The Walking Dead Band 29

© The Walking Dead Bd. 29

Ich bin die Prinzessin von Pittsburgh!“

Dass ein begeisterter Comic-Fan aus Kentucky in naher Zukunft die Szene so richtig umkrempeln würde, mit dem hätten wohl auch die schärfsten Beobachter nicht gerechnet. Als allerdings dass dritte Heft der Serie The Walking Dead einen Anstieg der Verkaufszahlen einläutete, war schlagartig klar, dass genau jetzt ein neuer Abschnitt in der Geschichte von Image Comics beginnen würde. Doch der Reihe nach: Robert Kirkman begann seine Karriere bei Image Comics mit der Mini-Serie SuperPatriot. Kurz darauf folgte sein erster von Erfolg gekrönter Superhelden-Titel, Invincible, der ihn in neue Sphären vorstießen ließ. Trotz des schnellen Erfolgs wäre The Walking Dead beinahe niemals publiziert worden, denn die damalige Image-Führung hatte erhebliche Zweifel bezüglich der Verkaufschancen eines Zombie-Titels. Beinahe 15 Jahre und 177 Ausgaben später sollten sich diese Zweifel nun endgültig zerstreut haben. Der Erfolg, den diese Reihe feierte und deren Einfluss auf sowohl Politiken unterschiedlicher Verlage als auch auf die tatsächlichen Kreativen, stellt nach wie vor einen Meilenstein in der langen Geschichte der Comics dar. Im deutschsprachigen Raum befindet sich die Geschichte rund um den Polizisten Rick Grimes bereits bei der 29. Hardcover-Ausgabe und besticht nach wie vor durch die selben Qualitäten, welche die Serie so groß gemacht haben. Die Adaption des Formats, welche von Cross Cult seit Beginn vorgenommen wird, erweist sich nach wie vor als Erfolg, der sich nicht nur im Regal sehen lässt.

Nach den Geschehnissen im vorherigen Band versuchen die Beteiligten nun auf ihre eigene Art den Verlust und die damit verbundene Trauer zu kompensieren. Rick, der nach wie vor der soziale Kleber eines fragilen gesellschaftlichen Gefüges ist, sieht sich gezwungen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, welche die Gemeinschaft einmal mehr auf eine Belastungsprobe stellen. Zudem scheint es, dass sich ein neuer potentieller Verbündeter auftut, welcher der Gruppe in dieser schwierigen Phase helfen könnte. Ein eigens zusammengestelltes Team soll herausfinden, ob man diesen Leuten trauen kann und ob diese friedlich gesinnt sind. Während also die einen mit Aufbauarbeiten und der seelischen Aufarbeitung beschäftigt sind, beginnt für die anderen schon das nächste Abenteuer. Das Auftauchen einer neuen Figur, die nicht nur aufgrund ihres schrillen Aussehens Neugierde weckt, ist auf dieser Reise nur eines, der vielen Erlebnisse. Maggie Greene, die designierte Anführerin der Anhöhe, gibt unterdessen den Befehl, den von Rick begnadigten Negan zu beschatten. Den brutale Mörder ihres Mannes einfach so ziehen lassen, kommt für sie nicht in Frage. Als sie ihm jedoch am Ende gegenübersteht, lernt auch Maggie eine völlig neue Seite an ihm kennen. Ob sie dies allerdings davon abhält, ihren persönlichen Rachefeldzug zu überdenken, darf zumindest angezweifelt werden.

Es ist sicherlich müßig nach Band 29 über die Vorzüge dieser Serie zu sprechen. Die Tatsache, dass es Kirkman und Adlard nach wie vor schaffen sowohl den eigentlichen Plot als auch die Figurenkonstellation innerhalb der Geschichte in einer perfekten Balance zu halten, sollte Beweis genug für die Stärke dieser Serie sein. Obwohl die bereits fortgeschrittene Nummerierung einige Leser abschrecken könnte, sei gesagt, dass ein Quereinstieg bei The Walking Dead durchaus möglich und absolut empfehlenswert ist. Das standesgemäße Vorwort, welches Cross Cult den Bänden stets hinzufügt, klärt die vergangen Ereignisse präzise auf, ohne jedoch die Spannung der Lektüre zu mindern. Zusätzlich beginnt dieser Band neuerlich einen Spannungsbogen aufzubauen und eignet sich somit fabelhaft für ein etwaiges Hineinschnuppern.

Ob der doch brutal anmutenden Handlung und der oftmals verstörenden Thematik ist The Walking Dead sicher keine Serie, die jeden abholt. Dass man mit dieser Reihe allerdings einen hochqualitativen Meilenstein innerhalb der Comic-Branche in den Händen hält, gilt als ebenso gesichert. Wer also schon länger auf einen kleinen Anstoß wartet, neue Gewässer zu erkunden, dem sei gesagt: Zugreifen!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: The Walking Dead
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US The Walking Dead #169-173
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Charlie Adlard & Stefano Gaudiano, Cliff Rathburn
ISBN: 978-3-95981-233-7

Oblivion Song Band 1

© Oblivion Song

Du hast den Kapuzenmann gesehen?“

Obwohl es viele Gründe gibt, warum Comic-Leser immer öfters zur US-Version greifen, dürfte in dieser Frage wohl die Aktualität des Originals einer der wichtigsten Punkte sein. Übersetzungsarbeiten und etwaige Anpassungen an den deutschen Markt beanspruchen Zeit und so entsteht schnell einmal eine halbjährige „Verspätung“ der jeweiligen Titel. Dieses Mal allerdings beschlossen Image Comics und der Cross Cult Verlag die Sache einmal umzudrehen und veröffentlichen den ersten Band der neuen Serie von Robert Kirkman, Oblivion Song, weit bevor in den USA das zweite Heft erscheint. Andersrum formuliert bedeutete das, dass Deutsch-Leser dieses Mal einen Wissensvorsprung haben und aufpassen sollten, den werten US-Lesern nicht den Inhalt zu spoilern. Mit großer Macht kommt bekanntlich auch große Verantwortung.

Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Nach dem Einfall diverser Kreaturen im Großteil Philadelphias, welcher gemeinhin als Transferenz bekannt ist, teilte sich die Menschheit in Überlebende und Verschollene auf. Die einen, die nach der Verarbeitung des Geschehenen ihr Leben in erschreckend gewohnter Manier fortsetzen und die anderen, die in den Weiten Oblivions gefallen zu sein scheinen. Nathan Cole, ein Mann, der scheinbar fest an seinen Prinzipien festhält, will dies allerdings nicht wahrhaben und führt eine zunächst von der Regierung finanzierte Rettungstruppe auf gefährlichen Missionen durch eine durch und durch verwüstete Welt voll von Ungeheuern und anderen Gefahren. Im Laufe der Zeit muss der vermeintliche Held allerdings feststellen, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie scheinen. Als er eines Tages eine Gruppe Überlebender trifft, wird er mit einer unbequemen Wahrheit konfrontiert: Nicht jeder möchte in die alte Welt zurückkehren.

Nach The Walking Dead und Outcast, welche sich eher im Horror-Bereich einfinden, macht sich Robert Kirkman mit Oblivion Song zu neuen Ufern auf und liefert ein spannendes Drama, welches Lust auf mehr macht. Wie üblich hat der preisgekrönte Autor seine Figuren stets im Griff und schafft es jedem Charakter seine ganz persönliche Note zu verleihen. Lorenzo De Felici steuert für diese Serie die Zeichnungen bei und legt einen lockeren, oftmals cartoonig-wirkenden, Stil an den Tag. Trotz eines doch recht konventionell gehaltenen Layouts und teils eher verzerrt-komischen Abbildungen sind es die Charaktermomente der einzelnen Figuren, welche De Felici’s Können untermalen. Die ausdrucksvolle Mimik, welche diverse Stimmungslagen Einzelner grandios vermenschlicht, ist sicherlich eine der größten Stärken dieser Serie. Ebenfalls positiv hervorzuheben sind die pfiffigen Farben, die von Annalisa Leoni stimmungsvoll eingesetzt werden und dem Ganzen den letzten Feinschliff verleihen.

Oblivion Song ist wieder einmal so eine Serie, die von Anfang bis Ende einfach pure Freude beim Lesen bereitet und mit ihrer schnellen Erzählstruktur sicherlich bei vielen punkten wird. Dass die Serie im deutschsprachigen Raum schon so weit vorangeschritten ist, stellt zudem eine Besonderheit dar, die man nicht alle Tage sieht. In Wahrheit lassen sich schwer Gründe finden, diese Serie nicht zu kaufen!

BEWERTUNG: 4 von 5 Sternen

Titel: Oblivion Song
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Oblivion Song #01-06
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Lorenzo De Felici & Annalisa Leoni
ISBN: 978-3-95981-771-4

Outcast 5

© Outcast Band 5

„Die Sünde ließ ihn von innen verrotten.“

In gewisser Weise sind Horrorgeschichten, so gruselig sie auch sein mögen, oftmals banale Erzählungen, die auf inhaltlicher Ebene jeglichen Anspruch vermissen lassen und sich rein auf ihre Schock- beziehungsweise Ekelmomente reduzieren lassen. Es sind Geschichten, die konzipiert wurden, um ihren Lesern das Fürchten zu lehren und ihnen das Blut in den Adern gefrieren zu lassen, jedoch völlig außer Acht lassen, diese Eigenschaften mit einem komplexen und vielschichtigen Inhalt zu verbinden, um so etwas zu erschaffen, das mehr ist als bloß blanker Horror. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und so wird es wohl niemanden verwundern, dass auch der heutige Band abseits der gängigen Klischees einzuordnen ist. Denn Outcast als reine Horrorgeschichte abzustempeln und nicht weiter zu beachten, wäre, so viel sei an dieser Stelle gesagt, ein fataler Fehler.

Mittlerweile ist die Reihe bei Band 5 (Anm. d. Red. Nachzulesen ist die Rezension zu Band 4 hier) angelangt und schön langsam ergeben die schicken Hardcover Editionen von Cross Cult im Regal ein wirklich ansehnliches Bild. Nachdem uns der letzte Band mit einem üblen Cliffhanger zurückgelassen hat, überschlagen sich hier nun die Ereignisse. Kyle, der mittlerweile seine eigene Heimatstadt kaum noch betreten kann, lernt nicht nur einige brisante Details über seine Kräfte, sondern erfährt auch, dass er nicht der einzige Outcast in Rome ist. Währenddessen entwickelt sich Reverend Anderson immer mehr zu einem gefährlichen Fanatiker, der bereit ist, für seinen Glauben und die damit verbunden Mission über Leichen zu gehen. Die Kluft in der Gemeinschaft wird somit immer größer und die damit verbundenen Missverständnisse schwächen deren Zusammenhalt. In diesem Durcheinander scheint es so, als würden einige vergessen, wer hier wirklich der Feind ist – und der plant schon seinen nächsten Coup.

Robert Kirkman trifft auch mit diesem Band wieder voll ins Schwarze. Was vielversprechend und extrem ambitioniert begonnen hat, entwickelt sich immer mehr zu einem hochkomplexen Horror-Thriller. Outcast ist die perfekte Mischung aus düsterem Grusel und rationaler Furcht. Autor und Zeichner schaffen eine Welt, in der man fürchtet, was man nicht versteht und in der einfach nichts so ist, wie es scheint. Azacetas Zeichnungen sind, wie auch in den vorherigen Bänden, jedem Zweifel überhaben und sorgen in gewohnter Manier für ein mysteriös wirkendes Setting.

Dass die Serie gezielt einen Plan verfolgt und Kirkman die Leser geschickt häppchenweise mit Antworten füttert, ohne aber die Geschichte in die Länge zu ziehen, zeichnet Outcast als eine Reihe aus, die in keinem Regal fehlen sollte. Ich rate also jedem, sich zumindest die Zeit zu nehmen, ein paar Minuten darin zu blättern, denn ist man einmal dabei, lässt Outcast einen nicht mehr los.

BEWERTUNG: 4 1/2 von 5 Sternen
Titel: Outcast: Ein neuer Weg
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Outcast #25-30
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Paul Azaceta
ISBN: 9-783959-8-15499

Negan ist hier! Das Interview mit Charlie Adlard

© Negan ist hier – Crosscult

Während letzte Woche noch über Negans Vergangenheit berichtet wurde und ich mir Negan ist hier! einmal genauer angesehen habe, ermöglicht uns Cross Cult diese Woche ein Interview mit niemand geringerem als Charlie Adlard, dem Zeichner der The Walking Dead Serie, der natürlich auch Negans’ Herkunftsgeschichte in Szene setzt. Wie er die Figur und dessen Entwicklung sieht und wie seine Arbeit mit Robert Kirkman generell aussieht, könnt ihr im folgenden Gespräch nachlesen:

Stefan: Wann haben sich Du und Robert Kirkman dazu entschieden, Negan eine Origin Story zu spendieren und wieso?

Charlie: Negan hat generell eine etwas andere Entstehungsgeschichte im Vergleich zu anderen Figuren aus The Walking Dead. Normalerweise sendet mir Robert immer seine Vorstellungen zu einem Charakter und ich fertige dazu ein paar Sketche an. Negan bildet da eine Ausnahme. Es entstanden damals sechs verschiedene Cover, die jeweils einzelne Figuren und deren Waffen zeigten. So wollten wir die Saviors einführen. Eines der Cover zeigte einen Typen mit Lederjacke und einem Baseballschläger, welcher mit Stacheldraht umwickelt war. Später erzählte mir Robert, dass er keine Ahnung hatte, wie Negan aussehen sollte, bis er meine Zeichnung sah. Also nahmen wir das als Basis für den Charakter fügten noch einige Details hinzu, die Robert vorschlug, und Negan war geboren.

S: Origin Stories sind ja immer ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sind die Leser neugierig, wie die Biographie einer Figur aussieht, auf der anderen Seite nimmt man dem Charakter, wenn man zu viel verrät, oftmals seine interessanten Aspekte. Wie stehst du zu dieser Zwickmühle?

C: Ich habe das eigentlich nie wirklich als eine Zwickmühle gesehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass das eher ein Frage ist, die den Autor und nicht so sehr den Zeichner betrifft. Dennoch kann ich dazu sagen, dass wir bewusst auf detaillierte Origin-Stories in The Walking Dead verzichtet haben. In erster Linie deshalb, weil die Serie auf das Hier und Jetzt fokussiert ist und keinerlei Herkunftsgeschichten bedarf. Bei Negan wurde uns allerdings schnell bewusst, dass wir, aufgrund seiner Entwicklung innerhalb der Serie, UNBEDINGT auf seine Vergangenheit eingehen mussten. Also spendierten wir ihm eine separate Origin-Story, die wir als abgeschlossene Geschichte veröffentlichten. Ich bin der Meinung, dass diese dem Charakter einiges gegeben hat und Negan vom gewöhnlichen Schurken zu einer der wohl am besten verstandenen Figuren innerhalb der Geschichte wurde. Wen du mich fragst, ist er mittlerweile einer der faszinierendsten Charaktere innerhalb der Serie.

S: Wie viel Charlie Adlard steckt in den Figuren von The Walking Dead und wie viel steckt insbesondere in dem Charakter von Negan?

C: Also, da ich die gesamten Figuren zeichne, würde ich sagen mein Anteil liegt bei 50%. Und so sollte das übrigens bei jedem guten Comic aussehen: Autor und Zeichner sind jeweils zur Hälfte am Ergebnis beteiligt. So läuft das nun mal. Ist der Anteil von einer der beteiligten Personen zu hoch, dann wirkt die Serie unausgeglichen und auf einmal, ist das Endprodukt nicht mehr so, wie ein Comic nun einmal sein sollte.

S: Negans Geschichte ist von persönlichen Verlusten geprägt, die er oftmals durch den Gebrauch von vulgärer Sprache und Gewalt kompensiert. Wie gehst du vor, um diese Emotionen auch zeichnerisch auf den Leser wirken zu lassen?

C: Das ist natürlich die große Herausforderung in The Walking Dead. Es geht immer nur um die Figuren und deren Emotionen. Das ist es aber auch, was ich an der Serie so schätze und was mich an ihr begeistert. Es ist oftmals eine Herausforderung, aber das ist auch der Grund, warum ich seit über 170 Einzelheften noch immer an der Serie beteiligt bin. Sicherlich ist es oft nicht leicht, aber wo wäre denn der Spaß, wenn es immer so einfach wäre? Es würde mit der Zeit langweilig werden und das würde man natürlich auch in meinen Zeichnungen sehen.

S: In Negan ist hier! gibt es einige Panels, die komplett ohne Text auskommen und trotzdem (oder sogar deswegen) eine starke Aussagekraft haben. Inwiefern unterscheidet sich der kreative Prozess des Erstellens solcher Panels im Vergleich zu denen mit Text/Dialogen?

C: Schlussendlich bin ich immer verantwortlich, eine Geschichte zu erzählen. Und gerade bei Comics ist das sicherlich das Wichtigste. Natürlich wird immer über die großartige Schreibweise und die phänomenalen Zeichnungen geredet, dennoch, am Ende steht immer die Geschichte selbst. Wenn ich keine Geschichte ohne Dialoge erzählen könnte, dann wäre ich falsch in meinem Beruf und sollte kein Comic Zeichner sein.

S: Wie viele künstlerische Freiheiten hast du als Zeichner der Serie? Man liest ja immer wieder über Autoren die strikte Vorgaben haben, aber auch jene, die dem jeweiligen Zeichner viele Freiräume einräumen? Was für ein Typ ist Robert Kirkman?

C: Robert ist ein Minimalist was das angeht – und das gefällt mir. So habe auch ich mehr Spielraum innerhalb des Skripts und es fühlt sich nicht so an, als ob ich an alles gebunden wäre, was der Autor schreibt. Wie ich schon sagte, ich trage genau so viel zur Geschichte bei wie Robert. Er liefert das bestmögliche Skript und ich lasse anschließend meine Phantasie spielen. Außerdem arbeiten wir mittlerweile seit 14 Jahren Monat für Monat zusammen. Wenn wir während all dieser Zeit keinerlei Gespür für den anderen bekommen hätten, würde etwas gewaltig falsch laufen.

Vielen Dank für das Interview!

Und vielen Dank an den Cross Cult-Verlag, der dieses Interview möglich gemacht hat!

Outcast 4

© Outcast 4

 

Wer bist du, den Willen Gottes zu verwehren?“

Dass Robert Kirkman ein Meister darin ist, altbekannten Konzepten neues Leben einzuhauchen, beweist er in mittlerweile 28 erschienen Bänden von The Walking Dead mehr als eindrucksvoll. Parallel zu den Zombies wagt sich der Amerikaner allerdings auch an ein ebenso stark etabliertes Genre heran und liefert mit Outcast eine Horror-Story, die uns tief in den Bereich des Exorzismus führt. Kirkman bedient sich für den Aufbau und für das Setting am Repertoire einer Enthüllungsgeschichte, indem er sowohl seine Figuren als auch die gezeigten Schauplätze mit einer gewissen Dramatik und Dunkelheit auflädt, die Lesern viel Spielraum für Interpretationen lassen. Zusätzlich unterwandert er immer wieder geschickt und sehr subtil genre-spezifische Stereotypen und schafft es dadurch, Spannung und Grusel aufrecht zu erhalten.

Im vierten Band dieser Reihe liefert uns der Autor erstmals Antworten auf einige der Fragen, die uns Lesern seit dem ersten Band unter den Fingernägeln brennen. Kyle, der sich mittlerweile seiner Kräfte bewusst ist, diese allerdings nicht zuordnen kann, gerät zunehmend in Bedrängnis und muss einige ungemütliche Entscheidungen treffen. Auch Reverend Anderson wird schonungslos mit Wahrheiten konfrontiert, die sein gesamtes Welt- und Glaubensbild heftig auf den Kopf stellen. Es scheint so, als ob in der Kleinstadt Rome, in West Virginia, weitaus mehr Menschen besessen sind, als er und Kyle bisher vermutet haben. Zu allem Überfluss steht nun auch der vermeintliche Feind direkt vor der eigenen Haustür und so müssen beide Protagonisten entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen. Eine Entscheidung, deren Folgen schwerwiegender nicht sein könnten.

Obwohl sich Kirkman mit The Walking Dead die Latte selbst sehr hoch gelegt hat, beweist er mit Outcast seit mittlerweile über zwei Jahren, dass er ein durchaus facettenreicher Schreiber ist. Hier glänzt er vor allem mit breitgefächerten Charakteren, die sich von Ausgabe zu Ausgabe weiterentwickeln und mit denen man sich, aufgrund ihrer authentischen Handlungen, leicht identifizieren kann. Zusätzlich schafft es Kirkman immer die richtigen Zeichner ins Boot zu holen und hat mit Paul Azaceta wohl einen der begabtesten Künstler der Szene an Board. Der Mann ist ein Meister seines Faches und überzeugt durch eine geniale Farbwahl und einem ausgeklügeltem Licht-Schattenwechsel, der großen Anteil an der düsteren Atmosphäre hat. Zusätzlich etabliert Azaceta seit dem ersten Band eine sehr eigenwillige und repetitive Panelstruktur, die perfekt mit Kirkmans eher mäßigem Erzähltempo harmoniert und so eine belastend dunkle Stimmung erzeugt.

Allein aufgrund der bereits angesprochenen Charakterentwicklung würde ich jedem dringend raten, bei Band eins einzusteigen, um so die Story in voller Länge genießen zu können. Der vorliegende Band eignet sich allerdings auch bestens als Einstieg, da genau hier ein neuer Abschnitt beginnt und man somit der Geschichte problemlos folgen kann. Wie man es auch dreht und wendet, Outcast ist und bleibt ein unumgänglicher Pflichtkauf.

BEWERTUNG: 4 ½ von 5 Sternen

Euer Stefan

Titel: Outcast: In den Fängen des Teufels
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Originalausgaben: US Outcast #19-24
Autor: Robert Kirkman
Zeichner: Paul Azaceta
ISBN: 9-783959-8-10852