandlungen, welche durch die großartige Diversität der Figuren getragen werden, umfassen Geschichten rund um Vampire, Monster und Menschen, die einfach gelesen werden wollen. Die Welt, die Mignola hier aufbaut ist sowohl kreativ-innovativ als auch leicht zugänglich, was dieses Abenteuer noch einmal mehr aufwertet. Im Gegensatz zu anderen Werken von ihm zeichnet Mignola hier nicht und überlässt den Pinsel Ben Steinbeck und Peter Bergting, die dem Werk durch ihre individuelle Klasse noch einmal eine persönliche Note hinzufügen.

Will man hier die Nadel im Heuhaufen suchen, so muss man sicherlich den doch recht hohen Anschaffungspreis von 50 Euro pro Band nennen. Sicherlich ist dies die wohl größte Hemmschwelle Baltimore in die eigene Lesebiographie aufzunehmen und in diese düster anmutende Welt einzutauchen. Wer allerdings die Muße findet an dieser Stelle seinen Geldbeutel zu lockern oder die ein oder andere Wunschliste geschickt präpariert, der darf Großes erwarten.

BEWERTUNG: 4 1/2 von 5 Sternen

Titel: Baltimore 1 & 2
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Baltimore Volume 1: The Plague of Ships, Vol.2: The Curse Bells, Vol 3.: A Passing Stranger and Other Stories, Vol. 4: Chapel of Bones, Vol. 5: The Apostle and the Witch of Harju, Vol. 6: The Cult of the Red King, Vol. 7: Empty Graves, Vol. 8: The Red Kingdom
Autor: Mike Mignola & Ben Steinbeck
Zeichner: Peter Bergting & Christopher Golden